Hausordnung

11. Februar 2019 18:13; Akt: 11.02.2019 18:51 Print

Das darf Ihnen der Vermieter nicht verbieten

von Meret Steiger - In der Hausordnung darf der Vermieter Verbote erlassen. Aber es gibt auch Grenzen. Auch sonst hat der Vermieter nur eingeschränkte Rechte.

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In einem Haus mit mehreren Mietparteien braucht es Regeln. Aufstellen kann die der Vermieter in der Hausordnung. Aber Achtung: Nicht jede Regel ist auch zulässig. Wir zeigen, was Sie dürfen – und was nicht. Ein Streitpunkt ist Kinderlärm. Grundsätzlich: Kinder dürfen lärmig sein – ausser es ist bereits nach 22 Uhr. Die Nachtruhe gilt auch für das Getrappel von kleinen Füssen oder Kinderlachen. Ausgenommen von dieser Regelung sind Babys. Die dürfen schreien, wann immer sie wollen. Wäre auch schwer zu verhindern. In Ihrer Hausordnung gibt es ein Übernachtungsverbot für Gäste? Das ist nicht zulässig, schliesslich ist Ihre Wohnung kein Klassenlager mit pubertierenden Teenagern. Gäste müssen sich aber an die Hausordnung halten. Und Sie dürfen nicht nur selbst kein Haustier haben, auch Ihre Freundin darf ihren Hund nicht mitnehmen? Auch das ist nicht zulässig. Gäste dürfen Haustiere mitbringen, auch wenn das Halten von Tieren verboten ist. Ausnahme: Wenn das mitgebrachte Tier während längerer Zeit oder immer wieder massiv die Nachbarn stört, zum Beispiel durch anhaltendes Bellen. Ein Klassiker in vielen Hausordnungen: In der Wohnung dürfe nicht geraucht werden. Rauchen ist zwar ungesund, das geht Ihren Vermieter aber überhaupt nichts an. Sie dürfen in der Wohnung trotzdem rauchen. Aber Achtung: Falls durch Ihren Zigarettenkonsum die Wände gelb werden, müssen Sie den Maler trotzdem bezahlen. Das gilt als übermässige Abnutzung. Ausserdem müssen Sie natürlich in den Gemeinschaftsräumen (Treppenhaus, Waschküche, Keller) auf den Glimmstängel verzichten. Manche Hausordnungen verbieten das Duschen nach 22 Uhr – das ist nicht erlaubt. Sie können duschen, wann immer es Ihnen beliebt. Etwas anders sieht es mit Vollbädern aus: Das Ein- und Auslaufen lassen des Wasser zu später Stunde könnte eine Zumutung für die Nachbarn sein. Ihr Vermieter will Ihnen vorschreiben, wie warm Sie Ihre Heizung einstellen sollen? Nein, das geht so nicht. Wie warm Sie es haben wollen, ist Ihre Sache. Aber Achtung: Es droht eine saftige Heizkostenabrechnung (und ein vergrösserter ökologischer Fussabdruck) für Menschen, die auch im Winter T-Shirt-Temperaturen in der Wohnung wollen. Im Zweifel vielleicht lieber etwas mehr anziehen. Musik hören können Sie immer, auch wenn die Hausordnung etwas anderes sagt. Aber nur bei Zimmerlautstärke und nachts auch nicht bei geöffnetem Fenster oder auf dem Balkon. In Ihrem Garten gibt es ein Rasenbetretsverbot? Das ist unzulässig – es sei denn, es wird gerade etwas Neues gepflanzt und das Verbot ist nur vorübergehend. Ansonsten muss die Grünfläche für die Hausbewohner nutzbar sein. Wäsche zwischen Häusern aufhängen? Was in vielen anderen Ländern gang und gäbe ist, ist in der Schweiz kein Thema. Hier dürfen Sie die Wäsche auf dem Balkon trocknen, auch wenn die Hausordnung das verbietet. Aber nur, wenn die Wäsche auf einem Wäschetrockner hängt und nicht an einer fest installierten Leine – das wiederum ist verboten. Es grünt so grün ... ausser auf Ihrem Balkon, weil der Vermieter ein Blumenkistliverbot erlassen hat. Darf er das? Jein. Er darf Blumenkisten verbieten, die ausserhalb des Balkongeländers befestigt werden, weil sie ein Sicherheitsrisiko sein können. Sind die Blumen dagegen auf der Innenseite befestigt oder in Töpfen auf dem Boden, dann liegt die Entscheidung ganz bei Ihnen. Übrigens: Sie müssen Ihren Vermieter bei unangemeldeten Besuchen nicht in die Wohnung lassen. Will der Vermieter zu Wartungszwecken etwas überprüfen, muss er das 24 bis 48 Stunden vorher anmelden.

