Südwest-DeutschlandRegen hat nachgelassen – Hochwasserlage weiterhin «sehr angespannt»
Sintflutartige Regenfälle haben im Saarland am Freitag zahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Polizei verursacht. In Saarbrücken mussten viele Häuser evakuiert werden.
Darum gehts
- Im Südwesten Deutschlands kam es am Freitag und in der Nacht auf Samstag zu starken Regenfällen.
- Mehrere Pegel erreichten laut deutschen Medien einen Stand, der ein Jahrhundertereignis darstellt.
- Es zu Evakuierungen von Häusern und einen Altersheim. Zudem fiel der Strom aus und ein Kohlekraftwerk wurde geflutet.
- Am Samstagmorgen hat der deutsche Wetterdienst alle Unwetterwarnungen aufgehoben.
Nach Dauerregen und Hochwasser im Saarland hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) am frühen Samstagmorgen alle Unwetterwarnungen in Deutschland aufgehoben. Es liege keine Warnung vor «extrem ergiebigem Dauerregen» mehr vor, teilte der DWD mit.
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz will sich unterdessen am Samstag gemeinsam mit der saarländischen Ministerpräsidentin Anke Rehlinger ein Bild von der Lage machen. Unterdessen dürften nach Tagesanbruch die grossen Aufräumarbeiten anlaufen.
Heftiger Dauerregen hatte in dem kleinen Bundesland im Westen Deutschlands am Freitag Überflutungen und Erdrutsche verursacht. Über Verletzte war zunächst nichts bekannt.
Lage in der Nacht auf Samstag «sehr angespannt»
Am Freitag und auch noch in der Nacht zum Samstag kämpfte fast das ganze Bundesland mit den Wassermassen. Auf Videos waren zur Hälfte überschwemmte Autos, im Hochwasser feststeckende Wohnwagen und zahlreiche überflutete Strassen zu sehen. Gebäude wurden notdürftig mit Sandsäcken geschützt, teilweise stehen ganze Strassenzüge unter Wasser. Auch im benachbarten Rheinland-Pfalz sorgte der Regen für zahlreiche Einsätze.
Im Norden Baden-Württembergs und in der Vorderpfalz warnte der DWD jedoch noch bis Samstag 8 Uhr weiterhin vor Dauerregen. Dort werden örtlich neben den bereits gefallenen Regenmengen noch etwa zwischen 15 und 20 Liter pro Quadratmeter erwartet.
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger bezeichnete die Lage in der Nacht auf Samstag als «sehr angespannt». Es müsse davon ausgegangen werden, dass es massive Schäden geben werde, sowohl an der öffentlichen Infrastruktur, als auch bei den Bürgern.
«Grosse Gefahr für Leib und Leben»
Stellenweise mass der Wetterdienst am Freitag mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter in nicht einmal 24 Stunden. Für diesen heftigen Regen seien Flüsse und Infrastruktur nicht ausgerichtet, sagte eine DWD-Meteorologin am Freitagabend. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Monat April waren im Saarland rund 74 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen worden – und dies war ein Sechstel mehr Niederschlag als normalerweise in jenem Monat.
Im Saarland und im Süden von Rheinland-Pfalz galt dabei die höchste Warnstufe (Hochwassermeldestufe 4). Focus.de meldete gegen 15.30 Uhr, dass das Hochwasser im Gebiet bereits jetzt an zwei Pegeln ein Jahrhundertereignis darstelle. Im Saarland könnte als erster grosser Fluss an der Saar ein Hochwasser drohen. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor «grosser Gefahr für Leib und Leben». Es sei mit massiven Überflutungen und hohen Pegelständen zu rechnen.
Häuser-Evakuierungen, gesperrte Autobahn
In der Nacht auf Samstag wurde in Schoden an der Saarburg laut «Bild»-Zeitung ein Seniorenheim evakuiert. Zudem mussten rund 220 Menschen vorsorglich ihre Häuser verlassen und wurden zunächst in einer Turnhalle in Saarburg untergebracht.
Die sintflutartige Regenfälle haben im Saarland am Freitag zahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Polizei verursacht. In Saarbrücken mussten viele Häuser evakuiert werden, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Stadt warnte zudem vor steigenden Pegelständen an Bächen und Flüssen. Aufgrund des Hochwassers musste die Stadtautobahn A 620 gesperrt werden. Hunderte Rettungskräfte der Feuerwehr waren im Einsatz.
In Quierschied wurde ein Steinkohlekraftwerk geflutet. Die «Saarbrücker Zeitung» berichtet, dass der dort errichtete Damm zu einem überlaufenden Weiher gegen 19.15 Uhr gebrochen sei. Welche Folgen die Flutung des Kraftwerks haben wird, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.
Im gesamten Saarland sorgte der Starkregen für überflutete Strassen, vollgelaufene Keller und Erdrutsche. Besonders betroffen war unter anderem die Gemeinde Kleinblittersdorf. Landesweit wurde vor Überflutungen gewarnt. Auch im Bahnverkehr kam es zu Problemen. Vereinzelt fiel in Gemeinden der Strom aus. In einigen Orten wurde der Katastrophenalarm ausgelöst. Schulen und Kindergärten blieben teilweise geschlossen.
Keine Entwarnung am Abend
Das Landespolizeipräsidium Saarbrücken erklärte am Abend, es könne keine Entwarnung gegeben werden. Die Zahl der Einsätze wegen überfluteter Strassen, vollgelaufener Keller und umgestürzter Bäume werde nicht mehr gezählt. «Wir haben nach 300 aufgehört», sagte ein Sprecher. Zum Glück gebe es bisher keine Verletzten oder Vermissten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte bis in die Nacht zum Samstag vor allem in den Gebieten westlich des Rheins vor ergiebigem Dauerregen. Danach soll der Regen langsam nachlassen.
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