Mladen Petric

06. Juli 2018 21:52; Akt: 07.07.2018 11:49 Print

«Keiner spielt für ein Land, das ihm nichts bedeutet»

von Mit Mladen Petric sprach Eva Tedesco - Mit 21 fasste Mladen Petric den Entschluss, für das kroatische Nationalteam anzutreten. Ein Gespräch über Doppelbürger und Doppeladler.

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Brisante Entscheidung: Doppelbürger Mladen Petric appelliert an die Vernunft. (Archiv) (Bild: Keystone)

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Den Ausschlag für Mladen Petrics Entscheidung im Sommer 2002 gab das intensive Bemühen des heutigen kroatischen Verbandspräsidenten Davor Suker und des ehemaligen Stars Alen Boksic. Nati-Coach Köbi Kuhn und der SFV blieben passiv und aus dem U21-Nationalteam gaben einige damalige Protagonisten dem GC-Stürmer zu verstehen, dass er unerwünscht sei. Beide Seiten dementieren das.

Wie dem auch sei: Petric spielte für Kroatien 45 Länderspiele (13 Tore). Allein in der Qualifikation für die EM 2008 trug er sieben Treffer bei. Zudem erzielte er das entscheidende 3:2 gegen England, wodurch sich die Engländer nicht für die Endrunde qualifizierten. Sein letztes Aufgebot erhielt er 2013. Seine Stationen im Clubfussball waren GC, FCB, Dortmund, HSV, Fulham, West Ham und zuletzt Panathinakos Athen. Nach der Saison 2015/16 gab er sein Karriereende bekannt.

Mladen Petric, Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizer Fussballverbandes (SFV), stellt öffentlich die Doppelbürgerschaften in der Schweizer Nationalmannschaft in Frage. Sind Sie überrascht, dass die Aufregung über einen Torjubel von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri so gross ist?
Mladen Petric: Ich bin weder darüber überrascht, dass die Spieler das gemacht haben, noch von der Reaktion der Fans. Der Jubel entstand aus einer Emotion heraus und, dass die Schweiz über den Doppeladler nicht glücklich waren, verstehe ich auch. Was mich vielmehr überrascht hat, ist, dass andere Spieler, die keine Doppelbürger sind, mitgemacht haben.


Doppeladler-Affäre: Der Verband nimmt Stellung. (Video: SRF)

Sind Doppelbürgerschaften tatsächlich ein Problem oder waren die Emotionen beim Serbien-Spiel einfach besonders hoch?
Das Spiel war allein vom Spielverlauf her sehr emotional. Der Jubel war sehr unglücklich, aber die Doppelbürgerschaft oder wie es viele nennen - zwei Herzen in der Brust – ist ein Teil von Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri und das wird auch so bleiben, auch nach 100 Länderspielen für die Schweiz, denn die Wurzeln eines Menschen kann man nicht einfach ausradieren.

Sie sind selbst Doppelbürger, entschieden sich damals für Kroatien. Kann man von einem 16-Jährigen verlangen, sich für eine Nation zu entscheiden?
Ich war damals 19 und ich weiss jetzt noch, wie extrem hart das damals war. Das ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Es gab so viele Dinge zu bedenken, so viele Einflüsse und noch mehr Emotionen zu kanalisieren. Da herrscht Riesendruck auf einen 16- oder 17-Jährigen, dabei ist man in diesem Alter noch nicht bereit zu erkennen, welchen Einfluss und Tragweite so ein Entscheid hat.

Für Nicht-Doppelbürger ist so ein Prozess kaum nachzuvollziehen. Was waren so Dinge, die es Ihnen am schwierigsten gemacht haben? Die Eltern vor den Kopf zu stossen?
Nicht nur. Es betrifft nicht nur die Eltern. Schliesslich wächst man in einem Haushalt auf und entwickelt auch selbst eine Beziehung zu diesem Land. Man ist nicht nur Schweizer, weil man in der Schweiz aufwächst. Man ist halb-halb. Aber es sind durchaus auch sportliche Überlegungen dabei. Zum Beispiel, wenn ein Land über unzählige Spieler verfügt und man keine Chance hätte in der Nati zu spielen. Und wie gross die Möglichkeiten sind, an einer WM oder EM teilzunehmen.

Miescher sagt auch, es wäre für viele Spieler befreiend. Wäre es für Sie befreiend gewesen, wenn Ihnen jemand nahe gelegt hätte, dass Sie den Schweizer oder kroatischen Pass abgeben sollten?
Was hätte das gebracht?

Doppelbürger müssten sich klar bekennen.
Damit erreicht man nur, dass sich ein Spieler nicht für ein anderes Land entscheiden kann, aber die Emotionen radiert man damit nicht aus. Man kann die Vergangenheit und die Wurzeln der Menschen nicht einfach löschen, indem man ihnen den Pass wegnimmt. Für mich ist das keine Lösung.

Ob mit Pass oder ohne? Hätten Xhaka und Shaqiri gleich gejubelt, auch wenn sie das Papier vor zehn Jahren abgegeben hätten?
Auch wenn man ihnen den zweiten Pass weggenommen hätte, wären die Gefühle dennoch da und würde so einen emotionalen Ausbruch wie an der WM auch nicht verhindern können.

