WM-Höhenflug

04. Juli 2018 13:26; Akt: 04.07.2018 19:30 Print

Englands Talentschuppen sorgt zu Hause für Ekstase

von Fabian Ruch, Moskau - England träumt nach dem Achtelfinalsieg gegen Kolumbien von einem grossartigen Sommer in Russland.

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Es gibt Momente, die bleiben für immer. In einem packenden, intensiven, teilweise wilden WM-Achtelfinal parierte Torhüter Jordan Pickford im Elfmeterschiessen gegen Kolumbien den Versuch von Carlos Bacca spektakulär – und ermöglichte damit einen historischen Erfolg seiner Auswahl. Erstmals setzte sich England in einem WM-Penaltyschiessen durch, was für Ekstase in der Heimat sorgte. Selbst der nüchterne «Guardian» schrie seine Freude regelrecht heraus und meinte: «Yes, we can!»

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England überwindet sein Penalty-Trauma

Unvergessen bleibt die gewaltige Erleichterung der englischen Mannschaft, die nach dem gewonnenen Elferduell vor einer prächtigen Ausgangslage steht. «Wir müssen den Augenblick geniessen», sagt Pickford, «aber wir müssen konzentriert bleiben. Unser Weg ist hier noch nicht zu Ende.» Im Viertelfinal am Samstag gegen Schweden werden die Engländer favorisiert sein, im Halbfinal gegen Kroatien oder Russland wären sie keineswegs der Aussenseiter. «Wir wollen nicht zu weit nach vorne blicken», sagt Pickford, «aber wir wissen natürlich auch, wie das Tableau aussieht.»

Pickford als Lösung im Tor

Jordan Pickford ist eine Symbolfigur für diese junge, talentierte, aber eben auch unerfahrene englische Nationalmannschaft. 24 Jahre alt ist der Torhüter Evertons im Frühling geworden, vor dieser WM hatte er erst drei Testspiele für England bestritten. Nun ist er ein Held in der Heimat, der das jahrzehntelange Goalieproblem seines Landes möglicherweise vergessen lassen macht. Die brutale Leidenszeit der Engländer im Elfmeterschiessen hat er mit seiner Parade gegen Bacca schon mal beendet.

Und es gibt andere wichtige Figuren im Team, den umsichtigen Abwehrchef Josh Stones, den eleganten Strategen Dele Alli, den wuchtigen Torjäger Harry Kane, keiner ist älter als 24. Früher als erwartet erhalten sie mit den Three Lions die Gelegenheit, ernsthaft um einen Titelgewinn zu kämpfen. Dazu passt, dass der eingewechselte Eric Dier, der den letzten Elfmeter verwandelte, ebenfalls erst 24 ist. «Wir sind stolz, was wir bisher erreicht haben», sagt Captain Kane, «das sind wertvolle Erfahrungen für uns. Doch wir haben noch nicht genug.» Kane hat an dieser WM in drei Einsätzen bereits sechs Tore geschossen. «Das ist wunderschön und selbstverständlich eine grosse Befriedigung», erklärt er, «aber es würde mir wenig bedeuten, wenn wir gegen Kolumbien ausgeschieden wären.»


Goalgetter in Russland: Harry Kane verwandelt den Strafstoss souverän zum 1:0. (Video: SRF)

Der Stolz des Trainers

Angeleitet werden die Engländer von einem Trainer, der sich nach anfänglichen Akzeptanzschwierigkeiten längst als Sympathieträger etabliert hat. «Die Jungs machen das grossartig und haben sich auch durch den späten Ausgleich Kolumbiens nicht beirren lassen», sagt Gareth Southgate. «Sie schenken der Nation Hoffnung. Und sie lernen an jedem Tag dazu.»

Es klingt wie eine Drohung an die Konkurrenz.

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