Der Spickzettel

03. Juli 2018 11:26; Akt: 03.07.2018 13:02 Print

Achtung, England – ab jetzt drohen Penaltys

Fakten zum letzten Achtelfinal-Tag: Was Sie zu den heutigen Duellen wissen müssen.

storybild

Der fatalste aller Fehlschüsse: Gareth Southgate scheitert im Halbfinal der Heim-EM an Andreas Köpke. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Alle Augen auf Schweden - Schweiz – doch mit Kolumbien - England bietet der letzte Achtelfinaltag der WM in Russland am Abend einen weiteren Leckerbissen. Gelingt es der jungen Truppe von Gareth Southgate, den Siegeszug wieder anzustossen, der im dritten Gruppenspiel gegen Belgien zum Stoppen gekommen war?

Southgate und der Penalty-Fluch

Die Spanier oder Dänen mussten es bereits erfahren: Ab jetzt drohen wieder Penaltyschiessen. Angesichts dessen schlottern Fans der englischen Nationalmannschaft natürlich die Knie: WM 1990, 1998 und 2006, EM 1996, 2004 und 2012 – kein Team scheiterte in den letzten 30 Jahren so grandios vom Punkt wie die Engländer.

Den fatalsten aller Fehlschüsse leistete sich an der Heim-EM 1996 Gareth Southgate, ganz genau: der heutige Nationaltrainer. Im Halbfinal gegen die Erzrivalen aus Deutschland lief Southgate als fünfter englischer Schütze an und scheiterte an Andreas Köpke. Andy Möller machte daraufhin alles klar und schoss sein Team in den Final – wo es Tschechien mit Golden Goal bezwang.

Der fatale Fehlschuss von Gareth Southgate im EM-Halbfinal. (Quelle: Youtube)

«Ich konnte jetzt ein paar Jahrzehnte über diesen Fehlschuss nachdenken», sagt Southgate, heute 47, dem «Telegraph». Seine Konklusion: «Im Penaltyschiessen geht es nicht um Glück, nicht um Schicksal. Es geht darum, unter Druck zu bestehen. Daran kann man als Spieler arbeiten. Und das haben wir diesmal getan.»

Ist bei England die Luft draussen?

Zu reden gab nach dem 0:1 im abschliessenden Gruppenspiel auch Gareth Southgates Entscheid, mit einem B-Team anzutreten und die Niederlage und den damit verbundenen zweiten Rang in der Gruppe in Kauf zu nehmen. Bei den Fans kam die Massnahme, gleich acht Stammspieler zu schonen, gut an: Auf dem Weg in den Halbfinal stehen England nun Schweden oder die Schweiz und anschliessend Kroatien oder Russland im Weg. Und nicht Brasilien (und danach Frankreich).


Der Sieg der Belgier gegen Englands B-Team – Slapstikjubel von Michy Batshuayi inklusive. (Video: SRF)

Nur: Statt Japan heisst im Achtelfinal Kolumbien der Gegner. Und, befand der «Guardian»: Die Niederlage gegen Belgien habe jenen Schwung gekostet, den die beiden Startsiege gegen Tunesien und Panama erzeugt hatten. Auch die «Times» fragte verängstigt: «Ist die Luft nun etwa schon raus?» England war auf bestem Weg, sich in ein Stimmungshoch zu spielen – ob es zurückfindet zu diesen Emotionen, muss sich heute zeigen.

Kolumbien und die Rodriguez-Frage

Laut kolumbianischem Drehbuch hätte James Rodriguez zu einer grossen Figur dieser WM werden sollen. Beim Auftakt gegen Japan (1:2) wurde er dann jedoch wegen einer lädierten Wade nur eingewechselt. Beim 3:0 gegen Polen spielte die Offensivkraft des FC Bayern durch, blieb aber ohne Torerfolg. Zum Abschluss der Vorrunde gegen Senegal schliesslich (1:0) musste er noch vor der Pause verletzt ausgewechselt werden – wieder zwickte die Wade.


So kam Kolumbien zum 1:0-Sieg gegen Senegal. (Video: SRF)

Kolumbiens Trainer José Pekerman zeigte sich nach der Partie «extrem besorgt» über den Gesundheitszustand, «es sieht nicht gut aus», sagte er. Inzwischen ist aber klar, dass sich Rodriguez nur einen Bluterguss in der Wade zugezogen hatte. Zwar trainiert er deshalb nur limitiert, Pekerman ist aber schon zuversichtlicher, seinen Starspieler gegen England doch einsetzen zu können. Im Abschlusstraining machte er ohne Probleme mit.

Quintero: Lieber Musik als Fussball

Ob James Rodriguez spielt oder nicht, ist auch für Juan Fernando Quintero von Belang. Der 25-Jährige bestritt anstelle des Bayern-Stars das Eröffnungsspiel und traf zum zwischenzeitlichen 1:1. Damit sorgte er für ein Novum: Als erstem Kolumbianer war ihm an zwei Weltmeisterschaften ein Tor gelungen – nach einem Treffer in der Gruppenphase der WM 2014 gegen die Elfenbeinküste.