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Eine Hausordnung ist grundsätzlich eine gute Sache, denn sie regelt das Zusammenleben im Mehrfamilienhaus. Und damit diese auch eingehalten wird, ist sie häufig Bestandteil des Mietvertrages, das heisst, sie wird explizit erwähnt beziehungsweise beigelegt.

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Das heisst aber nicht, dass der Vermieter ganz willkürlich seine Regeln auflisten darf. Die Hausordnung darf nämlich nicht gegen geltendes Recht verstossen oder den Mieter in seinen Persönlichkeitsrechten einschränken.

Die folgenden zehn Punkte haben in der Hausordnung nichts zu suchen:

Verbot von Kinderlärm

Wer Kinder hat, weiss, dass sich auch bei allerbester Erziehung Lärm nicht vermeiden lässt. Kinderlärm kann deshalb nicht verboten werden – auch nicht vom Vermieter. Allerdings gilt auch hier die Nachtruhe, da wird nicht herumgetobt. Babys sind davon ausgenommen: Sie «dürfen» schreien, wenn ihnen danach ist.

Übernachtungsverbot für Gäste

Ein MFH ist kein Mädchenpensionat, folglich können auch Übernachtungsgäste nicht verboten werden. Allerdings müssen sich die Gäste – egal, ob sie über Nacht bleiben oder wieder heimgehen – ans geltende Recht beziehungsweise die Hausordnung halten.

Tierbesuchsverbot
Das Mitbringen von Tieren durch den Besuch ist auch beim Verbot von Tierhaltung gestattet. Aber die Nachbarn dürfen nicht gestört werden, beispielsweise durch ständiges Bellen. Ist dies der Fall, kann der Vermieter ein Besuchsverbot aussprechen.

Rauchverbot

Auch wenn es in der Hausordnung oder im Mietvertrag so steht – ein Rauchverbot verstösst gegen die Persönlichkeitsrechte von Mietern und ist somit nicht verbindlich. Wenn aber die Hausordnung das Rauchen in gemeinsamen Räumen wie Treppenhaus oder Waschküche verbietet, muss sich der Mieter daran halten.

Duschverbot

Nach 22 Uhr ist fertig geduscht – wenn es nach der Hausordnung geht. Das schränkt das Privatleben des Mieters aber zu sehr ein, er darf also auch nachts noch unter die Dusche. Ein Vollbad hingegen könnte verboten werden, weil das Einlaufenlassen des Wassers recht laut ist und die Nachbarschaft stört.

Heizverbot

18 Grad sind genug? Wenn das der Vermieter so in die Hausordnung schreibt, können Sie als Mieter getrost weiterheizen. Aber nicht übertreiben, denn es droht die Heizkostenabrechnung.

Musikverbot

Musikhören in Zimmerlautstärke ist immer, also auch nachts, erlaubt. Allerdings verbieten Polizeiordnungen, auf dem Balkon, der Terrasse oder bei offenem Fenster Musik zu hören.

Rasen betreten

Gehört zum Haus eine Grünfläche, kann der Vermieter das Betreten nicht verbieten – es sei denn kurzfristig, wenn beispielsweise Gartenarbeiten anstehen.

Wäsche auf dem Balkon
Wer seine Wäsche gern auf dem Balkon trocknet, der darf das, auch wenn der Mietvertrag oder die Hausordnung dies verbietet.

Pflanzen auf Balkon

Der Vermieter kann dem Mieter verbieten, Blumenkisten am Balkon aufzuhängen, beispielsweise aus Sicherheitsgründen. Hängt der Mieter aber seine Kisten nach innen auf oder stellt er die Töpfe auf den Boden, spricht nichts dagegen.

Übrigens: Ihr Vermieter darf die Wohnung auch nicht ohne Ihre Einwilligung betreten, sprich, bei unangekündigten Besuchen müssten Sie den Vermieter nicht reinlassen. Er kann aber 24 bis 48 Stunden vorher ankünden, dass er die Wohnung beispielsweise für Wartungsarbeiten betreten muss.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SwissLady am 11.02.2019 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reden und Toleranz

    Ich hatte eine Nachbarsfamilie mit zwei kleinen Kindern. Dass da tagsüber mal Lärm ist, liegt in der Natur der Sache. Und dafür, dass ich Schicht arbeite, kann die Familie ja nichts. Dann gabs halt Ohrstöpsel und einen Lichtwecker, wenn ich nachmittags schlafen musste. Sie hat sich mal für den Lärm entschuldigt.... habe ihr nur gesagt, dass ich es als Single schön finde, andere Menschen zu hören. Und die Kids waren wirklich toll erzogen. Dafür gabs nie Klagen, wenn ich mal Freunde bei mir hatte und es abends etwas länger wurde draussen! Redet miteinander! Das wirkt oft Wunder!

