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17. Juli 2018 23:51; Akt: 17.07.2018 23:51 Print

Panamas Trainer Gomez gibt Rücktritt bekannt

Islands Coach tritt ab und wird Zahnarzt +++ Rekordtorschütze Tim Cahill tritt zurück +++ Über eine Million sahen den WM-Final auf SRF 2 +++ Deutschland bleibt eine Fussball-Nation +++

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Wir starten mit einer Auswahl verhaltensauffälliger Fussballer. Im Tor nominieren wir Jordan Pickford, Englands ersten zuverlässigen Torhüter seit Einführung der Rückpassregel 1992. Die Abwehr bilden Stephan Lichtsteiner, auch bekannt als Doppeladler-Performer, Yerry Mina als kopfballstärkster Spieler sowie Mats Hummels wegen seiner witzigen Twitter-Kommentare. Im Mittelfeld stehen Valon Behrami (ungut: Heiratstermin während der WM), Sergej Milinkovic-Savic (bester Spitzname: SMS), Mohamed Amine Ben Amor (bester Nachname) sowie Rurik Gislason (Bild). Der Isländer gewann überlegen die Schönheitswahl («Mister Beckham»). Im Sturm stehen wir auf Abwechslung und nehmen Cristiano Ronaldo (traf nun an vier Weltmeisterschaften), Neymar (meiste Umdrehungen pro Sekunde) sowie Lionel Messi (bester Spieler ohne Tor in K.-o.-Spielen an vier Weltmeisterschaften - wenige Stunden später von Ronaldo eingeholt). Wird Kroatien Weltmeister, verdient es der wunderbare Luka Modric, die ewigen Weltfussballer Ronaldo und Messi bei der Wahl des besten Spielers 2018 zumindest herausfordern zu dürfen. Selbstverständlich hat der beste Fussballer der Welt einen eigenen Eintrag verdient. Er ging zwar früh heim. In der letzten WM-Woche gelang es Cristiano Ronaldo aber, die Schlagzeilen des Weltfussballs mit seinem Wechsel von Real Madrid zu Juventus Turin doch noch einmal zu dominieren. Man möchte meinen, Russlands Präsident Wladimir Putin sei untergetaucht und habe seinem Volk die WM geschenkt. Hat er clever gemacht. Am Montag trifft er US-Präsident Trump. Bald also auch wieder für viele: Demagoge, Despot, Donald-Dominator. An der auf 48 Mannschaften aufgeblähten WM werden es spätestens ab 2026 noch mehr von ihnen sein. Diesmal fielen vor allem die Panamaer (für manche auch: Panamesen, Panamäer, Panamos, Fallobst) ab: 3 Niederlagen, 2:11 Tore. Erstmals an einer WM Pflicht für alle Zuschauer. Die meisten Besucher trugen sie mit Stolz. Panamaer sah man allerdings kaum. Russland präsentierte sich von seiner besten Seite, das Turnier war ausgezeichnet organisiert, die Menschen sehr freundlich, die eigene Mannschaft überraschend stark. Ob Doping bei den erstaunlich fitten Russen nachhalf, werden wir wohl erst in ein paar Jahren erfahren. Wenn überhaupt. Putin hat selbst in scheinbarer Demut alles im Griff. Auch Fifa-Präsident Gianni Infantino ist überraschenderweise total begeistert vom Turnier. An seiner Bilanz-Pressekonferenz sprach der Schweizer am Freitag die gleichen Worte wie die Fifa-Präsidenten aus aller Welt und dem Wallis an den 20 Austragungen zuvor: «Das ist die beste WM aller Zeiten.» Der angeschlagene Superstar Mohamed Salah scheiterte mit Ägypten früh - und steht damit für das Ausscheiden aller fünf afrikanischen Mannschaften in der Vorrunde. Leider, darf man schreiben, erstmals seit Einführung der Schlümpfe 1958 nicht an einer WM dabei. Wird mit 48 Teilnehmern nicht mehr vorkommen. Eine WM ohne Italien ist wie ein Elfmeterschiessen mit England ohne Drama, ein Turnier in Europa ohne holländische Wohnwagen als Hindernis auf den Autobahnen und WM-Halbfinals ohne Brasilien, Deutschland oder Argentinien. U-21-Spieler blieben eher blass. Ausnahme: der 19-jährige Kylian Mbappé. Vielleicht wird man irgendwann schreiben, der Franzose habe am 15. Juli 2018 im WM-Final in Moskau gegen Kroatien den grössten Schritt auf dem Weg zum Weltstar realisiert. Prägten die WM von A wie Agüero, Sergio, bis Z wie Zuber, Steven. Wie übrigens auch Nachspielzeittore von A wie Agüero, Sergio, bis zum Beispiel . . . C wie Chadli, Nacer. Oder auch: Löw. Oder dann gleich: Löw an der Laterne. Und vor allem: Löws Leiden. Die Deutschen scheiterten erstmals an einer WM in der Vorrunde. Unter anderem, weil es Joachim Löw nie gelang, genügend Spannung in seiner Weltmeistertruppe aufzubauen. Und so steht das Bild, wie der zuweilen recht eitle Bundestrainer (und: L wie Liebhaber von Espressi) an