Ivan Rakitic

15. Juli 2018 22:10; Akt: 15.07.2018 22:10 Print

«Wir sind die klar bessere Mannschaft gewesen»

Ivan Rakitic war eine prägende Figur dieser Fussball-WM 2018. Doch der grosse Triumph des schweizerisch-kroatischen Doppelbürgers blieb ihm verwehrt.

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Die Zeit muss quälend lang gewesen sein. 29 Minuten dauerte es nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Nestor Pitana, bis Fifa--Präsident Gianni Infantino und Russlands Staatschef Wladimir Putin für die Siegerehrung bereit waren. Und weil in dieser halben Stunde auch noch der Moskauer Himmel seine Schleusen öffnete, stand er da im strömenden Regen, regungslos und mit leerem Blick, wie ein begossener Pudel. Ivan Rakitic, der erste Schweizer in einem WM-Final, hat den Traum vom WM-Titel nicht realisieren können.


«Wir sind stolz auf unseren Ivan.» (Video: 20 Minuten)

Der phantastischen Karriere, die im Alter von vier Jahren in Möhlin im Kanton Aargau begann, beim FC Basel unter Christian Gross lanciert wurde und Rakitic über Schalke und den FC Sevilla zum Weltklub FC Barcelona führte, blieb in Moskau die Krönung verwehrt. «Im Moment bin ich sehr traurig und sehr enttäuscht», sagte der 30-jährige Mittelfeldspieler nach seinem 99. Länderspiel.

Symbolfigur dieser WM

Vielleicht dachte Rakitic in diesem Moment zurück an die 79. Minute. Sein Schuss flog knapp am Tor von Hugo Lloris vorbei. Es war die letzte Chance der kroatischen Stehaufmännchen, vielleicht nochmals einen Weg zurück zu finden in diesen Final. Doch es blieb beim 4:2 für die Franzosen. Mit zusammengepressten Lippen sagte er nach dem Schlusspfiff, Kroatien sei «die klar bessere Mannschaft» gewesen.

Aber Rakitic ist gleichwohl so etwas wie eine Symbolfigur für diese WM in Russland, diesem bunten Turnier der vielen Ethnien, Religionen, Sprachen und Herkünfte. In einer Zeit, in welcher in der Schweiz über Doppelbürger debattiert und in der Welt des Fussballs (und nicht nur hier) über Globalisierung diskutiert wird. Verwurzelt in Kroatien, der Heimat seiner Eltern, aufgewachsen und sozialisiert in der Schweiz im Kanton Aargau, ausgestattet mit dem schweizerischen und kroatischen Reisepass, verheiratet mit einer Andalusierin und wohnhaft mit Familie und Kindern in Katalonien. Rakitic verkörpert die moderne Gesellschaft.

Von der Präsidentin getröstet

Am Montag werden Rakitic und seine Kollegen in Zagreb wie Helden empfangen. Wie sehr die Menschen im kleinen Land an der Adria mit seinen vier Millionen Einwohnern wegen des Fussball-Nationalteams mit Stolz erfüllt sind, demonstrierte im Luschniki-Stadion die Höchste des Landes, Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic.

Im Fussball-Dress gekleidet nahm sie bei der Übergabe der Silbermedaille jeden einzelnen kroatischen Spieler liebevoll in den Arm. Tränen hatte sie dabei in den Augen, aber auch einen Glanz und ein Strahlen, die Freude und Stolz ausdrückten.

Der Dank an die Schweiz

Etwas mehr als eine Stunde nach dem Schlusspfiff sagte Rakitic mit dünner und leiser Stimme gegenüber dem Schweizer Fernsehen SRF: «Sogar der Himmel über Moskau hat mit uns geweint.»

Der Profi des FC Barcelona zeigte sich im SRF-Interview aber auch als sportlicher Verlierer. «Wir müssen Frankreich gratulieren. Dann müssen wir mit gutem Wille sagen: Zweiter für ein Land wie Kroatien ist unglaublich.» Sie, die Spieler, hätten es geschafft, dass die ganze Welt für Kroatien gewesen sei, ausser vielleicht die Franzosen. «Ich grüsse auch die Schweiz und will allen für die grosse Unterstützung danken. Es war ein super Monat.»

