Was die WM zeigte

16. Juli 2018 15:42; Akt: 16.07.2018 16:46 Print

Faul ist das neue Clever

Wenig Ballbesitz, wenige Abschlüsse und eine tiefe Laufleistung führten zum Erfolg – das zeigt uns ein Blick in die Leistungsdaten der WM.

storybild

Es braucht nicht unbedingt eine hohe Laufleistung, um erfolgreich zu sein. Paul Pogba scheint das zu wissen. (Bild: Keystone/Robert Ghement)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Solange wir den Ball haben, schiesst der Gegner kein Tor.» Die Lehre vieler Fussballtrainer konnte an der WM nicht überzeugen. Sie wurde gar widerlegt. Weltmeister Frankreich hatte in vier der sieben Spiele weniger lang den Ball als der Gegner, ab dem Viertelfinal – also in den entscheidenden Spielen – immer.

Dass Ballbesitz noch kein Spiel entscheidet, ist nicht grundsätzlich neu. Beim denkwürdigen WM-Halbfinal zwischen Brasilien und Deutschland vor vier Jahren hatten die Brasilianer mehr Ballbesitz – und gingen trotzdem 1:7 unter. Der spätere Weltmeister Deutschland aber hatte nur in diesem einen Spiel den Ball weniger lang als der Gegner.

2010 dominierte Weltmeister Spanien ballbesitzmässig seinen Gegner gar in allen sieben Partien. Hat der Ballbesitz also an Wichtigkeit verloren? Zufall kann es nicht sein, dass in Russland in 16 Spielen der K.-o.-Phase neunmal das Team mit weniger Ballbesitz als Sieger vom Platz ging. Woran dies liegen könnte? Mindestens zum Teil an den Standards.

Mit ruhenden Bällen zum Erfolg

Die Twitter-Abteilung des deutschen Fernsehsenders ZDF beobachtete Englands Torerfolge mit einem Wortspiel: «Werden englische Tore nach ruhenden Bällen nun eigentlich zum Standard?» So in die Welt des Internets hinausgezwitschert nach dem Freistosstor von Kieran Trippier im Halbfinal gegen Kroatien. Nun ja, Harry Kane und seine Kollegen waren auffällig oft nach ebendiesen ruhenden Bällen erfolgreich. Neun von zwölf Toren erzielte England nach Standards.


Nach einem Eckball: Harry Maguire köpft England gegen Schweden in Front. (Video: SRF)

Die Three Lions sind demnach das Paradebeispiel für diese WM: 73 von 169 Toren des Turniers fielen direkt nach Freistössen, Eckbällen, Einwürfen – oder Penaltys. Das sind 43 Prozent aller Treffer, was einen Rekord seit der Datenerhebung im Jahr 1966 bedeutet.

Weniger ist mehr

«Wir müssen viel schiessen, dann geht sicher einer rein.» Die in den Kabinenansprachen der unteren Amateurligen gerne gebrauchte Weisheit wurde an der WM in Russland widerlegt. Es kommt nicht auf die Anzahl der Abschlüsse an, sondern auf deren Genauigkeit. Und genau diese Präzision machte Frankreich zum Champion.

Den höchsten Schnitt an Schüssen pro Spiel erreichte Titelverteidiger Deutschland. Sie schossen in ihren drei Vorrundenpartien durchschnittlich rund 23-mal – und fuhren anschliessend mit zwei Niederlagen im Gepäck nach Hause.



Seltenes Glück: Toni Kroos trifft gegen Schweden zum 2:1. In den anderen Partien blieb der Titelverteidiger torlos. (Video: SRF)

Der neue Weltmeister kam auf bescheidene 11,85 Abschlüsse pro Match. Sogar Marokko, Nigeria und Saudiarabien versuchten ihr Glück öfter. Auch die Schweiz schoss mit rund 14 Versuchen pro Spiel häufiger als Les Bleus.