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  • Saskia K. am 11.02.2019 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hund..

    Der Hund von meiner neuen Nachbarin Bellt seit 5Monate regelmässig nach 22.00 bis ca 2.00 Nachts. In Abständen vom 20-40min. Sie ist aber zuhause und macht nichts. Ich habe es jetzt gemldet und Sie hat eine Abmahnung bekommen.

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  • cleaner am 11.02.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    putzen

    was ist mit staubsaugen am sonntag?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • die Ritterin am 14.02.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rauchverbot

    Unsere Mieter dürfen alles, was in diesem Beitrag aufgeführt ist, ausser in der Wohnung rauchen. Warum nicht? Weil unser Bauernhaus inkl angebautem Stall ab einer Höhe von 2.5 komplett aus Holz gebaut ist und wir darauf verzichten können, dass der ganze Hof, wie vor 70 Jahren komplett abbrennt. Unsere Mieter sind übrigens Raucher, fröhnen ihrer Sucht aber draussen. Dafür haben sie von uns einen standfesten, verschlossenen Aschenbecher geschenkt bekommen.

  • East Clintwood am 14.02.2019 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ich rauche selber auf dem Balkon...

    jedoch würde ich nur an Nichtraucher vermieten. Alle die hier so verständnisvoll sind werden anders denken wenn nach 5 Jahren die Teppiche stinken und die Wände schon einen gelben Schimmer haben, selbst erlebt. Es kostet ja nichts die Wohnung frisch zu streichen oder Teppiche zu ersetzen...und an alle Nörgeler welche nun ihren intelligenten Kommentar mitteilen wollen dass die Vermieter genug verdienen bla bla bla...bis sie vielleicht mal selber etwas zu vermieten haben und dann auf die Welt kommen mit einem Mieterquerolant, welchem man nicht mal kündigen darf da es ja ein armer Mieter ist...

    • Daisydream am 14.02.2019 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @East Clintwood

      Sie haben oben im Bericht gelesen, dass man dem Mieter das Rauchen von Gesetzes wegen nicht verbieten kann? Warum verkaufen Sie ihre Immobilien nicht und suchen sich ein anderes Wirkungsfeld? Aha, weil man gut verdient.

    • Huch? am 14.02.2019 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      @East Clintwood

      Erstens hat der Mieter für übermässige Abnutzung durch Rauchen aufzukommen. Das steht sogar noch im Text. Zweitens kann jeder Mieter behaupten, er sei Nichtraucher. Es könnte ja schliesslich sein, dass er dann gleich nach dem Einzug zum Raucher wird. Das "nur an Nichtraucher" funktioniert nur in der Theorie.

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  • Bernd Lehnherr Costa Blanca Spanien am 12.02.2019 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Raucher

    Ich wuerde an Raucher,keine Wohnung vermieten.Bei starken Rauchern dringt der kalte Rauch bis in hoeher liegende Wohnunge.Ich als Nichtraucher,habe das in einem Wohnblock in St.Gallen erleiden muessen.

  • hellgoodbye am 12.02.2019 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    kiffen

    ich finde es eher schlimm wenn jemand in seinem garten unter unserem balkon kifft und du im sommer nicht mal die fenster offen lassen kannst und das treppenhaus auch stinkt. aber naja. ist ja der hauswart und keiner sagt was. mega schlimm.

  • Peter am 12.02.2019 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Manchmal läuft etwas gewaltig schief

    ich hatte eine psycho Tante bei unter mir, die ständig über Lärm an meiner Tür geklagt hatte, einmal war es der TV (ohne Dolbi) dann war es die Anlage dann zu laut am Weekend etc. ich hatte die Verwaltung informiert, dass ich Abends und Morgens von dieser Person belästigt werde. Die Verwaltung sendete mir eine Woche später eine Lärmklage mit der Androhung aus der Wohnung geworfen zu werden. Bis ich es beweisen konnte, dann war Schluss. Ich war sehr entsetzt über das Verhalten der Verwaltung. Ich wollte sogar eine Anhörung, aber die Klägerin wollte nicht. (?)

    • Huch? am 14.02.2019 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter

      Wow, vor solchen Nachbarn graut mir. Meine sind zum Glück normal. Wie konntest du denn beweisen, dass du keinen Lärm verursacht hast oder dass die Nachbarin psycho war?

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