Doppeladler-Geste

26. Juni 2018 22:21; Akt: 27.06.2018 01:57 Print

Nati-Fans spenden 25'000 Dollar für Busse

Die Spendenaktion wegen der Doppeladler-Busse war erfolgreich: Noch vor Mitternacht kamen 25’000 Dollar zusammen.

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Das Crowdfunding hat das Ziel von 25'000 Dollar sogar überschritten. Die Geste, die grosse Diskussionen auslöste: Nach dem erlösenden 2:1 in der 90. Minute gegen Serbien zeigte Xherdan Shaqiri den Doppeladler. Zuvor hatte sich schon Granit Xhaka nach seinem Tor dazu hinreissen lassen. In der Jubeltraube formte Xhaka nochmals den Adler. Und auch Captain Stephan Lichtsteiner formte die Hände zum albanischen Nationalsymbol. Die Fifa eröffnete darauf ein Verfahren gegen die drei Schweizer. Am Montag folgte das Urteil: Die Spieler werden nicht gesperrt, sondern nur gebüsst. Für die umstrittenen Gesten wurden Shaqiri und Xhaka von der Fifa zu einer Busse von je 10'000 Franken verurteilt. Capitain Lichtsteiner muss 5'000 Franken bezahlen. Auch Serbiens Trainer Mladen Krstajic wurde zu einer Busse von 5'000 Franken verdonnert. Er hatte Schiedsrichter Felix Brych frontal angegriffen und sich zur Aussage hinreissen lassen, man sollte den deutschen Referee vor das UNO-Tribunal in Den Haag stellen. Für die verurteilten Nati-Spieler läuft eine Crowdfunding-Kampagne: Am Dienstagmorgen wurden bereits über 9'200 Franken gespendet. Auch der kosovarische Handelsminister Bajram Hasani will spenden – ein ganzes Monatsgehalt von 1500 Euro. Der serbische Fussball-Verband muss wegen des Verhaltens eines Teils seiner Anhänger 54'000 Franken bezahlen. Einige Fans trugen im Station Pullover mit dem Konterfei des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic. Macht die Adler-Geste nun Schule? Saudiarabiens Stürmer Salem Al-Dawsari feierte seinen Treffer gegen Ägypten mit der Vogel-Figur. Da könnte es aber am Spitznamen der Saudis liegen: Sie nennen sich die «Grünen Falken».

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Das Fifa-Urteil über die Doppeladler-Geste der Schweizer Nati-Spieler hat unter Albanern und Kosovaren für Freude gesorgt: «Ich würde sogar etwas an die Busse spenden», kommentierte ein Leser den Artikel.

Offenbar hatte ein New Yorker die gleiche Idee. Rilind Reka, Analyst bei der US-Grossbank Morgan Stanley, startete eine Crowdfunding-Kampagne. Damit will er die Bussen für die Nati-Spieler begleichen: Je 10'000 Franken für Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri und 5000 Franken für Stephan Lichtsteiner. Das nötig Geld ist nun zusammengekommen: Noch vor Mitternacht erreichte das Crowdfunding 25’000 Dollar.

«Die Reaktionen waren überwältigend»

«Sie haben allen Schweizern und Albanern auf der Welt Freude und Glück gebracht, bitte nehmt euch kurz Zeit und unterstützt sie», schreibt Reka zum Spendenaufruf. Der Banker kommt aus der kosovarischen Hauptstadt Pristina.

«Die Reaktionen auf das Crowdfunding waren überwältigend, jeder wollte helfen», sagt der Initiant auf Anfrage von 20 Minuten. «Ich habe nur den Anfang gemacht, die Grosszügigkeit der Menschen hat es zu Ende gebracht.»

Laut Reka weiss der Schweizer Fussballverband über die Sammlung Bescheid. Die frohe Botschaft konnte er dem Team aber noch nicht übermitteln: «Uns wurde gesagt, wir sollen die Schweizer Nati bis nach dem Spiel am Mittwoch in Ruhe lassen.» Das macht er gerne, denn er glaubt an den weiteren Erfolg des Teams.

Kosovos Handelsminister will Monatslohn spenden

Muhamed Osmani hat 100 Dollar gespendet. Der 32-Jährige aus Gränichen AG sieht seine Spende «als Zeichen, dass wir hinter der Schweizer Mannschaft stehen». Auf seinem Fanshirt ist denn auch ein halbes Schweizerkreuz mit einem albanischen Adler zu sehen.

Auch Sadik Salijihi hat am Crowdfunding teilgenommen. Sein Beitrag von 5 Dollar sieht er als symbolische Geste. «Die Spieler können die Busse locker bezahlen. Aber so zeigen wir, dass wir sie unterstützen», sagt der 31-Jährige aus Bilten GL. Die Schweiz sei ein multikulturelles Land, und die Albaner hätten ihren Anteil am Erfolg der Nati.

Sogar der kosovarische Handels- und Industrieminister Bajram Hasani wollte spenden: Er hat einen Beitrag von 1500 Euro angekündigt – das entspricht einem Monatsgehalt. «Sie sind bestraft worden, bloss weil sie ihre Wurzeln nicht vergessen haben», begründet Hasani seine Spende.

Wohltätige Organisation

Spendensammler Reka möchte das Geld dem Schweizer Fussballverband übergeben. Falls dieser die Spende nicht annehmen sollte, könne der Verband den ganzen Betrag von 25'000 Dollar an eine wohltätige Organisation spenden. Der Schweizerische Fussballverband liess ausrichten, er kümmere sich nach dem Spiel gegen Costa Rica darum, wie er mit der Spende umgehen wird.

Shaqiris Siegestreffer und der Doppeladler im Video:

WM-Center

(hvw/chk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bögi am 25.06.2018 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehl am Platz

    Für die Fussballprofis sind die Bussen doch ein Klacks. Somit finde ich ein crowdfunding fehl am Platz.

    einklappen einklappen
  • tomr am 26.06.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerliche Aktion

    Einfach lächerlich! Wisst ihr was diese Spieler verdienen!? Jetzt sammeln sie Spenden um Millionäre zu unterstützen!

    einklappen einklappen
  • Jane_82 am 26.06.2018 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Wie wenn die 10000.- und 5000.- den 3 wehtun würden! Die nehmen das bei einem Jahresgehalt von 9 Mio. aus der Portokasse!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lk96 am 26.06.2018 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spendenaufruf

    Find ich gut! Es geht ums Prinzip, dass wir unser Land unterstützen, egal ob sie es locker selber zahlen können oder nicht. Sie haben nichts verwerfliches getan, also sollten wir auch zusammenhalten und sie unterstützen!

  • ay.lina am 26.06.2018 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an diejenigen die das als unnötig empfinden..

    Ihr versteht denn Sinn nicht. Sie sind Millionäre ja, aber wie schon erwähnt wird, die Spendeaktion ist da, damit wir zusammen halten. Geben und nehmen :-). #damüendihrenshipiherzhazumdasverstah

  • Aleesias am 26.06.2018 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politisch motiviert

    Politik hat im Sport nichts zu suchen und es war offensichtlich, dass die Geste des Doppeladlers gegen Serbien gerichtet ist. Sie haben es ja zuvor nie gemacht. Wer im Sport politische Aktiv ist, gehört gesperrt.

  • ElMadrileño am 26.06.2018 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unnötig

    Naja bei einem Wochenlohn von 120'000 Pfund sind Spenden echt nicht nötig. Kann man sein Geld klüger aus dem Fenster werfen.

  • Gugi am 26.06.2018 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spende

    Zu gut

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