Die Kräfte intelligent einsetzen

Auch das bei Trainern beliebte und bei Spielern gefürchtete Konditionstraining ist nicht mehr der Schlüssel zum Erfolg. Das zeigt ein Blick auf die Laufleistung der WM-Teams. Hier musste das Topteam ebenfalls nach der Vorrunde die Segel streichen. Die Serben liefen in den Partien gegen Costa Rica, die Schweiz und Brasilien rund 113 Kilometer pro 90 Minuten – mehr als jedes andere Team.

Der neue Weltmeister war da um einiges lauffauler. Sie kamen auf rund 12 Kilometer weniger pro Spiel. Mit Panama, Mexiko, Nigeria und Argentinien bewegten sich nur vier Teams weniger. Hier zeigt sich: Wer gut steht und clever verschiebt, muss nicht viele Kilometer abspulen, um erfolgreich zu sein. Die kroatischen Vizeweltmeister mit 107 Kilometern pro 90 Minuten rangieren, wie auch die Schweiz, im obersten Drittel der lauffreudigsten Equipen.

WM-Center

(tzi/te)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Angel Knows Nothing am 16.07.2018 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Noch nie.....

    gab es an einer WM so viele Simulation und so wenige gelbe Karten (Neymar, Mpappe, Griezmann, etc.). Diese Simulationen nerven und ruinieren das Spiel.

    einklappen einklappen
  • Pasci am 16.07.2018 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Make Football great again!

    ganz ehrlich... Ich kann so langsam jeden verstehen der kein Fussball mehr schaut! Früher haben mich diese Kommentare a la "Fussballer sind Memmen aufgeregt" aber jetzt ist es einfach nur noch peinlich. Wieso kann ein Videoschiri nicht auch Schwalben ahnden?! Das MUSS kommen, riguros auch nachträglich. Jeder der Theater macht und sich ohne Grund am Boden wälzt muss Gelb bekommen oder gesperrt werden! Nur so bekommt man diese Möchtegern Profifussballer wieder in den Griff.

    einklappen einklappen
  • Mycky. K am 16.07.2018 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Videobeweis

    Diese Schwaben sollten besser kontrolliert werden und mit gelben Karten belohnt werden.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alfred Eisler am 17.07.2018 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schwaben?

    @Mycky. K Die Schwaben sicher nicht oder?

  • Johnny English am 17.07.2018 09:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere Kroatien!

    Super Leistung! Wie männer gespielt. Respekt!

  • Bonbon am 17.07.2018 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen!

    Immerhin haben die Herzen der französischen Spieler für Frankreich geschlagen. Einige kroatische ja für die Ukraine. Von wegen Weltmeister der Herzen. Wer die Siegesfeier auf den Champs Elysée gesehen hat, wird die Feier in Zagreb eher als Dorffest einstufen.

    • Swissman73 am 17.07.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Bonbon

      Du hast schon mitbekommen, dass es massive Ausschreitungen auf der Champs Elysée gab oder? Geschäfte geplündert wurden. Dagegen waren die tausende Menschen in Kroatien alle friedlich. Also mir ist ein friedliches Dorffest, wie Du es nennst lieber, als die Ausschreitungen in der Stadt der sogenannten Liebe. Und bei den Kroaten haben nur zwei Herzen für die Ukraine geschlagen, das von Vida (Geldstrafe bekommen) und von dem Scout, den sie heimgeschickt haben. Einverstanden, auch ohne rosa Brille?

    • Ich feiere woanders! am 18.07.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

      Nein Danke!

      Friedliches Volksfest, wo faschistische Lieder angestimmt werden?

    einklappen einklappen
  • evi am 17.07.2018 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    schon traurig jetzt geht die WM nach 4 Wochen zu Ende und es gibt hier immer noch viele die keine Ahnung von Fussball haben und doch kommentieren

    • Swissman73 am 17.07.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      @evi

      Kann Dir nur zustimmen, evi ! Zu 100% !

    einklappen einklappen
  • Housi vo hie am 17.07.2018 07:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schade für den Fussball

    Solange die Spieler für Schwalben und simulieren nicht bestraft werden , oder sogar wie im Fall Griezmann noch zum man if the match gewält werden , wird es nie besser werden. Es wird immer schlimmer und Fussball immer unatraktiver.