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15. Oktober 2019 15:18; Akt: 15.10.2019 15:18 Print

Minimalismus für Anfänger

Minimalismus bedeutet meist reduzieren. Geht es um die eigenen Besitztümer, ist das nicht ganz einfach. Wir zeigen dir, wie es geht.

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Minimalismus als Lebensstil ist eine Art Gegenbewegung zu Konsumwahn und Materialismus. Das bedeutet: bewusster Verzicht, um damit Platz für das Wesentliche zu schaffen: Es sollte also weniger Zeug herumstehen und -liegen als auf diesem Bild. Wir haben für euch ein paar Anfängertipps gesammelt. Warum möchtest du reduzieren? Schreibe auf, was du dir vom Minimalismus erhoffst und wie er sich positiv auf dein leben auswirken soll. Wenn du zwischenzeitlich aufgeben willst, kannst du dich damit an deine Motivation erinnern. Nimm eine Kiste, gehe durch deine Wohnung und packe alles rein, das du doppelt hast. Damit meinen wir zum Beispiel auch sehr ähnliche Schuhe oder Kleidungsstücke, ... ... aber auch zum Beispiel Schüsseln oder Küchengeräte, die du in mehrfacher Ausführung besitzt. Ausserdem Dinge wie alte Ladekabel, die du «vielleicht mal irgendwann noch brauchst». Anschliessend schreibst du diese Kiste an und versorgst sie auf dem Estrich oder im Keller. Wenn du in den kommenden zwei Monaten nichts aus dieser Kiste brauchst oder vermisst, dann kannst du den Inhalt getrost spenden, verschenken oder verkaufen – oder wegwerfen, was wirklich gar keinen Zweck mehr erfüllt. Fange irgendwo klein an: Zum Beispiel mit einem Abschnitt deiner Küche, den du absolut grümpelfrei hältst. Ob Dekoration erlaubt ist oder nicht entscheidest du selbst, beschränke dich aber vielleicht auf ein Ding, das keinen Zweck erfüllt und nur hübsch aussieht – und nicht zehn solcher Dinge. Andere mögliche grümpelfreie Startzonen sind Nachttische, ... ... oder Wohnzimmertische. Wenn dir die Leere gefällt, dann kannst du künftig wöchentlich die Zone vergrössern. So wird aus dem aufgeräumten, minimalistischen Wohnzimmertisch vielleicht bald ein aufgeräumtes, minimalistisches Wohnzimmer. Falls du für eine Woche irgendwo hin reist, versuche mal nur für drei oder vier Tage zu packen. Der Trick dabei: Möglichst Dinge mitnehmen, die sich gut kombinieren lassen, ... ... mehrmals getragen werden können und sich notfalls auch von Hand waschen lassen. Hier bekommst du den Effekt deiner Bemühungen sofort zu spüren: Du reist mit leichterem Gepäck. Viele Menschen besitzen zu viel Kleidung. Da setzt das «Project 333» an: Dabei geht es darum, sich während drei Monaten mit nur 33 Dingen (Kleider, Schuhe, Schmuck und Accessoires) einzukleiden. Der Trick dabei ist der gleiche, wie wenn du für die Ferien packst: Versuche Kleidung zu behalten, die sich gut kombinieren lässt. Minimalisten wollen nicht nur Platz in der Wohnung schaffen, sondern auch im Kopf. Wie viel Zeit verbringst du damit, deine Mahlzeiten zu planen oder dir zu überlegen, was du essen willst? Viele Minimalisten machen deswegen auch «Meal-Prep»: Dabei kochst du am Sonntag (oder an einem anderen Tag der für dich passt) für die ganze Woche vor. Dabei musst du übrigens nicht zwingend jeden Tag genau das gleiche Essen. Du kannst auch zwei Gerichte vorkochen und die abwechselnd essen oder du machst eine Grundlage, die du jeden Tag ein bisschen verändern kannst. Minimalismus bedeutet auch, kein Geld für unnötige Dinge auszugeben. Um das zu üben, kannst du versuchen, einen fixen Betrag innert kurzer Zeit zu sparen.

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Minimalismus als Lebensstil ist eine Art Gegenbewegung zu Konsumwahn und Materialismus. Das bedeutet: bewusster Verzicht, um damit Platz für das Wesentliche zu schaffen. Praktisch bedeutet das in erster Linie zu reduzieren: Die meisten Menschen in der Schweiz und Deutschland besitzen ungefähr 10'000 Dinge. Sich davon zu trennen. ist theoretisch befreiend – praktisch aber vor allem schwer.

