Doppeladler-Verfahren

24. Juni 2018 14:15; Akt: 24.06.2018 18:23 Print

Verpassen gleich drei Schweizer den Achtelfinal?

von Florian Raz, Toljatti - Die drängendsten Fragen zum Fall der Schweizer Doppeladler-Jubler Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner.

Das sagt der Verband zum Doppeladler-Jubel und zu einer möglichen Sperre durch die Fifa. (Video: sda)
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Welche Strafe droht Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner vonseiten der Fifa?
Die Fifa verbietet zwar politische oder religiöse Symbole. Es ist aber fraglich, ob sie den von den Schweizern gezeigten Doppeladler als politisches Statement interpretiert. Allerdings könnte sie das Verhalten der beiden Schweizer Torschützen als Provokation der serbischen Fans verstehen. Dann käme Artikel 54 des Disziplinar-Reglements der Fifa zur Anwendung. Dort steht: «Wer während einer Partie die Zuschauer provoziert, wird mit mindestens zwei Spielsperren und einer Geldstrafe von mindestens 5000 Franken belegt.»

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Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner würden also nicht nur die Partie gegen Costa Rica verpassen – sondern auch den zu erwartenden Achtelfinal! Kein Wunder, sagt Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes SFV: «Eine Sperre wäre ein Hammerschlag.»

Nati-Spieler zeigen den Doppeladler

Gibt es keine mildernden Umstände?
Die Fifa muss bei ihrem Urteil auch das Verhalten der serbischen Fans berücksichtigen. Teilen von ihnen wird vorgeworfen, die albanisch-stämmigen Schweizer vor und während der Partie schwer beleidigt zu haben (der Doppeladler von Lichtsteiner ist als Solidaritätsbekundung zu werten). Wegen des Verhaltens seiner Fans ermittelt die Fifa auch gegen den serbischen Verband. Unter anderem wegen «beleidigender politischer Slogans».

Was kann der Schweizerische Fussballverband bei einer Sperre tun?
Gilliéron sagt: «Wir wären Manns genug, uns weitere Schritte zu überlegen.» Das Problem: Ein allfälliger Schweizer Protest hätte keine aufschiebende Wirkung. Sprich: Selbst wenn der SFV gegen die Sperre vorginge, würden Xhaka, Shaqiri und Lichtsteiner während der weiteren Verhandlungen gesperrt bleiben.

Auf wann wird das Urteil erwartet?
Der SFV muss der Fifa bezüglich Xhaka und Shaqiri bis am Sonntag kurz nach 22 Uhr Schweizer Zeit eine Stellungnahme schicken. Bei Lichtsteiner hat der Verband bis am Montagabend Zeit, weil das Verfahren gegen den Captain erst am frühen Sonntagabend eröffnet wurde. Das Urteil wird dennoch auf den Montag erwartet.

Die Stellungnahme wird von Claudio Sulser verfasst. Der Delegierte der Schweizer Nationalmanschaft war früher selbst Präsident der Fifa-Disziplinarkommission und weiss deswegen genau, welche Argumente nun gefragt sind. Die Nati stellt sich auf den Standpunkt, dass der Jubel eine spontane Reaktion auf dem Rasen gewesen sei und keine geplante Provokation.

Gibt es vergleichbare Fälle?
Der Kroate Josip Simunic wurde 2013 von der Fifa für zehn Spiele gesperrt. Allerdings war sein Vergehen weitaus gravierender. Simunic brüllte nach einem WM-Qualifikationsspiel gegen Island fünfmal einen Faschisten-Gruss in ein Megafon. Die Fifa sperrte ihn wegen «Anstiftung zur Fremdenfeindlichkeit».

Verhält sich der Schweizer Verband clever?
Die offizielle Haltung des SFV wirkt reichlich naiv. Seit dem 1. Dezember 2017 war bekannt, dass die Schweizer gegen Serbien antreten würden. Und dass Granit Xhakas Vater Ragip über drei Jahre als politischer Gefangener im Gefängnis sass, ist auch kein Geheimnis.

Trotzdem will niemand vom Verband vor dem Serbien-Spiel mit Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri über ihre Gefühle und Gedanken gesprochen haben. Verbandspräsident Gilliéron fragt rhetorisch: «Worüber will man sprechen, wenn man ihre Erfahrungen nicht gemacht hat?»

So unwissend, wie sich der SFV gibt, kann er gar nicht sein. Natürlich wird das Spiel mit Xhaka und Shaqiri besprochen worden sein. Würden die Schweizer das jetzt aber zugeben, wäre das ein weiterer Grund für die Fifa, von einer vorsätzlichen Provokation auszugehen. Also ist die gespielte Schweizer Naivität vielleicht recht clever.

WM-Center

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.a. am 23.06.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provokation

    Warum wurde der Adler sonst nie gemacht? Von wegen keine Politischen hintergründe. Obwohl ich CH fan bin finde ich dass nicht tolerierbar.

    einklappen einklappen
  • Francesco S. am 23.06.2018 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Balotelli Pose

    Dachte das ausziehen des Shirts wird bestraft, wie damals bei Italiens Balotelli?

  • giorgio1954 am 23.06.2018 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fifa

    Wieso müssen diese Spitzensportler ihre eigenen, politischen Probleme vom Kosovo in die Schweiz und in den Sport tragen. Hinzu kommt die Respektlosigkeit vor dem Gegner und das Schüren von Hass im Kosovo und in Serbien. Hoffe die Fifa kann ihnen das besser verdeutlichen und statuiert ein Exempel.

Die neusten Leser-Kommentare

  • L T am 25.06.2018 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Einbürgerung nur noch Schweizerpass

    Habe nichts gegen Ausländer in der Schweiz. Für mich gilt aber jemand mit Doppelpass nicht als Schweizer. Bei Einbürgerung sollte jeder sich für einen Pass entscheiden müssen. Auch Spitzensportler.

  • Yousay am 25.06.2018 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Handzeichen

    Hätte ein Spieler der Mittelfinger gezeigt, hätten sich die gegen-Partei auch angegriffen gefühlt? Oder ein Ok Zeichen als bedrohung gesehen? Das Handzeiche könnte auch die Wappe von Einsiedeln darstellen.

  • hugi am 25.06.2018 08:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1:1mit video

    ehm, schweizer sieg??? und was ist mit dem halten des serben im 16ener? 1:1 wäre es wenn der schiri die video kontrolle benutzt hätte!

  • Anonym am 25.06.2018 07:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drama

    Mein gott leute können so ein drama macha. Das team hat sich einfach gefreut, und bei der aktion nichts provokantes gedacht.

  • Leksi3 am 25.06.2018 07:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Professionalität

    Emtotionen hin oder her..ich arbeite in der Dienstleistungsbranche. Wenn mich ein Kunde beleidigt muss ich anständig & professionell bleiben. Sowas erwartet man auch voj einem Fussballspieler, sie sind Profis, sie sollten ruhig und anstädig bleiben, genau wie es die Spieler der serbischen Mannschaft gemacht haben.

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