Publiziert 05. September 2026, 20:23
7. Spieltag


Young Boys
Luzern
S. Essende
-14
A. Cigaņiks
-47
A. Cigaņiks
-49
S. Essende
-52
M. Di Giusto
-65
K. Sène
-88

Vogelwild und dramatisch ist das Spiel zwischen den Young Boys und dem FC Luzern, das mit einem 3:3 endet. Bis kurz vor Schluss meint man, dass sich die entscheidende Szene in der 63. Minute abspielt. Denn: In dieser will Matteo Di Giusto im Strafraum an Pech vorbeiziehen. Der Tscheche versucht, sich mit allen Mitteln am Luzerner Captain vorbeizuschieben, doch tritt ihm dabei in die Hacken und Di Giusto fällt. Elfmeter!
Diesen verwandelt der Gefoulte gleich selbst. Es ist das 3:2 für den FC Luzern – aber nicht das Endergebnis. Kurz vor Schluss schiesst Kaly Sène das 3:3.
Was für ein Tor-Monster dieser Samuel Essende. Der bullige YB-Stürmer ist eine Wucht im Angriff der Berner. Wie wuchtig und vor allem wie gut er ist, hat er nun gegen Luzern wieder gezeigt. Nicht nur hält er unglaublich viele Bälle im Spiel, immer wieder rennt er auch nach vorne und schliesst gefährlich ab. Sein Ertrag: zwei Tore und mehrere Aluminiumtreffer. Damit hat er in dieser Saison nun wettbewerbsübergreifend in acht Spielen 8 Tore und 3 Assists zu Buche stehen.

Die Young Boys spielen stark, insbesondere der Sturm überzeugt – wie eigentlich in jeder Partie in dieser Saison. Schliesslich waren die Young Boys der erste Superligist überhaupt mit 23 Toren nach sechs Saisonspielen. Den ursprünglichen Rekord hielten der FC Basel 2016/17 und die Grasshoppers 2015/16 mit jeweils 21 Treffern. Nach nun sieben Spielen ist die Bilanz mit 25 geschossenen Toren noch eindrücklicher.

Doch da gibt es ein Problem – und dieses ist gross. Es ist die Abwehr der Young Boys, die alles andere als sattelfest ist, auch gegen den FCL nicht. Ja, sie ist teils vogelwild. Zu sehen etwa bei den Toren zum 1:1 und 1:2, als Andrejs Ciganiks völlig vergessen geht. Glück für YB: Die Verteidigung der Luzerner ist genauso desolat.
YB verlor keines der letzten 14 Heimspiele gegen Luzern, bei zwölf Siegen und zwei Unentschieden. Die letzte Heimniederlage gegen den FCL war das 2:3 im Oktober 2018. Und dabei bleibt es nach diesem dramatischen 3:3.
14’ | 1:0 | Sanches passt überlegt zum freistehenden Essende, der das Leder per Innenrist im langen Eck versorgt.
47’ | 1:1 | Ciganiks geht komplett vergessen. Er schliesst platziert ins linke untere Eck ab. Keller ist noch knapp dran, das reicht aber nicht.

49’ | 1:2 | Und wieder Ciganiks! Und wieder geht er komplett vergessen. Er hat keine Mühe, aus kürzester Distanz einzunicken.
52’ | 2:2 | Luzern-Goalie Letica sieht bei diesem Kopfballtor von Essende nicht allzu gut aus.
65’ | 2:3 | Elfmeter für den FCL! Di Giusto nimmt sich den Ball und hämmert diesen in die Maschen.
88’ | 3:3 | Herba Guirassy tankt sich durch. Sein Pass in die Mitte findet Sène, der zum Ausgleich trifft.
Andrejs Ciganiks: «Die erste Halbzeit war ein wenig tote Hose, die zweite war ein wilder Ritt. Leider hat es nicht bis zum Ende gereicht. Wir können aber froh sein, das wir hier drei Tore geschossen haben, weil YB ist eine starke Mannschaft. In der Pause haben wir gesagt, dass wir etwas mehr Ruhe am Ball brauchen, mehr Meter ohne Ball machen und die freien Räume besser bespielen müssen. Wir waren auch mutiger und sind dadurch in Führung gegangen. Am Ende haben für die drei Punkte aber etwas die Kräfte gefehlt.» (gegenüber blue Sport)
Matteo di Gusto: «Es tut sicher weh, den Ausgleich noch zu kassieren, nachdem wir so lange geführt haben. Es war auf jeden Fall ein wildes Spiel. Ich glaube aber, morgen werden wir den Punkt gerne nehmen. In der Pause haben wir gesagt, dass die letzte Überzeugung noch fehlt. Wir haben das geändert und sofort zwei Tore gemacht. Wir haben uns auf YBs Offensive eingestellt, wussten aber dass wir unsere Chancen kriegen werden. Aber man kann ihre Offensive nicht über 90 Minuten lang stoppen.»
Sandro Lauper: «Wenn wir nach zweimal nach Rückstand zurückkommen, müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein. Aber zuhause gegen Luzern ist das zu wenig. Wir werden diesen zwei verlorenen Punkten bestimmt noch nachtrauern. Wir waren die ersten fünf Minuten nach der Pause einfach nicht auf der Höhe und waren nicht in den Zweikämpfen. Für mich unverständlich, nachdem wir auch in der ersten Hälfte zu viel zugelassen haben. Das geht nicht und das müssen wir anschauen. Wir werden für unsere Fehler aktuell hart bestraft.»
Die Young Boys spielen nächstes Wochenende gegen Lugano. Der FC Luzern muss gegen den FC Basel ran.
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