«Pep-Effekt»

15. Juli 2018 12:33; Akt: 15.07.2018 16:23 Print

Wie Pep Guardiola die WM beeinflusst

Die Fifa zeigt sich vom sportlichen Geschehen angetan. Die Technische Kommission spricht von einer «unglaublichen Vielfalt an Stilen» und von einem «Pep-Effekt».

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Fünf Spiele, dreimal zu null – das ist die Bilanz von Hugo Lloris (31). Die Kritik am 103-fachen Nationalspieler von vor der WM ist längst Geschichte. War bei allen Gegentoren (4, davon 3 gegen Argentinien) chancenlos. Stark auf der Linie und in der Strafraumbeherrschung. Der Captain ist bereit für den Final. Danijel Subasic (33) feierte 2009 sein Debüt, wurde aber erst nach der WM 2014 Stammkeeper. Der 43-fache Internationale zeigt bisher eine solide Leistung, mehr nicht. Aber Subasic ist ein Winner-Typ. Und die beiden Penaltyschiessen (Dänemark und Russland) haben für eine Extraportion Mumm gesorgt. Die Innenverteidigung bilden Raphaël Varane (25) und Samuel Umtiti (24), beide zweikampfstark und torgefährlich. Auf den Aussenbahnen wirbeln Benjamin Pavard (22) und Lucas Hernández (22) und sorgen für reichlich Zug nach vorne. Mit den erfahrenen Kroaten wartet auf die Youngsters eine Knacknuss. Zentral verteidigen Dejan Lovren und Domagoj Vida. Beide sind kopfballstark und torgefährlich, haben aber Defizite in Sachen Tempo. Sime Vrsaljko und Ivan Strinic sollen aussen dichthalten. Die vier sind eine eingespielte Formation. Wirkliche Alternativen hat Coach Dalic nicht auf der Bank. Paul Pogba, N'Golo Kanté, Blaise Matuidi und Corentin Tolisso: Vier Topcracks für drei Positionen. Paul Pogba und N'Golo Kanté sind gesetzt, wobei Kanté den Abräumer gibt. Pogba blieb bisher einiges schuldig, ist aber immer für einen Geniestreich gut. Das Herz der kroatischen Equipe. Luka Modric und Ivan Rakitic sind die überragenden Taktgeber. Modric übernimmt den offensiven Part, Rakitic ist für die Spielverlagerung und die Defensive zuständig. Das wohl beste Mittelfeld-Duo der WM wird durch Andrej Kramaric oder Marcelo Brozovic ergänzt. Das Prunkstück einer starken Mannschaft. Aussen sorgen Kylian Mbappé und Antoine Griezmann für Spektakel, zentral Olivier Giroud für Räume. Er strahlte bisher aber weniger Torgefahr aus als seine Partner. Mit Ousmane Dembélé und Thomas Lemar verfügt Frankreich über weitere Trümpfe. Kampfgeist, Ausdauer und schierer Wille sind die Attribute für diese Offensive. Die torgefährlichen Ante Rebic und Ivan Perisic geben auf den Flügeln keinen Ball verloren, Mario Mandzukic ist Anspielstation und Ballverteiler an der Strafraumgrenze. Ein unberechenbares Trio.

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2010 war Pep Guardiola Trainer des FC Barcelona, Weltmeister wurde: Spanien. 2014 war Guardiola Trainer des FC Bayern München, Weltmeister wurde: Deutschland. Aktuell ist der Spanier Trainer von Manchester City, Weltmeister wird: Nicht England.

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Ein Blick auf die Kaderlisten der Finalisten Frankreich und Kroatien bringt lediglich ein Akteur hervor, der bei Manchester City unter Vertrag steht: Benjamin Mendy (Frankreich). Auch wenn nur noch einer übrig ist: Mit 16-Spielern stellten die Citizens die meisten WM-Spieler aller Clubs.

Nun aber zum «Pep-Guardiola-Effekt», der vom Schotten Andy Roxburgh, Mitglied der technischen Kommission des Weltverbandes, ins Leben gerufen wurde. Was er damit meint: Die Fähigkeit, ein Spiel aus der eigenen Verteidigung aufzubauen, eine hoch stehende Abwehr und Pressing, gelten als Schlüsselqualifikationen. «Dieser Spielansatz, sehr technisch, und mit grosser Geschwindigkeit ist sehr wichtig», sagte Roxburgh.

Auch Spieler wie Messi oder Neymar bekunden Mühe

Die taktische Kunst des Trainers von Manchester City diene vielen Teams beim Turnier in Russland als Vorbild für erfolgreichen Fussball. «Wir haben auch schon bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 gesehen, dass zahlreiche seiner Spieler für den Weltmeister gespielt haben», sagte der Niederländer Marco van Basten. Die Räume für offensive Vorstösse werden durch immer besser gestaffelte Verteidigungen immer kleiner und kleiner. «Selbst Spieler wie Lionel Messi und Neymar haben Probleme damit.»