der Strandpromenade in Sotschi für Fotografen an einer Laterne posiert, auch für: L wie Laissez-faire der Deutschen. Sachen gibts 2018, die gibts gar nicht. Prägten die WM nicht von A bis Z. Aber sind wieder wichtiger geworden. Vor allem als vorderste Verteidiger, als Ballverarbeiter, als Schwerarbeiter. Olivier Giroud und Mario Mandzukic (Bild), die zwei besten Defensivmittelstürmer, treffen sich heute im WM-Final. Haris Seferovic guckt bestimmt zu. Eine WM ist immer auch die hohe Messe der Tattoo-Fetischisten, Frisurenexperimentatoren und Bling-Bling-Liebhaber. Zum Glück gibt es Naturburschen wie Andreas Granqvist. Der Schwede sieht aus wie ein Baumfäller und könnte höchstens zum bärtigsten Fussballer der WM gewählt werden. «Football is coming home», die nächste Strophe, bitte sehr. Aber Englands Team ist jung, talentiert, begeisterungsfähig. Auf ein Neues 2022. Die Japaner sind gut erzogen - und die «Meister Proper» dieser WM. Nach dem bitteren Ausscheiden durch ein Gegentor in der Nachspielzeit (C wie Chadli, Nacer) im Achtelfinal gegen Belgien hinterliessen sie die Kabine blitzblank geputzt und mit einem Dankeswort an den WM-Gastgeber auf Russisch. Lionel Messi für einmal nicht bei der Kunst, sondern bei der Arbeit zuzuschauen, war schmerzhaft. Die Last der Erwartungen von ganz Argentinien, dem Land endlich wieder einen WM-Titel zu bescheren, erdrückte ihn. Zum Glück darf Messi bald wieder für Barcelona zaubern. Eigentlich positiv besetzter Ausdruck für wertvolle Spieler, die sich in den Dienst der Mannschaft stellen. Wie für den starken Franzosen NGolo Kanté. Aber auch für Neymar, den «Mister Rolle», der als Schauspieler ebenfalls ein Naturtalent ist. Nationalteams sind weniger eingespielt als Clubmannschaften. Die profanen Eckbälle, Freistösse und Elfmeter helfen - weit über ein Drittel aller Torean der WM fielen nach Standardsituationen. Der designierte Torschützenkönig Harry Kane erzielte 5 seiner 6 Tore so (3 per Penalty, 2 mit dem Kopf nach Cornern). Die Fifa lud ehemalige Weltstars nach Russland ein. Allen die Show stahl Diego Maradona mit mehreren tragischen Auftritten auf der Tribüne. Der Argentinier ist - Stand bei Redaktionsschluss - wohl der einzige WM-Dopingfall 2018. Endlich einmal nach Einführung des Farbfernsehens einen Viertelfinal an einer Endrunde erreichen wollte die Schweiz. Die Ausgangslage nach der Vorrunde: bunt und prächtig. Dann kamen die Normalos - und es wurde zappenduster. Die Schweizer Fussballer («Generation wieder nicht») gingen entweder nach Hause, heirateten aus Schreck gleich oder zerfleischten sich in der Doppelbürger-Debatte mit Schwarz-Weiss-Denken. Videoschiedsrichter wurden erstmals an einer WM-Endrunde eingesetzt. Sie erledigten ihren Job ordentlich, es gab erstaunlich wenig Debatten. Wer aber ein Gegner dieser Neuerung im Fussball ist, wird seine Meinung in den letzten Wochen kaum geändert haben. Und wieder schied der Weltmeister bereits in der Vorrunde aus. Wie 2002 die Franzosen, 2010 die Italiener und 2014 die Spanier. Nun also die Deutschen. Eventuell taugt diese erstaunliche Statistik als Trost für den heutigen Finalverlierer. Wie praktisch, gibt es Granit Xhaka. Zumindest für diese Rubrik. Aber auch er kann niemandem ein X für ein U vormachen. Die beste WM-Leistung bot der selbst ernannte Weltklassespieler und gebürtige Kosovare gegen Serbien, als er mit heiligem Zorn und doppeltem Herzen spielte. Das gilt übrigens auch für Xherdan Shaqiri, dessen Vorname hier zur Not auch hergehalten hätte. Selbst wir können Ihnen kein X für ein U vormachen. Also nehmen wir an dieser komplizierten Buchstabenstelle YB. Der Schweizer Meister hatte erstmals seit 2014 (Steve von Bergen) keinen Spieler an der WM dabei. Seit der Einführung von Facebook und Twitter sind solche schrägen Nachrichten total trendy. Längst nicht alle WM-Partien waren ausverkauft, einige sogar recht stimmungsarm. Die europäischen Teams wurden in Russland nicht von grossen Fangruppen unterstützt. Ganz anders die Mannschaften aus Süd- und Lateinamerika, die von über einer halben Million Menschen begleitet wurden. In vier Jahren an der Strassenbahn-WM in Doha (und Agglomeration) werden die Reisen angenehmer sein. Fast zu kurz für Wohnwagenfreunde. In diesem Sinn: Spasibo Russland, auf Wiedersehen in Katar. Fabian Ruch

