Urwald-Metropole

25. Juni 2014 01:34; Akt: 25.06.2014 10:56 Print

Zwei Jahreszeiten: Sommer und Hölle

von S. Compagno & E. Tedesco, Manaus - Was für eine Stadt! Erreichbar nur zu Wasser und in der Luft, inmitten des endlosen Grüns des Regenwaldes, ist Manaus jener Ort, an dem sich die nahe Zukunft der Nati entscheidet.

Erreichbar nur zu Wasser und in der Luft, inmitten des endlosen Grün des Regenwaldes ist Manaus jener Ort, an dem sich die nahe Zukunft der Nati entscheidet. (Video: 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

1,9 Millionen Menschen leben am Rio Negro, wenige Kilometer bevor er mit dem Rio Solimões zusammenfliesst und den Amazonas bildet. Der Kautschukboom hat die Stadt im 19. Jahrhundert für einige Jahrzehnte unermesslich reich gemacht. Noch heute zeugen alte Paläste und Bauwerke wie das Opernhaus von vergangenem Reichtum.

Umfrage
Wie endet die Partie Schweiz - Honduras?
72 %
12 %
16 %
Insgesamt 9037 Teilnehmer

Sämtliche Baustoffe für das «Teatro Amazonas» wurden aus Europa eingeführt: Ziegel aus Lothringen, Schmiedeeisen aus England, Marmor und Porzellan aus Italien. Der Prunkbau mit 700 Plätzen vereinigt Stilelemente aus Barock, Renaissance, Neoklassizismus und Jugendstil und ist heute die wichtigste Touristenattraktion der Stadt.

Der Kautschuksamen-Klau

Der Kautschuk-Rausch war flüchtig. Der Engländer Sir Henry Alexander Wickham schmuggelte im Jahr 1876 rund 70'000 Kautschuksamen ausser Landes. In England wuchsen in den königlichen Gewächshäusern zwar weniger als 4000 Setzlinge heran, aber das reichte. Nur 20 Jahre später deckte Malaysia 90 Prozent des Kautschukbedarfs der Welt.

Anders als in Brasilien hatten die Pflanzen dort keine natürlichen Feinde, gediehen prächtig und warfen mehr Ertrag ab als in ihrem Herkunftsland. In England wurde Wickham geadelt, in Brasilien gilt er als Biopirat. Als er 1928 starb, gab es mehr als 80 Millionen Gummibäume im britischen Empire, in Malaysia und Ceylon (heute Sri Lanka).

Stadt der Motorräder und Mobiltelefone

Manaus verarmte. Doch 1957 richtete die brasilianische Regierung eine Freihandelszone ein, die viele internationale Unternehmungen anzog. Viele internationale Firmen siedelten sich am Rio Negro an. Motorräder (Harley Davidson, BMW, Honda, Yamaha…), Computer, Mobiltelefone und Klimaanlagen werden in der Freihandelszone gefertigt. Dazu liefert der Amazonas Fische, im Hinterland wachsen Früchte und Gemüse. Heute gehört Manaus gehört wieder zu den prosperierendsten Städten des Landes.

Und dann ist da noch der Tourismus. Er spielt für Manaus keine so wichtige Rolle wie für andere brasilianische Städte wie Rio de Janeiro oder Salvador de Bahia. Dafür ist die Stadt freundlicher und gemütlicher als die grossen Städte am Atlantik.

Das Treffen der Wasser

Was zu einem Manaus-Aufenthalt gehört, ist eine Bootsfahrt. Am Hafen warten Dutzende Boote, die gechartert werden können. Nach wenigen Minuten den Rio Negro hinunter erreicht man den sogenannten Encontro das Aguas, wo der schwarze Rio Negro und der braun-gelbe Rio Solimões zusammenfliessen. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Temperaturen und Fliessgeschwindigkeiten fliessen sie im gemeinsamen Flussbett des Amazonas rund sechs Kilometer nebeneinander her, ehe sie sich vermischen. Rundherum ist Urwald. Ein paar Restaurants schwimmen im Wasser und Tankstellen für Boote, daneben einfache Läden, wo sich Touristen mit Souvenirs eindecken können.

Mit welchen Souvenirs die Schweizer Nati aus dem einstigen «Paris der Tropen» abreisen wird, entscheidet sich am Mittwoch gegen Honduras. Eine Herausforderung wird das Klima sein inmitten des Regenwaldes. «Es gibt in Manaus nur zwei Jahreszeiten: Sommer und Hölle», lautet ein Sprichwort.