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Die Idee dahinter ist, dass wir uns von materiellen Belastungen lösen. Wer weniger besitzt, der muss sich auch um weniger kümmern und hat dafür mehr Platz, Zeit und Geld. Und so geht es beim Minimalismus auch darum, sich von Dingen zu trennen, die wir «vielleicht irgendwann noch brauchen». Wie radikal dabei vorgegangen wird, ist dir aber selbst überlassen: Minimalismus soll schliesslich glücklich machen, nicht zusätzlich stressen. Wir haben sieben Minimalismus-Tipps für Anfänger.

1. Finde dein «Warum»

Damit du dieses Minimalismus-Ding auch durchziehst, sollte dir deine Motivation bewusst sein. Warum möchtest du minimieren? Hast du zu wenig Platz? Zu wenig Zeit? Zu wenig Geld? Bist du gestresst, weil du dir über so viele Dinge gleichzeitig Gedanken machen musst?

Schreibe auf, was du dir von einem reduzierten Lebensstil erhoffst und wie er sich auf deine aktuelle Situation auswirken wird. Wenn du dann während des Reduzierens die Lust verlierst, kannst du dich daran erinnern, warum du das tust.

2. Entsorge/verkaufe Doubletten

Gehe mit einem Karton durch deine Wohnung und fülle ihn mit Dingen, die du doppelt hast: Typähnliche Schuhe und Kleidung,
gleich grosse Schüsseln in der Küche, Aufladekabel, Stifte, zusätzliche Handtücher und so weiter.

Diese Kiste packst du anschliessend weg. Wenn du während zwei Monaten nichts aus dieser Kiste gebraucht hast, dann kannst du den Inhalt entsorgen, spenden oder verkaufen. Der grösste Teil der unnützen Dinge, die wir behalten, behalten wir «weil wir sie vielleicht mal noch brauchen». Tatsächlich brauchen wir das meiste davon nicht wirklich.

3. Gründe eine gerümpelfreie Zone

Starte mit einer kleinen, gerümpelfreien Zone. Es spielt dabei keine Rolle, ob das ein Teil deiner Küche ist, dein Nachttisch oder der Wohnzimmertisch: Hauptsache, er bleibt sauber und gerümpelfrei. Das heisst: Es kommt kein neues Zeug drauf, keine Deko, keine Lebensmittel, keine Bücher, kein Schlüssel oder anderes Zeug.

Wenn es dir leicht fällt, eine kleine Zone minimalistisch zu halten, dann kannst du diese Zone künftig täglich oder wöchentlich erweitern. So wird aus der gerümpelfreien Küchenecke bald eine gerümpelfreie Küche.

4. Übe Minimalismus, wenn du auf Reisen bist

Besonders gut lässt sich das Reduzieren üben, wenn man auf Reisen geht: Versuche doch mal, für einen halb so langen Trip zu packen. Angenommen, du gehst eine Woche weg, packe nur Kleidung für drei bis vier Tage ein – aber dafür Kleidung, die du gut miteinander kombinieren kannst und die sich notfalls auch von Hand waschen lässt.

Hier wirst du sofort für deine Bemühungen belohnt: Dein Gepäck ist leichter und kleiner – und falls es in den Ferien nichts wird mit dem Reduzieren, dann hast du wenigstens mehr Platz im Koffer für Souvenirs und Mitbringsel.

5. Versuche dich am «Project 333»

Viele Menschen besitzen zu viel Kleidung. Kein Wunder: Wir wollen uns Trends anpassen und neigen dazu, unnötige Dinge zu kaufen – die wir dann nicht mal anziehen. Da setzt das «Project 333» an: Dabei geht es darum, sich während drei Monaten mit nur 33 Dingen (Kleider, Schuhe, Schmuck und Accessoires) einzukleiden.

Das hört sich, bei genauerer Betrachtung, zwar extrem an, ist aber möglich. Der Trick dabei ist der gleiche, wie wenn du für die Ferien packst: Versuche, Kleidung zu behalten, die sich gut kombinieren lässt. Deine Garderobe für diese drei Monate sollte zum grössten Teil aus Basics (neutrale Farben & Schnitte) bestehen, mit ein paar Highlights zur Abwechslung.

6. Iss für eine Weile das Gleiche

Minimalisten wollen nicht nur Platz in der Wohnung schaffen, sondern auch im Kopf. Wie viel Zeit verbringst du damit, deine Mahlzeiten zu planen oder dir zu überlegen, was du essen willst? Viele Minimalisten machen deswegen auch «Meal-Prep»: Dabei kochst du am Sonntag (oder an einem anderen Tag, der für dich passt) für die ganze Woche vor.

Dabei musst du übrigens nicht zwingend jeden Tag genau das -Gleiche Essen. Du kannst auch zwei Gerichte vorkochen und die abwechselnd essen. Oder du machst eine Grundlage, die du jeden Tag ein bisschen verändern kannst: Zum beispiel Fried Rice, der mit unterschiedlichem Fleisch oder Gemüse aufgepeppt werden kann.

