03. Juli 2018 00:30; Akt: 03.07.2018 13:17 Print

Wo die Schweden gefährlich sind – und wo harmlos

Die Nordländer machen auf locker und betonen die Schwächen der Schweizer.

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Die Schweden wollen auch gegen die Schweiz solidarisch spielen und eine Überraschung schaffen. (Bild: Keystone)

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Einen kurzen Moment durften die Schweizer hoffen, einen Augenblick lang hatten die Schweden Angst, doch dann sagte Frau Granqvist: Nein, mein Mann muss nicht nach Hause kommen. Frau Granqvist erwartet ein Kind, und ihr Mann Andreas ist Captain der schwedischen Nationalmannschaft. Weil das Spiel gegen die Schweiz wichtiger als private Dinge sind, wird der Verteidiger nun per Livechat der Geburt des zweiten Kindes beiwohnen. Es ist ein grosse Entscheidung für die kleine Fussballnation Schweden. Granqvist ist der Kopf der Mannschaft und steht mit seinen Eigenschaften für die Eigenschaften des Teams: physisch stark, sehr diszipliniert, bereit zu leiden, kaum aus der Fassung zu bringen.

Das Team hat sich radikal emanzipiert von der Ibrahimovic-Ära. Aus spektakulär wurde solid, aus egozentrisch solidarisch. Jeder läuft für jeden. Niemand nimmt sich zu wichtig. Und die Mannschaft lebt mit einer guten Stimmung. Wo immer sie hingehen, verwandeln sich die Strassen in einen gelben Teppich von Fans, mit jedem Sieg wurde die Euphorie grösser. Die Spieler wiederum logieren am Schwarzen Meer und geben sich der Lockerheit hin. Sie flanieren am Strand, gehen in Bars und hören Live-Musik, sie mischen sich unter die Leute. Und geht es hart auf hart, stehen sie für einander ein.

So ist die Verteidigung die grosse Stärke, sie besteht aus Türmen und Fichten, mindestens 1,87 Meter gross, mit der Gabe das eigene Tor zu verriegeln. Südkorea (0:1) und Mexiko (0:3) verzweifelten, auch Italien schaffte es in der Barrage nicht, ein Tor zu schiessen.

Die Provokationen

Ach ja, so ganz hat die zlatanlose Mannschaft das Provozieren nicht verlernt. Der schwedische Verteidiger Mikael Lustig sagte gestern über Granit Xhaka: «Wir haben mitbekommen, dass er in der Premier League viele rote Karten gesehen hat. Das werden wir ausnützen.» Albin Ekdal sagte über die Schwäche der Schweizer in Entscheidungsspielen und Penaltyschiessen: «Ich denke, es kann absolut im Kopf der Schweizer sitzen.» Im Abschlusstraining zeigte Pontus Jansson zudem den Doppeladler.

Nun, im Gegensatz zur Schweizer Nationalmannschaft hat die schwedische Equipe kaum Spieler mit fremdländischen Wurzeln im Team. Jimmy Durmaz ist der einzige Nationalspieler mit nichtnordischen Wurzeln, seine Eltern stammen aus Syrien. Diese einseitige Zusammenstellung überrascht, denn Schweden gilt als Einwanderungsland. Nationaltrainer Janne Andersson legt den Schwerpunkt auf Homogenität. Etwas, das aufzugehen scheint.

In Schweden herrscht die Erwartung, dass die Schweizer zu schlagen sind, das Achtelfinal wird gar als Traumlos bezeichnet. Provokateur Lustig dämpft die Erwartungen: «Nur weil die Schweiz und nicht Brasilien auf der anderen Seite steht, werden wir nicht das Gefühl haben, dass das ein lockeres Spiel wird.»

Das Katastrophenszenario

Die Schwäche der Mannschaft findet man in der Offensive. Der Stürmer Ola Toivonen hat in dieser Saison mit Toulouse in der Liga kein Tor erzielt, Marcus Berg hat dem kompetitiven Fussball abgeschwört und spielt in den Arabischen Emiraten. Er ist ausser Form, genauso wie der talentierteste Spieler der Mannschaft: Emil Forsberg, 26 und Mittelfeldspieler von RB Leipzig. Doch diese Schwächen konnte die Mannschaft bisher glänzend kompensieren, weil andere eingesprungen sind, weil sie rasant kontern können. Haben sie den Ball, geht es schnell, wie beim 1:0 gegen Deutschland.

Gelingt das gegen die Schweiz, dann spricht Stéphane Henchoz im «Tages-Anzeiger» von einem «Katastrophenszenario». Heisst: Rückstände sind verboten.

WM-Center

(czu)

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