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(sda/ta)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Drippler am 29.06.2018 23:45 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Behrami

    Ich möchte Behrami nochmal gegen Neymar sehen. Das war super.

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  • Womens Toes am 30.06.2018 05:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Vorbild

    Keiner hat die Captainbinde mehr verdient als Behrami

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  • Bagga81 am 30.06.2018 02:07 Report Diesen Beitrag melden

    Behrami

    Gut so. Ein Kämpfer Typ.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marijo am 15.07.2018 21:52 Report Diesen Beitrag melden

    Man of the Match

    Man of the Match.........Nestor Pitãna! gracias maricon

  • Germane am 14.07.2018 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Lahm

    Da will wohl einer Trainer werden weil es als Unternehmer nicht klappt

  • Cavi33 am 13.07.2018 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Begrenzte Zeit

    Lahm hat auf der ganzen Linie recht, Löw ist ein mittelmässiger Trainer und damit hat es sich. Also ist ein neuer Stil angesagt mit oder ohne Löw, er hat ja fast zwei Jahre Zeit und jede Menge guter Jungtalente.

  • urschweizer am 13.07.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Hitzfeld ...

    Wie wär's nicht nur die Affäre um die Erdogan-Fotos als Grund für das frühe Ausscheiden zu sehen, SONDERN die Nomination als Nr. 1 von Manuel Neuer. Ein guter Goalie ist er sicher, aber er brachte meines Erachtens eine schlechte Stimmung in die Mannschaft. Es kommt einer der die ganze Saison nicht gespielt hat, nimmt die Kaptainbinde und alle anderen sollen spuren - das geht halt auch im so hochgelobten deutschen Team nicht.

  • Swissman73 am 13.07.2018 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Jogi, hör auf Lahm

    Hätte Lahm doch schon vor der WM mit Löw gesprochen. Internet abzustellen und die Abschottung im falschen WM Quartier, die Erdogan Äffäre usw. waren wohl doch nicht so toll für den Teamgeist...

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