Fussball-Nachwuchs

08. Juli 2018 02:53; Akt: 08.07.2018 10:29 Print

SFV setzt Doppelbürger mit Klausel unter Druck

Fussballspieler, die sich für eine andere Nationalmannschaft entscheiden, müssen die Ausbildungskosten zurückzahlen.

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Fussballverband mit juristisch fragwürdiger Klausel: Die Schweizer Nationalmannschaft beim Training in Freienbach. (Archivbild) (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Nach der Doppeladler-Affäre fliegt dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) jetzt auch der Doppelbürger-Streit um die Ohren. Die Idee, in der Nationalmannschaft keine Profis mehr auflaufen zu lassen, die über zwei Pässe verfügen, stösst selbst bei der SVP auf Kritik.

Tatsächlich versuchen die Schweizer Fussballfunktionäre schon seit Jahren, Doppelbürger unter Druck zu setzen – mit einer Strafklausel, die sämtliche Talente unterschreiben müssen, die in Auswahlteams speziell gefördert werden und künftig einmal in der Nationalmannschaft spielen könnten, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.

«Gentlemen's Agreement»

Darin verpflichten sie sich, später einmal für die Schweiz zu spielen. Wenn sie diese Klausel verletzen, also irgendwann doch lieber für ein anderes Land spielen, wird eine Strafe fällig. Der Spieler oder der neue Nationalverband müssen dann die gesamten Ausbildungskosten zahlen, die ungefähr 25'000 Franken pro Jahr betragen.

Juristisch ist die Klausel mindestens fragwürdig. Bislang kam es allerdings noch nie zum Ernstfall – die Klausel liesse sich vor Gericht wohl auch nicht durchsetzen, weil das Obligationenrecht keine solchen Verträge erlaubt. Beim Verband heisst es denn auch, dass es sich dabei vielmehr um ein «Gentlemen's Agreement» handle. Es gehe darum, die Spieler moralisch zu binden.

Integrationshilfe erwünscht

Die Debatte um die Doppelbürger ist beim Fussballverband nicht erst seit der WM präsent. Wie eine neue Vereinsbefragung des SFV zeigt, die der «SonntagsZeitung» in Auszügen vorliegt und in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll, haben mittlerweile nur noch 64 von den insgesamt 1440 Schweizer Fussballvereinen keine Mitglieder mit Migrationshintergrund.

Von den 283'000 Aktivmitgliedern haben knapp die Hälfte einen Migrationshintergrund. Laut der Befragung gibt es viele Kleinvereine, die einen Migrantenanteil von mehr als 75 Prozent haben. Jeder fünfte Verein gibt in der Befragung an, dass er sich bei der Integration vom SFV mehr Unterstützung wünscht.

Fussball

(chk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Catboot am 08.07.2018 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In der Privatwirtschaft normal

    Sorry, das ist doch normal. Lasse ich mir mein Studium/Fortbildung von der Firma zahlen, dann verpflichte ich mich auch, bei der Firma zu bleiben und muss die Kosten zurück zahlen, wenn ich früher kündige. Ist Gang und gäbe.

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  • Spyy83 am 08.07.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    normale klausel

    was soll sich da rechtlich nicht durchsetzen lassen? das ist normal in der arbeitswelt. wenn ein unternehmen die ausbildung bezahlt, dann verpflichtet man sich. wer vorher geht, muss die kosten übernehmen. ich frage mich, was für leute für solche aussagen befragt werden.

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  • Mani Motz am 08.07.2018 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist falsch daran?

    eine solche Klausel gibts es in nahezu jedem Aus- oder Weiterbildungsvertrag, wenn die Weiterbildung vom Arbeitgeber bezahlt wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Chlaeusel am 13.07.2018 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwaltungsakt?

    Wenn es Leute gibt, welche den Erwerb der Schweizer Nationalität als Verwaltungsakt bezeichnen, dann ist es nicht verwunderlich, dass diese Nationalitätsfrage nicht mehr so ernst genommen wird. Besonders dort, wo wegen dem Pass geheiratet wurde.

  • Peter Baumann am 08.07.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fähndlihänkerpolitik!

    Aha. Und jetzt hat die SVP plötzlich nichts mehr gegen Doppelbürger? Wie nennt man das nur schon? Fähndlihänkerpolitik! Ich bin gegen irgend etwas, aber nur so lange, bis mir das Gegenteil etwas nützt! Mir persönlich ist es egal, erstens weil mir Fussball sowieso am A... vorbeigeht und zweitens weil ich mich nicht als Schweizer verstehe, sondern als Weltbürger, der infolge eines dummen Zufalls den roten Pass hat. Oder hat sich irgendwer diesen Pass, z. B. aufgrund von irgendwelchen Qualitäten verdient? Diesen brauche ich leider, aber ausschliesslich zum Reisen!

  • Eidgenosse am 08.07.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemals Schweizer

    Diese Doppeladlergeschichte hätte nicht sein müssen, das ist klar. Aber ich als perfekt integrierter und mittlerweile eingebürgerter Mensch bekomme langsam das Gefühl, dass man auch wenn man sich noch so Mühe gibt, einfach nie als Schweizer akzeptiert wird... Das macht mich traurig. Wenn sich ein Spieler für die Schweiz spielt ist, dann schauen die Schweizer keine Spiele mehr. Wenn man sich gegen die Nati entscheidet ist man der Verräter. Euch kann man es einfach nicht recht machen...

  • Ric am 08.07.2018 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie im alten Rom

    Wenn ich in Rom das Kolosseum sehe frage ich mich wer die Gladiatoren waren. Wohl auch Söldner. Die obere Schicht sass rundrum und liess sich belustigen. Das jemand dann auf jemanden wettet ist klar. Die besten Talente wurde versklavt und gehandelt. Ausser das es heute Medien, ein Filz von Funktionären und Anwälten gibt, sehe ich die Begehrlichkeiten dieser Rundrumsitzer unverändert.

  • Federer am 08.07.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich richtig

    Aber was hat das mit Doppelbürger zu tun?? Ich kann auch nach der Ausbildung ein anderen Pass beantragen und gehen!

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