Als herausragende taktische Leistung des Turniers wurde Belgiens Sieg im Viertelfinal gegen Brasilien gewürdigt. «Wie Trainer Roberto Martinez das Spiel antizipiert und seine Mannschaft eingestellt hat, war fantastisch», sagte Roxburgh. In Martinez' Team figurieren mit Vincent Kompany und Kevin de Bruyne «nur» zwei Spieler von Manchester City. Im 23-Mann-Kader Englands sind es vier: John Stones, Kyle Walker, Fabian Delph und Raheem Sterling.

Afrikanische und arabische Schwäche

Ein anderes Fazit der Fifa fiel weniger erfreulich aus. Erstmals seit 36 Jahren überstand kein afrikanisches Team die Vorrunde. Aus Sicht des Nigerianers Emmanuel Amuneke müssen die Länder vor allem die Ausbildung ihrer Spieler und Trainer verbessern. Ähnliches gilt für die arabischen Länder. «Auch dort gibt es keine Struktur für Trainer und Nachwuchsarbeit», sagte der brasilianische Weltmeistertrainer Carlos Alberto Parreira. Zu häufig würde auf Trainer aus anderen Ländern gesetzt.

In 62 Spielen fielen 161 Tore, 32 davon in den letzten zehn Spielminuten. 28 Penaltys wurden gepfiffen (21 Tore), elf Eigentore gab es und nur vier Spieler sahen die Rote Karte. Auffällig war die hohe Anzahl an Treffern nach Standardsituationen. Allein England schoss neun seiner zwölf Treffer nach ruhenden Bällen. Der Videobeweis verbessere hier die Chancen auf einen Treffer. «Früher wurde im Strafraum mehr geschubst und gehalten», sagte Roxburgh. Die Schiedsrichter fuhren in diesem Bereich allerdings eine grosszügige Linie, auch ihre Videoassistenten griffen bei offensichtlichen Foulspielen nicht ein.

VAR als Erfolg

Nichtsdestotrotz erwies sich VAR als Erfolg. 440 Szenen wurden laut Präsident Gianni Infantino geprüft, 19 noch einmal angeschaut. «16 Mal wurde ein falscher Entscheid korrigiert.» Da Fussball ein Kontaktsport sei, werde es immer Raum für verschiedene Interpretationen geben, sagte der Walliser. Sie hätten die Quote richtiger Entscheide aber von 95 Prozent auf 99,32 Prozent erhöhen können. Und dank VAR werde es auch nie mehr einen falschen Offside-Entscheid geben. «Diese Zeiten sind vorbei.» Zudem habe der Videobeweis auch erzieherische Massnahme. «Die Spieler wissen, dass ihre Aktionen von Dutzenden von Kameras festgehalten wird.»

Die Erkenntnisse der Fifa, was den Gehalt der Spiele anbetrifft, deckt sich nur bedingt mit denjenigen des neutralen Beobachters. Gerade in der Vorrunde regierte oftmals die Vorsicht, neue Trends waren kaum zu erkennen. Mannschaften wie Peru oder Marokko wurden für ihre offensive Spielweise bestraft und scheiterten frühzeitig. Spektakuläre Spiele waren während des ganzen Turniers eine Seltenheit. Zu den Ausnahmen gehörten Spanien gegen Portugal (3:3), Frankreich gegen Argentinien (4:3) oder Belgien gegen Japan (3:2). Immerhin brachte die K.o.-Phase viele spannende Begegnungen, nachdem es in der Vorrunde wenige interessante Spiele gegeben hatte.

Fussball

(20 Minuten/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peppino am 15.07.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    kein Pep

    was dies mit Pep zu tun?

  • Martin Nay am 15.07.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Contra Ballbesitz

    Das muss nicht stimmen. Pep steht auch für Ballbesitz.Siehe z.B Belgien das es auch ohne funktioniert...

  • Mark Hurkenstein am 15.07.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmässiger Trainer

    Pep Guardiola wird völlig überschätzt. Er ist ein Blender. Würde Man City nicht für hunderte von Millionen Spieler zusammenkaufen, käme der Verein nicht viel weiter als der FC Uznach.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mark Hurkenstein am 15.07.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelmässiger Trainer

    Pep Guardiola wird völlig überschätzt. Er ist ein Blender. Würde Man City nicht für hunderte von Millionen Spieler zusammenkaufen, käme der Verein nicht viel weiter als der FC Uznach.

  • Peppino am 15.07.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    kein Pep

    was dies mit Pep zu tun?

  • Martin Nay am 15.07.2018 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Contra Ballbesitz

    Das muss nicht stimmen. Pep steht auch für Ballbesitz.Siehe z.B Belgien das es auch ohne funktioniert...