Ex-SCB-Sportchefin«Meine Freunde sagten, mit Schnäbeli wäre es einfacher»
Ex-Eishockey-Profi Florence Schelling übernahm als Frau das Amt als Sportchefin beim SC Bern. Nach nur einem Jahr wurde sie entlassen – nun schaut sie auf diese Zeit zurück.
Darum gehts
- Florence Schelling wurde Sportchefin des SC Bern, das schlug hohe Wellen.
- Nach nur einem Jahr war das Abenteuer bereits wieder beendet.
- Nun schaut die 34-Jährige auf diese nicht ganz einfache Zeit zurück.
Das ehemalige Hockey-Ass Florence Schelling war 2020 die erste Frau, die als Sportchefin einen Männer-Hockey-Club führte – das brachte enorm viel mediale Aufmerksamkeit. Das Abenteuer der heute 34-Jährigen beim SC Bern ging nach nur einem Jahr wieder zu Ende. Nun gab Schelling im Magazin «Sportlerin» ein ausführliches Interview, in dem sie auch über diese nicht ganz einfache Zeit sprach.
Die Zürcherin war mitten in der Corona-Pandemie beim grossen SCB eingestiegen und hatte sich durchzukämpfen versucht. Bereits ihr Start war nicht einfach gewesen. «Ich spürte sehr, sehr schnell, dass ich bei einigen überhaupt nicht willkommen war. So nach dem Motto: ‹Meitschi, was willst du denn hier?›», schaut sie zurück. Trotzdem machte sie weiter, immer weiter, aufgeben kam für sie nicht in Frage, sie sei eine Kämpferin.
«Das war ein Riesenfehler»
Auf die Frage, ob sie sexistisch beleidigt oder gemobbt wurde, verneint sie. Nur um nachzuschieben: «Aber wo ist die Grenze zum Mobbing?» Denn ihr wurde schnell bewusst, dass sie nie richtig eine Chance erhalten würde, um sich beim SCB durchzusetzen – auch wenn sie stets auf Veränderungen hoffte. Zu diesen kam es nicht. «Ich hörte oft im Freundeskreis: ‹Wenn du ein Schnäbeli hättest, wäre es einfacher!› Ich wollte das nicht wahrhaben, weil es doch nicht wahr sein konnte», sagt sie.
Schelling hatte trotz oder eben gerade wegen der Pandemie von Beginn weg viel zu tun, musste unentwegt Interviews geben. Sie konnte kaum alles bewältigen, was auf sie hereinprasselte. Das auch, weil zu Beginn der Pandemie keine Pressekonferenzen durchgeführt werden konnten. Und der SCB verpasste es, das stattdessen virtuell zu tun. «Das war im Nachhinein ein Riesenfehler. Weil ich monatelang nur Interviews gab. Den ganzen Sommer lang. Irgendwann sagte ich, dass ich nicht mehr kann», erinnert sich Schelling.
Das erste Frauen-Sportmagazin
Sie war der Sündenbock
Ihr war von Beginn weg klar, dass ihre Aufgabe beim 16-fachen Schweizer Meister nicht einfach würde. Sie merkte schnell, dass die Strukturen beim SCB nicht stimmten, «so kann nicht konstruktiv gearbeitet werden». So kam es, wie es kommen musste, Schelling wurde nach nur einem Jahr entlassen. Sie sei zwar enttäuscht, frustriert und wütend gewesen, aber: «In erster Linie fühlte ich mich sofort 50 Kilogramm leichter, der ganze Druck fiel ab.»
Dennoch fiel es ihr nicht leicht, diesen Lebensabschnitt hinter sich zu lassen, im Gegenteil. «Ich brauchte lange, um das alles zu verarbeiten. Das kann man nicht so schnell abstreifen. Die Zeit war ungemein intensiv und speziell.» Sie sei halt der Sündenbock gewesen, da der SCB keinen Erfolg hatte. Nichtsdestotrotz empfand sie diesen Job als spannend.
Selber hat sie eine andere Berufung gefunden: Bereits 2019 gründete sie ihre eigene Firma «Focus Finder», nun arbeitet sie dort als Coach. Ihr Unternehmen bietet Module, Vorträge und Workshops an – «um Menschen zu ihrem optimalen Fokus zu führen, damit sie ihre ambitionierten Ziele erreichen können», wie es auf der Website heisst. Schelling sagt zu ihrer aktuellen Tätigkeit: «Ich fühle mich wohl und kann machen, was ich gerne habe.»
