Serie B: Pajtim Kasami von Sampdoria Genua im Interview

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Pajtim Kasami«Neben Xhaka haben nicht viele unserer Generation meine Qualitäten»

Pajtim Kasami schnürt mittlerweile in der Serie B die Schuhe. Ein Gespräch über seine weiteren Ziele und warum es ihn wieder nach Italien verschlagen hat. 

Darum gehts

  • Pajtim Kasami zählt zu den talentiertesten Fussballern der Schweiz. 
  • Mittlerweile spielt er in der Serie B. 
  • Wir haben mit ihm über seine Karriere und Zukunft gesprochen. 

Pajtim Kasami, Sie spielen seit Sommer wieder in Italien – wie geht es Ihnen?

Mir geht es wirklich sehr gut. Es ging eine Zeit, bis ich angekommen bin und jetzt bin ich physisch sowie mental wieder auf meinem absoluten Topniveau.

Sie sind nun bei Sampdoria Genua unter Vertrag. Hatten Sie auch andere Angebote? 

 Ja, ich hatte viele Angebote. Es ging mir aber nicht ums Geld, sonst würde ich nun in Saudiarabien spielen. Finanziell hatte ich zwei Angebote, die echt sehr attraktiv waren. 

Wieso haben Sie abgelehnt?

Auf dem Pass steht, ich bin 31 Jahre alt. In meinem Körper fühle ich mich wie 25. Ich habe noch grosse Ambitionen im europäischen Clubfussball. 

In der abgelaufenen Saison waren Sie bei Olympiakos Piräus unter Vertrag. Wieso war nach einer Saison wieder Schluss?

Ein Paradebeispiel, wie schnell es im Fussball gehen kann. Ich habe starke Leistungen gezeigt, wir spielten um den Meistertitel und dann wurde der Trainer entlassen. Der Neue setzte nicht mehr auf mich. 

Wie gingen Sie damit um?

Mental war das schwer für mich. Ich arbeitete mich mit meinen Leistungen auf den Höhepunkt und plötzlich war alles anders. Ich fragte mich, wieso mir das immer wieder passiert.

«Ich kenne meine Qualitäten.» 

Pajtim Kasami

Machten Sie sich Sorgen, dass Sie keinen Club mehr finden? 

Daran habe ich ehrlich gesagt nie gedacht. Ich kenne meine Qualitäten.

Serie B – zweithöchste Liga Italiens. Ist das nicht ein Rückschritt statt der Beweis für grosse Ambitionen? 

Ich war selber überrascht, wie intensiv der Fussball ist – kein Vergleich zur Schweizer Super League. Zudem spiele ich bei Sampdoria. Der grösste Club in der Serie B, der gerade erst abgestiegen ist. Man sollte definitiv nicht den Fehler machen und mich abschreiben.

Heisst: Ein Schritt zurück, um den Wiederaufstieg anzustreben und bald in der Serie A auftrumpfen? 

Klar, ist das unser und mein Ziel. Aber das wird kein Selbstläufer. Es ist generell einfach unglaublich, in Genua zu spielen. Die Lebensqualität am Meer in Italien muss ich Ihnen nicht erklären, wir haben wöchentlich über 21’000 leidenschaftliche Fans im Stadion, der Club hat eine grosse Geschichte – Hand aufs Herz, das willst du als Fussballer erleben.

Mit Andrea Pirlo haben Sie einen ehemaligen Weltstar als Trainer. Wie erleben Sie ihn?

Er war immer mein grosses Idol. Das ist schon speziell, wenn dieser Spieler dann plötzlich dein Trainer wird. Er erreicht uns Spieler sehr gut, der Respekt ist extrem. Er ist ein ruhiger Trainer, aber wenn er spricht, dann trifft er alles auf den Punkt. 

«Ich habe auch Fehler gemacht.»

Pajtim Kasami

Sie sind Teil der goldenen Nati-Generation, wurden mit der U-17 Weltmeister. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Karriereverlauf?

Jeder Mensch hat generell seinen eigenen Werdegang. Ich habe auch Fehler gemacht und Leuten vertraut, denen ich nicht hätte vertrauen dürfen. Aber ich bin ehrlich zu Ihnen und bei allem Respekt: Ich sehe nach Granit Xhaka, Ricardo Rodriguez oder Haris Seferovic nicht mehr viele andere Spieler dieser Generation, die über meine Qualitäten verfügen. 

Ist das auch noch eine Kampfansage in Richtung Schweizer Nationalmannschaft?

Mein letztes Aufgebot war vor zwei Jahren, bei Murat Yakin war ich mal auf Abruf. Viel fehlte nie. Ich würde gerne mit all meinen Freunden in der Nati nochmals die Kabine teilen, aber ich fokussiere mich jetzt einfach auf meine Leistungen im Club.

Sie haben Ihr Umfeld angesprochen. Sie hatten mit dem verstorbenen Mino Raiola wohl den bekanntesten und meist polarisierenden Fussballberater der Welt. Wie war Ihre Beziehung?

Er hatte bestimmt den grössten Einfluss auf meine Karriere. Ich bin ihm sehr dankbar und könnte auch Stunden lang über Stories von ihm erzählen. Ich war etwa mal im Auto mit Mino als Pep Guardiola angerufen hatte und sich zu Barcelona-Zeiten über Zlatan Ibrahimovic beschwerte. Mino sagte nur: «Fuck you!» Er hat alles für seine Spieler gegeben, doch unser Verhältnis war zwischenzeitlich dann sehr kaputt.

Warum?

Im Sommer 2016 war ich im Gespräch bei der AC Milan, doch Mino fädelte einen Wechsel zu Nottingham Forest ein. Der Besitzer war ein Freund von ihm und ich wurde zum Spielball. 

Wie haben Sie seinen Tod erlebt?

Es hatte mich sehr mitgenommen. Obwohl wir dann eine Zeit lang nicht mehr Kontakt hatten, war ich an der Beerdigung. Ich pflege noch heute Kontakt mit seinen Söhnen und seiner Ehefrau. 

Auch die Degen-Brüder waren Ihre Berater. 2020 landeten Sie beim FC Basel. David Degen wurde dann Clubbesitzer und Sie verliessen den Club. Wie hatten Sie diese Zeit erlebt?

Ich war sehr glücklich in Basel. Aber der FCB ist ein Verein, der immer den Meistertitel als Ziel haben sollte. Doch es wurden dann Schlüsselspieler verkauft und die Ambitionen veränderten sich. Innerhalb des Clubs passierten Sachen, die ich nicht mit mir vereinbaren konnte. Es hiess anschliessend, dass ich weg musste – doch ich bin der, der gehen wollte.

In Ihrem letzten Einsatz für den FCB standen Sie fünf Minuten auf dem Platz, lieferten einen Assist und flogen mit Gelb-Rot vom Platz …

Die Situation beim FCB hatte mich mitgenommen und dieses letzte Spiel spiegelte dies leider sehr wider. Basel ist der einzige Club in der Schweiz mit internationalem Flair. Ich liebte es dort. Es ist und bleibt für mich der grösste Verein des Landes.

In den letzten Monaten gab der Club ein etwas anderes Bild ab. Wie haben Sie dies verfolgt?

Taulant Xhaka und Michael Lang sind sehr gute Freunde von mir. Ich habe natürlich mit Ihnen mitgelitten und konnte sehr gut nachvollziehen, was sie in den letzten Wochen durchmachen mussten. Es ist brutal. Aber hoffentlich geht es nun aufwärts. 

Wird Pajtim Kasami nochmals für die Nati auflaufen?

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