WM-Center

(fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 15.07.2018 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja...

    Bei Rakitic immer schön seine schweizerische Staatsbürgerschaft hervorheben aber unsere Jungs die für uns spielen immer schön bashen...

  • Kevin am 15.07.2018 22:39 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich gute Werbung für ihr Land

    Die Präsidentin von Kroatien fand ich extrem sympathisch. Denke sie hat mit ihrer authentisch wirkenden Art (neben der sportlichen Leistungen der Mannschaft) beste Werbung für ihr Land gemacht.

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  • Seppli am 15.07.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser?

    Gratulation an das spannende Spiel! Ist aber trotzdem etwas hochgegriffen zu sagen, wir sind klar die bessere Mannschaft gewesen, wenn man 4:2 verloren hat!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 16.07.2018 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur wer gewinnt hat gewonnen.

    Am Schluss zählt nur wer gewonnen hat. Da muss man auch nicht mehr darüber philosophieren. Frankreich hat den Pokal in den Händen.

  • Leser am 16.07.2018 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Alte Fussballweisheit: es gewinnt die Mannschaft die mehr Tore schiesst, als sie erhält. Das ist alles. Zweite Weisheit: mit guten Stürmern gewinnt man Spiele - mit einer guten Verteidigung Turniere.

  • Norbert am 16.07.2018 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grösster Witz war Sascha Amhof

    Der grösste Witz war eigentlich der möchtegern super Schiri Sascha Amhof. Er lag an der WM gefühlte 30x daneben mit seinen Entscheiden. Aber vielleicht versuchte das Leutschenbach einfach sich so zu geben, um die breite Masse ohne grosse Regelkenntnisse zu unterhalten. Eigentlich ein grosser Witz. Anstatt fachkundig zu bleiben, wurde meistens die Masse ohne Regelkenntnisse unterhalten. Da waren sie schon auf ORF besser. Gott sei Dank ist diese komische WM vorbei und in vier Jahren ....denke gar noch nicht daran.

  • Carlo S. am 16.07.2018 13:57 Report Diesen Beitrag melden

    Optisch besser aber nicht taktisch!

    Kroatien war vielleicht optisch besser aber in taktischen Belangen klar unterlegen. Frankreich konnte jederzeit den Rythmus ändern wenn es nötig war. Aber am Ende zählt halt nur das Resultat und das war klar.

  • Monsieur am 16.07.2018 11:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    typisch

    Traurige Verlierer die Kroaten. Jetzt werden tausende nichtssagende Ausreden gesu cht.Frankreich war die ganze WM eine WM Manschaft.

    • Verteidiger am 16.07.2018 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      Monsieur

      Sie lieber Monsieur haben aber ein kurzlebiges Gedächtnis, 2: 1 gegen Australien 1: 0 gegen Peru 0:0 gegen Dänemark in der schwächsten Gruppe gegen ein schwaches Argentinien waren sie gut 4: 3 und gegen Uruguay waren Sie tatsächlich super gegen Belgien 1:0 immerhin eine starker Gegner Das war keine Mannschaft wie Sie das herbei reden Kroatin hat immerhin in der Gruppe überzeugt 2: 0 gegen Nigeria 3:0 gegen Argentinien 2:1 gegen Island

    • Ono am 16.07.2018 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monsieur

      Schade können die Kroaten nicht mit dem grossen Erfolg, dem WM Finale-Einzug und guten Spiel zufrieden sein... Das ist doch ein Superresultat!

    • Mimi76 am 16.07.2018 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Monsieur

      Die Kroaten sind gute Verlierer, zudem unsere Jungs für uns WM sind. Wir sind sehr stolz auf sie, was auch die ausgiebigen Feiern gestern Abend, wie auch der heutige Empfang in Zagreb zeigten. Im Gegensatz zu den Schweizern, die ihre eigene Nati nur bei Erfolg lobt, aber nach einer Niederlage durch die Drecksmühle zieht.

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