7. Spare mindestens 1000 Franken

Minimalismus bedeutet auch, kein Geld für unnötige Dinge auszugeben. Um das zu üben, kannst du versuchen, einen fixen Betrag innert kurzer Zeit zu sparen. Für das erste Mal kannst du dir danach mit dem Geld noch eine Belohnung gönnen (irgendwas, was dir eigentlich zu teuer war), so macht sparen nämlich mehr Spass.

Grundsätzlich solltest du aber an einem Sicherheitspolster arbeiten. Im Notfall in der Lage zu sein, kleinere Beträge selbst zu stemmen, ohne danach gleich am Hungertuch zu nagen, reduziert Stress.

(mst)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sandra am 15.10.2019 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bwussteres Leben und Dankbarkeit

    Ich bin nicht Minimalist im extremen Sinne. Aber ich bin am Aufräumen. Seit ca einem Jahr bringe ich laufend Taschenweise Sachen in die Broki oder Kleidercontainer. Auch weggeworfen wird so einiges. Mein Kaufverhalten hat sich seither ebenfalls deutlich verändert. Ich benötige im Vergleich zu früher fast nichts mehr. Fehlkäufe sind gleich null, da ich beim Kaufen überlege was ich wirklich benötige. Gefällt mir etwas nicht zu 100% kaufe ich es nicht. Nur für Geschenke gebe ich noch viel aus...eine Schwäche von mir. Das Resultat ist, dass es mir immer besser geht. Je mehr Gerümpel weg ist, desto befreiter lebe ich. Es ist empfehlenswert. Wann man mit Dingen reduzieren stoppt, bleibt der eigene Entscheid. Zu extreme Reduktion a la 1 Tisch, 1 Stuhl, 1 Besteck und drei Kleidungsstücke wäre nichts für mich!

  • Stefan Gall am 15.10.2019 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Minimalismus heisst Verzicht

    auf Überflssiges. Ich lebe so. Wenn ich zb. neue Kleider kaufe kommen alte weg. Mehr Platz, Nachhaltig, günstiger und freier.

  • Rigorosa am 15.10.2019 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Luxus-Minimalismus

    Ich finde die Idee grundsätzlich gut, doch etwas dekadent, gibt es doch viele Menschen, die nicht bewusst verzichten, sondern wirklich nur das Nötigste haben. Sie bringen wohl nicht 33 Kleidungsstücke zusammen und um die genannte Leerzone im Wohnzimmer zu erzeugen, ist die Wohnfläche viel zu klein. Ob Deko ja oder nein, entscheidet das Budget und die ganze Woche in etwa dasselbe essen, ist bei vielen auch keine Seltenheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Maudi Mauzer am 29.10.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Essen hört der Spaß auf...

    Alles ok aber Essen kann ich nicht 1 Woche jeden Tag das Gleiche, einfallslos! Zutaten und Zubereitung variieren ist definitiv nicht opulent!!!

  • Brain Bug am 28.10.2019 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    lieber opulent, aber selbstgemacht

    Es gibt nicht nur Materialismus, welcher an Konsumzwang gebunden ist. Ich mache vieles selber und freue mich über jedes Stück Wohnungseinrichtung, das nicht vom Geschäft kommt und einzigartig ist.

  • Arthur am 17.10.2019 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Reisegepäck

    Das Leben ist eine Reise durch den Kosmos und die Zeit. Mit leichtem Gepäck lässt es sich, wie auf jeder Reise, nun mal einfacher, sorgenfreier und entspannter reisen. Wer vieles mit sich herum trägt, muss sich auch um vieles kümmern und wendet dafür kostbare Lebenszeit auf, die anderswo besser und gewinnorientierter investiert werden könnte. Doch jedem das seine.

  • Peter Mümmelmann am 17.10.2019 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bewusst einkaufen

    Wie viele Muttis früher, einkaufen mit Einkaufszettel und zwar rigide. Nur starke Geister können das mit "virtuellem Denkzettel". Und - "Gelegenheiten" noch 3 Tage stehen lassen. Wenn ausverkauft, ist es Götterbestimmung, was man akzeptieren kann. Nachteil: Die Verschwendungen im Umfeld werden deutlicher (z.B. überfüllte Einkaufswagen, oder Staatsausgaben). Das muss man aushalten können.

  • Lebenskünstler am 16.10.2019 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Weniger ist Mehr

    Was da publiziert wird, lebe ich schon seit Jahren. Das beglückende findet sich draußen in der Natur! Bedenke, Sachwerte sind nur kurzfristige Freuden! Und nie Nachhaltig. Sogar das Steueramt unterstellte mir schriftlich; "Aufgrund ihres Vermögensschwundes, ist es nicht möglich, in der Schweiz zu leben". Saufreche Unterstellung, die ich dann noch schriftlich begründen musste.