Sportpsychologe zum WM-Out

04. Juli 2018 05:44; Akt: 04.07.2018 08:18 Print

«Müssen uns umso mehr hinter die Nati stellen»

Die Bestürzung über die Bruchlandung der Nati ist gross – sowohl bei den Spielern als auch den Fans. Man soll sich aber auch weiterhin hohe Ziele setzen, sagt ein Sportpsychologe.

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Schwach, ideenlos und unglücklich: So präsentierte sich die Schweizer-Nati im Achtelfinalspiel gegen Schweden. Im Vorfeld der Partie war die Euphorie noch gross gewesen: Das Erreichen des Viertelfinals galt als Mindestvorgabe. Granit Xhaka gab gar zu Protokoll, dass er die Koffer bis zum Final gepackt hat.

Nach dem erneuten WM-Ausscheiden hallen solche Aussagen bitter nach. Sind sie Ausdruck eines gesunden Selbstvertrauens oder unpassende Arroganz? Sollen die Schweizer aufhören, vom grossen Coup zu träumen? Wir haben beim Sportpsychologen Hanspeter Gubelmann nachgefragt:

Herr Gubelmann*, wieso scheitern die Schweizer immer dann, wenn es darauf ankommt?
Bei einem solch wichtigen Match spielen immer viele verschiedene Faktoren eine Rolle. So ist es abhängig von der Tagesform, dem Gegner, dem Spielverlauf und der mentalen Verfassung der Spieler. Die war jedoch gut – man wollte es unbedingt ins Viertelfinal schaffen.

Dieses Ziel wurde verfehlt. Sind sie am Druck zerbrochen?
Das denke ich nicht. Klar war der Druck gross, aber für die Schweden war es nicht anders. Und die Spieler sind es sich aus dem Fussball-Alltag gewöhnt, mit grossen Erwartungen umzugehen. Beim Spiel haben mir aber das Feuer und die positiven Emotionen gefehlt!

Dürfen wir Schweizer als kleines Licht in der Sportlandschaft überhaupt noch vom grossen Exploit träumen oder müssen wir unsere Erwartungen in Zukunft herunterschrauben?
Halt – man muss vom Irrglauben Abschied nehmen, dass wir keine gute Sportnation sind, nur weil wir nicht überall flächendeckend Weltmeister werden. Immerhin kommt der weltbeste Tennisspieler aus der Schweiz und auch in vielen weiteren Sportarten sind wir Spitzenklasse.

Es ist extrem wichtig, sich weiterhin grosse Ziele zu setzen. Die Spieler sollen auch weiterhin für den Final packen. Eine negative oder verhaltene Herangehensweise bei zukünftigen Sportevents wäre fatal. Das jetzige Selbstbewusstsein hat sich die Nati schliesslich erarbeitet, darum steht sie auch auf Platz 6 der Fifa-Rangliste. Wie man sieht, ist das aber kein Ticket für den Erfolg. Auf den Erfahrungen kann man jedoch aufbauen. Die Schweiz hat sich an dieser WM sehr positiv in Szene setzen können und der Teamgeist der Nati war nie stärker.

Wie gehen die Spieler jetzt mit einer solchen Niederlage um?
Sofort nach dem Spiel ist der Frust und die Enttäuschung bei den Spielern natürlich am grössten. Viele Sportler sind in dieser Phase auch nicht wirklich ansprechbar und wollen am liebsten allein gelassen werden. Sie fühlen sich leer, sind abgekämpft und der Körper schmerzt.

Eine vertiefte Analyse des Spiels lohnt sich für Petkovic auch frühestens am Mittwoch, wenn die Spieler die Niederlage ein wenig verdauen konnten. Eine Nacht drüber zu schlafen ist meist das beste Mittel dazu. Am nächsten Morgen ist man immer noch traurig, aber man wird realisieren, dass sich die Erde auch weiterhin noch dreht.

Und was macht man als Fan, um diesen Hammer zu verdauen?
Auch als Fan darf und soll man trauern, wütend sein und seinem Ärger über das Spiel oder über einen Spieler Ausdruck verleihen. Allerdings soll man die Niederlage sportlich nehmen: Zwar hat man verloren, aber schliesslich haben die Jungs alles gegeben und auf der internationalen Bühne gute Werbung für den Schweizer Fussball gemacht.

Als Fan sollte man sich deshalb nach dieser Niederlage umso mehr hinter die Nati stellen. Man wird sich vor Augen führen, dass es immer noch ein nächstes Spiel gibt – eine Möglichkeit zur Revanche, eine Zukunft: Es geht weiter.


*Dr. Hanspeter Gubelmann ist Sportpsychologe, ETH-Dozent und und veröffentlicht regelmässig Texte auf die-sportpsychologen.de.

WM-Center

(dk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarawak am 04.07.2018 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag:

    Ich würde vorschlagen das die Nati sich mehr hinter die Schweiz stellt.

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  • john holmes am 04.07.2018 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    null feuer!

    wenn sie das gleiche feuer wie gegen serbien gehabt hätten, wäre die schweden 3:0 heimgegangen! das sagt mir alles.

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  • Niel Nimman am 04.07.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Einstellung des Teams

    Sry, aber die Schweizer Nati ist mit einer unglaublichen Arroganz in das Spiel gegangen. So unter dem Motto "diese Holzfuss-Schweden schlagen WIR doch sowieso". Bitte, hier ist die Rechnung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1984 am 04.07.2018 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Sportpsychologe

    Sportpsychologe? Ich lach mich schlapp jetzt brauchen die überbezahlten, tätowierten diven schon spezialisierte Psychologen. Ich lebe in einer Irrenanstalt!

  • Tom am 04.07.2018 08:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte??

    Schweiz als kleines Licht in der Sportlandschaft?? Immerhin gibt es eine Jahrhundertphänomen im Sport... er heisst Roger Federer! Sorry aber Fussball ist jetzt mal eine von vielen Sportarten und aktuell nicht mal die Königsdisziplin wenn ich mir anschaue was das manchmal abgeht auf dem Rasen!

  • Peter Müller am 04.07.2018 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man muss die Sache

    realistisch sehen. Die Generation Frei, Streller ect. hat es geschafft, dass eine Endrundenquali Minimalziel sein muss und die Generation Lichtsteiner, Xhaka dass ein 8tel Final Minimalziel sein muss. Und wenn man die Nati mit den 20 besten Mannschaften der Welt objektiv vergleicht, muss man einsehen, dass dies auch die Grenze der individuellen Klasse ist. Und solange wir so versuchen zu spielen wie eine Topmannschaft, wird es nicht für mehr reichen. Vielleicht sollte man jedoch anfangen wie ein Underdog zu spielen (Schweden, Dännemark, Island ect.)

  • Entäuscht am 04.07.2018 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War zu voraussehbar

    Man hat an dieser WM klar gesehen für wen bei den möchtegern Stars das Herz schlägt. Glaubt ihr wirklich das ein Doppelbürger mehr Schweizer ist als Kosovare usw.? Niemals. Wo man für die Ehre des Kosovo gespielt hat, haben sie alles gegeben. Danach für die Schweiz? Ohne Motivation.

  • Dux am 04.07.2018 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zufrieden sein

    Mit jedem gewonnen Spiel steigen auch die Erwartungen mit, einmal ist aber Schluss. Seid zufrieden und geniesst WM, jetzt ohne Emotionen noch mehr. Möchte der bessere gewinnen.

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