Community erzählt«Ich musste mir eingestehen, dass ich einfach nicht mehr kann»
Wenn eine Pause nicht mehr reicht, um sich zu erholen, ist die Burn-out-Gefahr hoch. Nachdem SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer von ihrer Erschöpfungspause erzählte, meldeten sich auch 20-Minuten-Leserinnen mit ähnlichen Erfahrungen.
Darum gehts
- SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer kehrt nach fünf Monaten Erschöpfungspause nun ins Bundeshaus zurück.
- Viele 20-Minuten-Leserinnen kennen ähnliche Gefühle von Erschöpfung und Burn-out.
- Ursula erlitt ein Burn-out wegen privater Schicksalsschläge und Arbeitsbelastung.
- Sonia, eine alleinerziehende Mutter, kämpft aktuell mit zwei Jobs und Erschöpfung.
Was tun, wenn der Wecker am Morgen klingelt, man aufstehen müsste, aber einfach nicht kann? Alltagsaufgaben wie Mails beantworten oder die Kinder für die Schule parat machen plötzlich Unmengen an Energie rauben? So ging es SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer, bevor sie die Notbremse gezogen und fünf Monate eine Erschöpfungspause eingelegt hat.
Auch 20-Minuten-Leserinnen kennen dieses Gefühl. Eine davon ist Ursula (66). «Es war nicht nur eine Pause, die ich brauchte – es war ein vollständiges Anhalten», erklärte sie gegenüber 20 Minuten. Im Büro habe sie eine Führungsverantwortung gehabt und sei präsent und belastbar gewesen. Bis es privat zum Ausnahmezustand gekommen sei: «Mein 19-jähriger Sohn hatte einen schweren Töffunfall, meine Mutter einen Hirnschlag.»
«Habe Tag für Tag funktioniert, bis es nicht mehr ging»
Zwei Schicksale mit bleibenden Schäden, die sie extrem gefordert hätten. «Ich habe Tag für Tag funktioniert, bis es nicht mehr ging», erzählt sie. Tiefe Erschöpfung, anhaltende Schlafprobleme, Migräne und das Gefühl, nicht mehr richtig zu spüren. Der Wendepunkt kam am Arbeitsplatz: «Ich konnte plötzlich nicht mehr aufstehen. Die Kolleginnen eilten mir zu Hilfe – danach habe ich ein Blackout. Der Arzt verkündete mir dann die Diagnose Burn-out wegen Doppelbelastung.»

Drei Monate sei Ursula in einer Klinik gewesen. Danach habe sie sich bewusst ein halbes Jahr Auszeit genommen. «Diese Zeit war wichtig, um das Erlebte zu verarbeiten und wieder Struktur zu finden. Es brauchte viele Gespräche, viel Reflexion – und die Einsicht, dass es jetzt um mich gehen muss.» Heute kenne sie ihre Warnzeichen: «Ich spüre früher im Kopf und Bauch, wenn es zu viel wird, und nehme meine Grenzen ernst. Nein zu sagen fällt mir nicht immer leicht – aber ich weiss, dass es notwendig ist.»
«Musste ich mir nun eingestehen: Ich kann nicht mehr»
Sonia stehe gerade jetzt am Punkt, wo es nicht mehr weitergehe: «Ich habe in den nächsten Tagen einen Arzttermin, bei dem ich ihn um eine Auszeit bitten muss.» Seit Dezember sei die 38-Jährige immer wieder krank. «Ich musste seither schon zweimal Antibiotika nehmen und Kortison spritzen.» Als im Februar der Schwindel dazukam, läuteten ihre Alarmglocken: «Eines Tages bin ich aufgewacht und habe alles verschwommen gesehen – das machte mir richtig Angst.»

Durch ihre zwei Jobs und die Care-Arbeit, die sie als alleinerziehende Mutter habe, käme sie im Alltag kaum zur Ruhe. «Nun musste ich mir endlich eingestehen: Ich kann nicht mehr – der Körper schreit Stopp.» Diese Erkenntnis sei ihr schwergefallen. «Als nun auch mein Umfeld mich fragte, ob alles in Ordnung sei, war das für mich ein klares Signal.» Wie lange sie nun eine Auszeit brauche, könne sie nicht sagen. «Ich hoffe, dass ich mich in zwei, drei Wochen besser fühle und zurück in meinen Alltag gehen kann», so Sonia.
Melissa Greiter (mgr) arbeitet seit 2024 für 20 Minuten. Sie ist seit Februar 2025 Redaktorin im Ressort News, Wirtschaft und Videoreportagen.
