Kies und Schotter

07. September 2019 15:54; Akt: 07.09.2019 15:54 Print

Instagram zeigt «Gärten des Grauens»

von Daniela Gschweng - Ein Kies- oder Schottergarten mag ästhetisch aussehen. Ökologisch betrachtet ist er fast immer eine Katastrophe.

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Kies- und Schottergärten liegen schwer im Trend. Sie entstehen vor Einfamilienhäusern, Mietskasernen und auf Firmengeländen. Kiesverkäufer und Gartengestalter werben mit nur wenigen Wartungsstunden pro Jahr.

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Wer einen Garten hat, muss pflanzen, jäten, giessen. Das Kiesbett in Grau, Braun, Rosa und anderen Steinfarben dagegen verspricht ewige Freiheit von Gärtnern, Nachbarschaftsstreit, Insekten und Unkraut.

Hier soll bloss nichts wachsen

Ein Kies- oder Schottergarten ist ästhetisch schlicht, aufgeräumt und mit nur wenig Arbeit immer tipptopp gepflegt. Wenn sich die Eigentümergemeinschaft nicht einigen kann, die Mieter sowieso nicht und alles andere viel zu teuer ist, greifen immer mehr Haushalte zu Stein.

Um Bewuchs zu verhindern, wird der Boden mit einem Vlies oder einer Plane bedeckt, auf der Kies oder Schotter verteilt wird, damit nichts, aber auch gar nichts wurzelt. Wem Schotter nicht farbig genug ist, der greift zu Glasbruchstücken.

Ökologisch bedenklich

Ökologisch ist das fast immer eine Katastrophe. Die Steine stammen meist aus dem fernen Ausland, zum Beispiel aus Asien. Zur Auflockerung werden oft nicht heimische, pflegeleichte Zierpflanzen gepflanzt. Zum Ärger von Imkern, Stadtgärtnern, Biologen und Klimaspezialisten.

Mit einem Steingarten, der so gestaltet wird, dass zum Beispiel Gebirgspflanzen dort eine passende Umgebung vorfinden, hat ein Schotterbett übrigens nichts zu tun.

Kiesgarten ist das Endgame im Ökopoker

Was dermassen grünreduziert ist, benötigt weder CO2 zum Wachsen noch Regenwürmer, die den Boden auflockern. Die Artenvielfalt bleibt überschaubar, über den Boden fliesst kaum noch Wasser ab. Im Hinblick auf den nächsten und übernächsten Hitzesommer sollten sich die Bewohner urbaner Häuserschluchten zudem gut überlegen, ob sie sich dem Trend anschliessen wollen.

Im Vergleich zu einer Strasse mit Bäumen und Sträuchern kann es laut Greenpeace auf einer nicht begrünten Strassen um die 20 Grad mehr haben. Gut geeignet wäre ein Schottergarten eher dafür, sich die Auswirkungen von Klimawandel und Artensterben täglich vor Augen zu halten.

Für die nachbarschaftliche Gemeinschaft kann Kies ebenfalls negative Folgen haben. Forscher in Philadelphia haben in einer Studie an 500 Brachflächen herausgefunden, dass es in der Nähe begrünter Fläche weniger Kriminalität gibt. Warum das so ist, wissen sie nicht.

«Gärten des Grauens»

Die erfolgreiche Wüstengestaltung liegt auch nicht jedem im Blut. Gutes Anschauungsmaterial bieten da die Instagram- und Facebookseite «Gärten des Grauens», die regelmässig Bilder steiniger Gartensünden postet, zum Teil mit ironischen oder fast poetischen Kommentaren. Kieswüsten neben Garagentoren, auf denen sich neben einer bepflanzten Schubkarre drei todsicher nie besetzte Klappstühle langweilen, wechseln sich mit Gartenleuchten im Kiesbett und Kunstpflanzen ab.

Wer einen Schottergarten besitzt, muss nebenbei trotzdem aufräumen. Was auf die Steinwüste fällt, muss weg. Seien es Bonbonpapierchen, Blätter, Hundehaufen, Staub oder tote Insekten. Daraus bildet sich früher oder später eine hauchdünne Humusschicht, die nach Arbeit oder Pestiziden verlangt. Sonst gibt die Natur alles und es wächst noch ein wenig Moos. Oder womöglich sogar ein Grashalm.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaaschte am 07.09.2019 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Solche Leute sollen doch in der Stadt wohnen..schade wenn man ländliche Dörfer in Schotterwüsten verwandelt.

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  • Msrcello am 07.09.2019 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    un die Fauna

    solchen Schotter gehört unter das Gleis. nicht in den Garten. wo können Tiere noch leben wen ihnen immer mehr Steine in den Weg gelegt werden.

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  • 4abc am 07.09.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwann

    erhält man vom Staat Subventionen, damit es "grünt".

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Die neusten Leser-Kommentare

  • LG lg am 11.09.2019 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Luxus

    Die Probleme die hier herrschen/diskutiert werden sind einfach Luxus ^^ ist schon fast ein wenig süß wie sich die Leute über Kies nerven können.

  • R L am 10.09.2019 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine

    Lasst doch jeden das auf seinem Grundstück tun, was er will. Es gibt andere Probleme die man in der Schweiz angehen sollte, als die Privatgärten anderer. Wenn man sich über solche Dinge aufregen kann, hat man anscheinend zu viel Freizeit und keine anderen Probleme, um die man sich kümmern muss.

  • CH1291 am 10.09.2019 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Gärten gehan anders

    Also mit dem einheimischen ists einfacher als man denkt die Pflanze welche nicht einheimisch ist ist die Marrokanische Minze welche im Hochbeet wächst der Rest sind Birnen Äpfel Himbeeren Trauben Sonnenblumen Tessiner Palmen und Bananenbäume Kirschen Holunder Kirschlorbeer Lavendel Johannisbeeren Salbei Schnittlauch Thymian Schweizer Minze das Einzige aus Beton oder Stein sind die wege und der Vorplatz

  • Boris am 10.09.2019 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Zukunft in der Schweiz

    Wenn der Bund das "Neophytenverbot" so umsetzt, wie er es plant, wird mein Garten auch so aussehen. Nur so kann ich als absoluter Pflanzenlaie einer Bestrafung entgehen.

    • Jannis am 10.09.2019 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      Niemand wird bestraft werden, weil er unwissentlich invasive Neophyten im Garten hat. Er würde allenfalls zur Entfernung verpflichtet werden.

    • Sergio am 10.09.2019 13:17 Report Diesen Beitrag melden

      Das BAFU ist da aber anderer Meinung

      z.B. beim Kirschlorbeer und Sommerflieder will man die Gartenbesitzer unter Strafandrohung ja dazu bringen diese Pflanzen zu entfernen. Die Idee vom BAFU konnte man erst kürzlich lesen...

    • Jannis am 10.09.2019 13:55 Report Diesen Beitrag melden

      Eben: entfernen.

      Es ist nicht davon die Rede, jemanden ohne Warnung zu Bestrafen, nur weil sich ein Sommerflieder in seinem Garten versamt hat.

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  • G. Mein am 10.09.2019 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WC-Landschaft

    Die einzigen,die an so Kiesgärten Freude haben, sind die Nachbarskatzen.

    • walter45 am 10.09.2019 10:58 Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt so nicht

      Im Schotter können die Katzen nicht kratzen und so ihr Geschäft zudecken.

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