Deshalb fuhr Rad-Star Stefan Küng trotz Hirnerschütterung weiter

Aktualisiert

Nach schlimmem SturzDeshalb fuhr Rad-Star Stefan Küng trotz Hirnerschütterung weiter

Im Zeitfahren bei der Rad-EM stürzte Stefan Küng kurz vor dem Ziel. Er erlitt unter anderem eine Hirnerschütterung. Nun kommen Fragen auf, der Verband reagiert. 

Hier ist der Sturz von Stefan Küng zu sehen. SRF

Darum gehts

  • In der letzten Woche stürzte Stefan Küng bei der Rad-EM schwer. 
  • Die Saison ist für den Schweizer beendet. 
  • Über den Vorfall wird dennoch diskutiert. 

Im Zeitfahren bei der Rad-EM in den Niederlanden stürzte der Schweizer Stefan Küng schwer. Blutüberströmt und mit einem kaputten Helm beendete Küng das Rennen. Später wurde bekannt, dass er eine Hirnerschütterung, einen Jochbeinbruch und Frakturen an der Hand erlitt. Sein Team Groupama-FDJ teilte mit, dass Küngs Saison beendet sei. 

Obwohl der Vorfall nun schon ein paar Tage her ist, sind die Diskussionen noch immer gross. Fans und Experten, wie etwa frühere Rad-Profis und Brian Cookson, Ex-Chef des Radsport-Weltverbands UCI, fragen sich etwa: Wie kam es, dass der 29-Jährige das Rennen beendete? Weshalb haben Nati-Trainer Edi Telser und Julien Pinot, die im Begleitfahrzeug sassen, ihn nicht an der Weiterfahrt gehindert?

Der blutüberströmte Stefan Küng kommt bei der Rad-EM ins Ziel.
Der blutüberströmte Stefan Küng kommt bei der Rad-EM ins Ziel. freshfocus

Das sagt der Verband zum Vorfall

Der Radsport-Weltverband hat ein «Concussion Protocol». Diesem zufolge hätte es eine umgehende Untersuchung erfordert und der Athlet, in diesem Fall Küng, hätte im Verdachtsfall aus dem Rennen genommen und untersucht werden sollen. Beim Schweizer wurden medizinische Tests jedoch erst nach der Zielankunft vorgenommen. Drohen nun Konsequenzen? Das niederländische Portal «wielerflits.nl» meldet, der Rad-Weltverband UCI habe den Schweizer Verband um eine Stellungnahme gebeten.

20 Minuten fragt bei Groupama-FDJ nach. Antworten kommen keine klaren, Team-Mediensprecherin Marion Le Couls teilt mit: «Die Priorität liegt derzeit auf der Genesung von Stefan Küng. Die Beteiligten brauchen Zeit, um die Ereignisse zu verarbeiten und zu analysieren, und werden daher in diesen Tagen keine weiteren Informationen herausgeben.» Swiss Cycling gibt hingegen ein Communiqué heraus. 

In diesem wählt der Verband klare Worte. «Im Nachhinein lässt sich festhalten, dass Stefan Küng dieses Rennen nicht zu Ende hätte fahren dürfen», sagt Patrick Müller. Der Leistungssportchef von Swiss Cycling hält jedoch fest, dass es im Nachhinein einfach sei, diese Feststellung zu machen, dass die Theorie in der Praxis kaum umsetzbar sei. «Es läuft alles innert kürzester Zeit ab. Der Athlet begibt sich nach dem Sturz reflexartig wieder auf das Velo. Es ist fast nicht möglich, ihn aufzuhalten. Kommt dazu, dass man den Athleten aus dem Begleitfahrzeug nur von hinten sieht und nicht abschätzen kann, wie gravierend die Verletzungen sind.»

«Betreuung durch die Ärzte war ausgezeichnet»

Für Müller jedoch ist klar, dass die Geschehnisse rund um den Sturz mit allen Beteiligten analysiert und intern aufgearbeitet werden müssen. Am Freitag wurde Küng mit der Rega in die Schweiz überführt. Die anschliessend vorgenommenen Abklärungen bestätigten die in den Niederlanden diagnostizierten Verletzungen. Küng wird am Montag im Kantonsspital St. Gallen an der Hand und am Jochbein operiert, laut Verbandsarzt Patrik Noack wird er sechs bis acht Wochen pausieren müssen.

Küng sagt, er sei froh, gehe es ihm den Umständen entsprechend gut. «Die Betreuung durch die Ärzte von Swiss Cycling war und ist ausgezeichnet, ich bin in sehr guten Händen. Wir werden ein Debriefing machen und künftig von den Erkenntnissen profitieren.»

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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.

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