Die Instagram-WM

25. Juni 2018 23:11; Akt: 25.06.2018 23:11 Print

Nette Komplimente und hässliche Tiraden

Beim global wichtigsten Sport-Event reden mehr Menschen denn je mit. Die Fussball-WM erreicht im weltweiten Netz immer häufiger und schneller den Siedepunkt.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vermutlich nie zuvor wurde eine Weltmeisterschaft lückenloser verfolgt und kommentiert wie das aktuelle Turnier in Russland. Auf allen möglichen Kanälen veröffentlichen Millionen von Instant-Experten ihre Meinung ungefiltert. Manchmal genügt ein falsches Emoji, um einen tagelangen Shitstorm auszulösen. Jede Bewegung wird interpretiert, jede Momentaufnahme kann ohne Kontext zur multinationalen Angelegenheit aufgeblasen werden.

Umfrage
Wer wird Fussball-Weltmeister 2018?

Nett verzierte Komplimente und hässliche Tiraden, harmlose Grüsse und bösartige Verwünschungen aus dem anonymen Hinterhalt, gehaltvolle Beiträge oder Schreibübungen auf Primarschulniveau. Im nahezu unkontrollierbaren Social-Media-Dschungel sind die Grenzen fliessend. Pamphlete sind keine exklusive Angelegenheit, selbst Nationalrätinnen leisteten sich im Rausch ihrer Heimatgefühle gravierende Eigentore.

Federer hat keine Chance gegen CR7

Derweil die Facebook-Gemeinde in der virtuellen Stammtischwelt bereits mit ersten Altersbeschwerden zu kämpfen hat, verlagern sich die Debatten der Meinungsmacher auf andere digitale Plattformen. Twitter ist vor allem bei der medialen Entourage beliebt, Instagram hingegen ist im Ranking der Fussballer inzwischen uneinholbar führend – Klicks und Likes sind begehrt.

Auf der audiovisuellen Bühne sind die WM-Stars lückenlos vertreten. Ihre vorteilhaften und zuweilen unvorteilhaften Bilder werden von den Fans in vorstellbar hoher Frequenz begutachtet. Cristiano Ronaldo beispielsweise hat 131 Millionen Abonnenten, die sich auch ausserhalb der Rasenfläche mit jedem Schritt und (Fehl-)Tritt des Real-Superstars beschäftigen. Zum Vergleich: Die Tennis-Ikone Roger Federer kommt mit 5 Millionen Sympathisanten auf bedeutend weniger Reichweite als CR7.

Xhaka und Shaqiri im Fokus

Die WM-Startelf der SFV-Auswahl wird von über 4,6 Millionen Instagram-Account-Inhabern begleitet. Zwei Spieler stehen dabei besonders im Fokus: Granit Xhaka, mit 1,5 Millionen Follower quasi der Schweizer Social-Media-König, und Xherdan Shaqiri, dem derzeit knapp 300'000 Interessierte weniger folgen.

Beim Abschluss von zusätzlichen Werbeverträgen ist eine hohe Präsenz im Netz ein lukratives Argument, nach aufwühlenden Spielen hingegen werden die Portale der Protagonisten nicht selten vom internationalen Wutbürgertum besucht. Im Anschluss an das sportliche Rencontre mit dem Brasilianer Neymar wurde Valon Behrami innerhalb weniger Stunden mit über 143'000 Wortmeldungen überflutet – Anhänger der Seleção übergossen den Tessiner teilweise mit Hasstiraden übelster Prägung.

«Das geht so nicht»

Ähnliche Diffamierungen hatte Jimmy Durmaz auszuhalten. Der Schwede türkischer Abstammung verschuldete mit seinem Foul gegen Timo Werner die Last-Minute-Niederlage gegen Deutschland (1:2) mit und wurde von Fanatikern sofort an den Internet-Pranger gestellt. In einer gemeinsamen Aktion verurteilte die schwedische Equipe die Morddrohungen gegen ihren Mitspieler öffentlich aufs Schärfste.

«Ich habe mitbekommen, wie Durmaz beschuldigt worden ist», sagt Michael Lang zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Das nimmt Formen an, die so wirklich nicht gehen. Wir sind immer noch Fussballer, da sind nie böse Gedanken dabei – weder bei einem Foul noch bei einem Torjubel.»

Der Basel-Professional, generell mit einem feinen Sensorium für diverse Strömungen ausgestattet, will sich aber von der immer höheren Betriebstemperatur im Fussball-Business nicht nervös machen lassen: «Wir stehen drüber und sind stark.» Die verbalen Steilpässe überlässt der wohltuend besonnene Verteidigern anderen.

