Muttenz BL«Sehr traurig, dass das an einem ruhigen, heiligen Ort passiert»
Tatort Friedhof: Unbekannte lassen Grabschmuck mitgehen. Angehörige der Verstorbenen zeigen sich schockiert. Betroffen sind Friedhöfe in der ganzen Region Basel.
Darum gehts
Dreister geht es wohl kaum: Auf dem Friedhof Muttenz BL ist der Grabschmuck nicht vor Diebinnen und Dieben sicher. Die unbekannten Personen reissen sich Windrädli, Kerzen, Schalen und Engel-Figuren unter den Nagel. Welchen Verwendungszweck sie für das Diebesgut haben, sei dahingestellt. In der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Muttenz, wenn …» können es die Userinnen und User nicht fassen.
«Ich finde das sehr traurig, dass das passiert an einem ruhigen, heiligen Ort, wo unsere Liebsten ruhen. Unglaublich», schreibt ein anonymes Mitglied. Täter haben sich an der Muttenzer Grabstätte seines Vaters bedient. Dazu postet der betroffene Mensch ein Bild eines Grabes: Darauf zu sehen sind ein pinkes Windrad, eine kleine Engel-Statue und ein LED-Licht. «Meine Mama war sehr traurig über diesen Vorfall», schreibt die Person weiter.
Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, wie die Kommentare zeigen. «Bei unserem Papi kommen die Engeli auch regelmässig weg», schreibt ein Mann. Eine andere Frau schreibt, dass «regelmässig» von besagtem Friedhof geklaut werde. Eine Userin fragt sich, «wie man das mit dem Gewissen vereinbaren kann, Verstorbene zu beklauen».
Doch der Muttenzer Bauvervalter Christoph Heitz dementiert, dass es sich im oben genannten Fall um Diebstahl handelt. «Grundsätzlich ist es so, dass das Personal des Friedhofes berechtigt ist, verblühten und auch defekten Grabschmuck abzuräumen», so Heitz. «Das Windrad war defekt aufgrund der vorherrschenden Wetterverhältnissen (starker Wind und Sturm) in den letzten Wochen und wurde deswegen weggeräumt», erklärt er weiter. Gerade in der kälteren Jahreszeit müsste vermehrt defekter Grabschmuck entfernt werden. «Es handelt sich somit in den aller wenigsten Fällen um Diebstahl», so der Bauverwalter.
«Tiere können es nicht gewesen sein»
Auch auf anderen Friedhöfen in der Region verschwindet Schmuck von Gräbern. Ein Mitarbeiter des Werkhofs in Aesch BL bestätigt, es gebe auch bei ihnen Reklamationen wegen Diebstählen auf dem Friedhof. Tierische Diebe könne er ausschliessen. Grabschmuck wie Engel oder auch Schalen seien zu schwer für Vögel und andere Kleintiere, die auf dem Friedhof lebten, sagt er.
Laut einer Userin wird auch auf dem grössten Friedhof der Schweiz geklaut, was das Zeug hält. «Auf dem Friedhof Hörnli in Basel kommen auch regelmässig die Sachen weg», schreibt sie. Der Kanton bestätigt: «Ja, ähnliche Fälle werden auch uns immer wieder gemeldet», so Anja Bandi, Leiterin Friedhöfe Basel.
Zum einen handle es sich tatsächlich um Diebstähle, zum anderen entwendeten auch Tiere Grabschmuck, führt Bandi aus. «Angefangen von Blumensträussen und -gestecken, welche gefressen, bis hin zu Kerzen, welche sowohl von Raben wie auch von Füchsen entwendet werden», so die Friedhofs-Leiterin. Mitunter gebe es auch Familienmitglieder, die sich nicht absprechen, wer wann was auf ein Grab stelle und wegräume. «Aus optischen Gründen entfernen auch unsere Gärtnerinnen und Gärtner verwelkte Blumenarrangements nach einer gewissen Zeit», erklärt Bandi weiter.
Jeanne Dutoit ist stellvertretende Chefredakteurin der Lokalredaktion Basel.