Dabei trifft Quintero nicht einmal besonders oft: Der Treffer gegen die Elfenbeinküste war sein erster im Nationaldress gewesen. Der gegen Japan sein dritter.

Vor dieser WM war Quintero zweieinhalb Jahre nicht berücksichtigt worden, weil er im Clubfussball nicht auf Touren kam. Der Mittelfeldspieler gehört dem FC Porto, der ihn seit 2015 aber recht konsequent ausleiht: an Rennes, an Independiente Medellin, derzeit an River Plate aus Buenos Aires.

Gründe für seine bislang durchzogene Bilanz auf Vereinsebene sind nicht nur sportlicher Natur. So warf ihm die Öffentlichkeit in Rennes vor, sich mehr um seine künstlerische Karriere zu kümmern als seine sportliche – Quintero, ein begeisterter Musiker, nahm zusammen mit der venezolanisch-kolumbianischen DJ-Combo Element Black Reggaeton auf und trat in mehreren Musikvideos auf.

Hippe Hüften: Element Black featuring Juan Fernando Quintero. (Video: Youtube)

Die Schweiz führt gegen Schweden

28 Spiele, 11 Siege, 10 Niederlagen - gegen kein anderes Nationalteam hat die Schweiz öfter gespielt und trotzdem eine positive Bilanz. Seit 2002 gab es allerdings kein Aufeinandertreffen mehr, in einem Testspiel resultierte damals ein 1:1. Torschützen: Ricardo Cabanas und Marcus Allbäck.

Zu den letzten Ernstkämpfen kam es in der Qualifikation für die EM 1996. Im Oktober 1994 gewannen die Schweizer ein spektakuläres Hinspiel im Berner Wankdorf 4:2 - nach zweimaliger schwedischer Führung. Legendär dann das Rückspiel: Angestachelt durch Alain Sutter, protestierten die Schweizer in Göteborg mit einem Transparent gegen die französischen Atomtests in der Südsee, hochgehalten während der Nationalhymne: «Stop it, Chirac».

Es würde heute wohl zum Skandal: Das Transparent der Schweizer in Göteborg. (Bild: Keystone)

Die Schweiz qualifizierte sich als Gruppensieger für England 1996, Schweden landete noch hinter der (ebenfalls qualifizierten) Türkei abgeschlagen auf Rang 3.

Svensson für Larsson

Mit Captain Stephan Lichtsteiner und Abwehrchef Fabian Schär fehlen der Schweiz heute zwei Eckpfeiler der Mannschaft. Der frühere Nationalspieler Stéphane Henchoz, selbst einst Abwehrrecke und heute Experte beim Schweizer Fernsehen, sieht das als Handicap. Vor allem die Absenz von Lichtsteiner, im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Er fehlt wegen seiner Mentalität und auch als Spieler. Ich habe meine Zweifel, ob sein Ersatz Michael Lang wirklich besser sein wird.»


Das müssen Sie über die Schweden wissen. (Video: Tamedia)

Aber auch die Schweden müssen wegen einer Gelbsperre auf einen wichtigen Spieler verzichten: Ihnen fehlt mit Sebastian Larsson ein zentraler Mittelfeldspieler. Der 33-jährige Routinier von AIK Stockholm, zur selben Zeit wie Philippe Senderos in der Academy von Arsenal ausgebildet und später bei Birmingham und Hull unter Vertrag, wurde gegen Deutschland und Mexiko verwarnt.

Larssons Ersatz dürfte Gustav Svensson sein. Der 31-Jährige ist weit gereist: Nach dem Abgang bei seinem Stammclub IFK Göteborg im Jahr 2010 spielte er in der Türkei, in China und aktuell bei den Seattle Sounders in der Major League Soccer.

WM-Center

(wie)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dave am 03.07.2018 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha..

    Zum Glück spielt ja die gleiche Manschafft wie vor 15 Jahren...

  • Totemügerli am 03.07.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Southgate - EM1996

    Which is the quickest Exit out of Wembley? Southgate!

  • Marc Sutter am 03.07.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zunge

    die schweizer sind ja auch so stark , ich sage nur streller mit seiner zunge

Die neusten Leser-Kommentare

  • Totemügerli am 03.07.2018 13:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Southgate - EM1996

    Which is the quickest Exit out of Wembley? Southgate!

  • Marc Sutter am 03.07.2018 11:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zunge

    die schweizer sind ja auch so stark , ich sage nur streller mit seiner zunge

  • Dave am 03.07.2018 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha..

    Zum Glück spielt ja die gleiche Manschafft wie vor 15 Jahren...

WM 2018 aktuell