WM-Center

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Parker am 25.06.2018 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    Keine nerven mehr

    Übertreibt es noch mehr Lese seit Tagen nur noch Xhaka und Shaqiri. Es ist passiert manche verstehen es manche nicht aber so übertreiben müsst Ihr es auch nicht wieder.

    einklappen einklappen
  • R. Hess am 25.06.2018 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Leider gehts beim Fussball schon lange nicht mehr um "Sport" ;( zu reinem Kommerz verkommen.

  • Mike Zac am 25.06.2018 23:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das sind politische Zündis

    die Schweiz ist ein friedlicher Ort für alle Kulturen und Etnien. Nun scheint eine Kultur eine andere zu provozieren und missbraucht das Vertrauen der Schwizer Fans und der Politik, die ihr das Bürgerrecht gegeben hat. Ich finde das auf Dauer brandgefährlich. CH könnte zum Schauplatz kultureler Konflikte werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • tom am 26.06.2018 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das geht nicht

    viele worte, kurzer sinn. die 3 spieler verdienen viel geld. da erwartet man eine vorbildliche grundhaltung. die 3 herren hätten durch diese aktion eine katastrophe auslösen können. das war nicht schweiz. wir schweizer sind für neutralität und frieden. wir wollen kein krieg. für mich ganz klar. wir brauchen diese 3 spieler nicht in der nati.

  • Königliche am 26.06.2018 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Adler

    Nach dem Sommer kommt der Herbst und dann fliegen die Adler zumeist gegen Süden. Also, solange geniessen wir doch die königlichen Adler im schönen Schwiiizerland! ;)

    • Art. am 26.06.2018 13:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Königliche Gemeinsamkeiten

      Ich verstehe nicht, wieso sich nicht andere Erdbewohner ein Beispiel an der Schweiz nehmen. Vier Landessprachen, davon drei Amtssprachen, Förderalismus, direkte Demokratie, sieben Bundesräte, 25 % Ausländeranteil= Einfach top vorbildliches angenehmes Zusammenleben.

    • Realist am 26.06.2018 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      7 bundesräte, davon zu gebrauchen 0. Ausländeranteil im Strafvollzug über 80% In welchem Wunderland leben Sie? Ich nenne es eher der Anfang vom Ende.

    • Art. am 26.06.2018 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Und die Kriminal und Rückfallstatistik ist und bleibt eine der tiefsten, weltweit.

    • Absolut Deiner am 26.06.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

      Meinung

      @Realist. Super Kommentar, auf den Punkt gebracht. Musste echt schmunzeln. ;)

    • chluetteri am 26.06.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Königliche

      Ja. Und die Adlerhasser sollen gefälligst in ihrem Horst bleiben.

    • chluetteri am 26.06.2018 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      So top ist das nicht mehr.

    • chluetteri am 26.06.2018 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Realist

      Strafvollzug = Steuerfreies Ferienlager!

    • chluetteri am 26.06.2018 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Art.

      Ist nicht anders zu erwarten. Mit Gesetzen, wie aus der Bettwarenfabrik Fischer.

    einklappen einklappen
  • joe.waschl. am 26.06.2018 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    spitzenkoch.

    ich sage nur, poulet im chörbli.

  • Giovanni am 26.06.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Doppel Huhn

    Fifa mit Hauptsitz in der Schweiz bestraft die Schweizer Nati nicht. Sehr amüsant. Obwohl es ja auch eigentlich gar nicht um richtige Schweizer geht. Sehr komplexe Angelegenheit.

    • chluetteri am 26.06.2018 19:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Giovanni

      Italien kann leider nicht bestraft werden. DIE FEHLEN JA AN DER WM.

    • Neutral am 26.06.2018 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @chluetteri

      Bis jetzt hat Italien rein gar nichts verpasst an der WM 2018. Besser diesmal nicht teilnehmen als die eigene Nation, ihren Ruf zu schädigen mit politischen Gesten, die nicht zu deinem Land gehören!

    einklappen einklappen
  • Ociz am 26.06.2018 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nette Komplimente

    Das Urteil war ein fauler Kompromis. Xhaka und Shaqiri haben sich wohl schlappgelacht. Der Verband ist unglaubwürdig und naiv. Geld regiert auch die FIFA und Infantino hat keine Meinung ausser dass der Rubel rollen muss.

WM 2018 aktuell