Ist der Verband nach den Gesten von Xhaka und Shaqiri richtig vorgegangen?
Das kann und will ich nicht beurteilen.

Können diese Gesten mitverantwortlich gewesen sein für das Scheitern der Nationalmannschaft?
Ich glaube nicht, dass diese Sache in der Mannschaft grossen Einfluss gehabt hat. Dass andere Spieler sich sofort hinter Xhaka und Shaqiri gestellt haben, zeigt doch, wie super der Spirit im Team ist. Nein, ich glaube nicht, dass man das Scheitern darauf zurückführen kann. Sicher ist aber, dass das Thema schwierig ist.

Also gibt es keine Lösung?
Man muss nur verstehen und akzeptieren, dass diese Spieler neben dem sie Schweizer sind, auch etwas anderes da ist. Das bedeutet aber nicht, dass du dich weniger als Schweizer fühlst – ich auch nicht. Meine Freunde sagen mir oft, ich sei mehr Schweizer als viele andere Schweizer, die sie kennen. Ich fühle mich als Schweizer und auch als Kroate. Wenn man mehr gegenseitige Wertschätzung und Verständnis aufbringen könnte, hätte man eine gute Zukunft vor sich. Aber eines kann ich mit Sicherheit sagen: Keiner spielt für ein Land, dass ihm nichts bedeutet! Aber ich möchte in diesem Zusammenhang noch einen anderen Gedanken ins Spiel bringen...

Aber bitte gern. Nur zu.
Es gibt ja bereits Länder, die Spitzensportler oder Sportler bestimmter Sportarten kurzerhand und vereinfacht einbürgern, nur damit sie für das jeweilige Land auf Trophäenjagd gehen können. Sportler, die gar nicht oder zu kurz in diesen Ländern gelebt haben oder ihren Sport ausgeübt haben. Das ist schade, denn so geht die Identität des jeweiligen Landes verloren.

WM-Center

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Su am 06.07.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Heute spielt man für Geld und nicht für ein Land.

    einklappen einklappen
  • James am 06.07.2018 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Doch

    Die spielen wegen dem Geld.

    einklappen einklappen
  • Dubeli am 06.07.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umkehrung

    Oh doch. Für genügend Entschädigung spielt ein Durchschnittsschweizer auch beilspielsweise für Saudi Arabien. Ich möchte einfach auch nichts mehr bezahlen für Fussball. Auch nicht über Fernsehgebühren. Die FIFA soll dafür zahlen, dass ihre Spiele gesendet werden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 07.07.2018 01:43 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalhymne singen

    Ich finde es reicht schon, wenn man sie nicht mehr aufbietet, wenn sie nicht bereit sind die Nationalhymne zu singen.

  • Nils am 07.07.2018 00:23 Report Diesen Beitrag melden

    So isches guet

    Genau der letzte Satz bringt es auf den Punkt alles andere vorher ist Schwachsinn. Das ist schade, denn so geht die Identität des jeweiligen Landes verloren. Also aus meiner Sicht heißt das Spieler die zb. Denn doppeler Adler machen alle Ihre Gelder zurück zahlen müssen und nie mehr in der Nationalmannschaft spielen dürfen Punkt und aus. Diese Regel soll vom SFV eingeführt somit braucht es keine weiteren Regeln und jetzt kommts die Identität zum Land der Spieler die dafür spielen bleibt gewährt.

  • Reto Zwyer am 06.07.2018 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kommt wieder runter...

    Die Diskussion ist lächerlich. Man ist nicht Bürger eines Landes, weil man einen Pass hat, sondern weil das Herz da ist. Herzen können aber bekanntlich auf für mehr als ein Land schlagen oder einen Menschen. Das soll man einfach respektieren. Dies mit Symbolen zur Schau stellen, ist dennoch unangebracht

  • Roman am 06.07.2018 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sport eine Sache, aber...

    Beim Fussball ist das Thema schlicht und ergreifend irrelevant. Da Fussball und Sport allgemein nur Unterhaltung sind, auch wenn andere das heutzutage anders sehen. Wenn man das aber in die Politik und ggf. in einen Kriegsfall legt gewinnt das enorm an Brisanz!

  • Ch. Ferdinand Schlossherr von Putz am 06.07.2018 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball ist weltweit verbreitet!

    In der Schweiz ist dieser Sport zwar ziemlich unbedeutend. Die Zuschauerzahlen an der Nationalen Meisterschaft bestätigen meine Aussage. Allerdings denke ich, dass Fussball in den unteren Ligen und im Dorf für die Integration wichtig ist. Kürzlich las ich, dass in Novazzano TI Kinder aus 16 Nationen zusammen Fussball spielen und die Eltern mit helfen. Für die Puritaner, welche sich ausschliesslich im Kreise von Schweizern wohl fühlen, haben wir Sportarten, wie Hornussen, Steinstossen und Schwingen. Das sollte doch genügen oder?

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