SNB News: Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 % erhöht

Livetickeraktualisiert am Donnerstag, 23. März, 2023

Bankenkrise
Nationalbank erhöht Leitzins – und äussert sich sich zum CS-Aus

Die Nationalbank schraubt weiter am Leitzins. Um zehn Uhr informiert sie über ihren Entscheid. 20 Minuten berichtet live.
SNB-Präsident Thomas Jordan.
SNB-Präsident Thomas Jordan.Tamedia

Aktuelle News zur Credit Suisse Bankenkrise befindet sich auf unserem Liveticker:

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23.03.2023

Do 11:19

Ende

Damit ist die Pressekonferenz vorbei. In drei Monaten findet die nächste Lagebeurteilung statt.

Die wichtigsten Aussagen von SNB-Chef Thomas Jordan:

  • Höherer Leitzins: «Die Zinserhöhung war wegen des inflationären Drucks notwendig.»
  • Es gebe die Komplexität, dass dadurch die Mieten steigen könnten. Aber: «Würden wir nicht den Leitzins erhöhen, hätten wir in drei Jahren eine absolute Katastrophe.»
  • CS-Übernahme durch die UBS: «Mir ist kein Druck aus dem Ausland bekannt, der die Entscheidung beeinflusst hätte.» Eine Verstaatlichung wäre laut Jordan angesichts des Risikos für den Steuerzahler nicht in Frage gekommen.
  • CS-Kredite: «Die Kredite sind keine Geschenke.»

23.03.2023

Do 11:18

Gestern hat die FED erwogen, keinen Zinsschritt vorzunehmen. Sie auch?

Jordan: «Das war bei uns kein Thema, weil wir damit den erhöhten Inflationsdruck adressieren. Im Übrigen sind die Zinsen in den USA deutlich höher. Es ist wichtig, dass die Geldpolitik diesen Schritt gemacht hat.»

23.03.2023

Do 11:16

Wenn die EZB die Zinsen weiter erhöht, stehen Länder wie Italien vor einem Problem. Sehen Sie da ein drohendes Problem mit den Staatsanleihen?

Jordan: «Das Risiko gibt es immer. Es nützt nichts, wenn man die Inflation jetzt nicht bekämpft, weil man denkt, dass die Kosten tief gehalten werden können. Es wird später sonst viel schlimmer.»

23.03.2023

Do 11:11

Durch den Zinsentscheid wird sich der Referenzzinssatz erhöhen und die Mieten werden steigen. Heizen Sie damit nicht die Inflation an?

Jordan: «Man muss das in der Dynamik sehen, für uns ist enorm wichtig, dass wir Zweitrundeneffekte in Grenzen halten. Es gibt diese Komplexität bei den Zinsen, aber würden wir das nicht machen, wäre der Druck auf die Geldpolitik später noch viel grösser und der Effekt noch viel dramatischer. Dann hätten wir in drei Jahren eine absolute Katastrophe.»

23.03.2023

Do 11:09

In welchen Sektoren sehen Sie jetzt Risiken angesichts der Tiefzinsen der letzten Jahre?

Jordan: «Das Schweizer Finanzssystem ist sehr robust, wenn wir die weiteren Banken anschauen. Es gibt natürlich international bestimmte Risiken ausserhalb des Bankensektors. Dort ist auch die Regulierung nicht vergleichbar. Das ist aber nicht etwas, dass es in der Schweiz Unsicherheit auslösen würde.»

Und was ist mit dem Immobiliensektor?

Schlegel: «Die Immobilienpreise sind zuletzt ja nicht mehr so stark angestiegen. Rückgänge sehen wir mit den Renditeliegenschaften. Dort scheint es einen Druck auf die Preise zu geben. Wir schätzen die Risiken in der Schweiz aber nicht sehr gross ein.

23.03.2023

Do 11:03

Hat der ganze Finanzsektor ein riesiges Vertrauensproblem, weil es immer heisst, es ist alles gut?

Jordan: «Die Behörden tun global alles dafür, um Stabilitäten zu gewährleisten. Es geht darum, dass man in diesem fragilen System diese Unsicherheit möglichst reduziert, um diesen Domino-Effekt aus den USA möglichst gering zu halten, um zu verhindern, dass wir in eine grössere Krise kommen.»

23.03.2023

Do 11:01

Gab es keinen Zeitpunkt, mit grossen Massnahmen einzuschreiten, um den Kapitalabfluss zu verhindern?

Jordan: «Es gibt wesentliche Unterschiede zu 2008. Es gab Zweifel an der längerfristigen Profitabilität der Bank. Das Geschäftsmodell war anfällig für Schocks. Nur mit der Sicherung kann man die grundsätzlichen Probleme nicht lösen.»

23.03.2023

Do 10:55

Gegen UBS-Chef Ralph Hamers läuft ein Gerichtsverfahren. Ist das nicht ein unnötiges Risiko für die Schweiz mit der Mega-UBS?

Jordan: «Wir sind nicht die Überwachungsbehörde, das ist die Finma, deshalb können wir uns nicht dazu äussern.»

23.03.2023

Do 10:48

Hätten Sie sich gegen eine Verstaatlichung quergelegt, war der Druck der USA zu gross?

Jordan: «Mir ist kein Druck aus dem Ausland bekannt, der die Entscheidung beeinflusst hätte. Über die Verstaatlichung sagte der Bundesrat klar, dass das angesichts des Risikos für den STeuerzahler nicht in Frage kommt. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Eine Abspaltung der Credit Suisse ist nicht auf dem Papier, darüber will ich deshalb nicht spekulieren.»

23.03.2023

Do 10:46

Warum ging es nur mit einer Rettung der CS?

Jordan: «Der Vertrauensverlust in der letzten Woche war enorm. Mit einer gewöhnlichen Liquditätshilfe hätte das nicht gebremst werden können. Es hat eine Erosion des Vertrauens in der Bankenwelt stattgefunden.»

23.03.2023

Do 10:44

Funktioniert die Too-big-to-fail-Lösung einfach nicht? Kann die Schweiz eine mögliche Schieflage der UBS stemmen?

Jordan: «Eine Abwicklung kommt darauf an, ob das Resultat mit einer grossen Finanzkrise wie derzeit kommt. Deshalb kam die Abwicklung nicht in Frage. Zur Zukunft der UBS ist es zu früh, eine solche Frage zu beantworten. Die Beurteilung ist sicher wichtig, um sicherzustellen, dass wir auch in Zukunft unter schwierigen Verhältnissen Stabilität garantieren können. Durch Too-big-to-fail steigen die Kapitalanforderungen an eine Bank, je grösser sie ist.»

23.03.2023

Do 10:39

Sie haben von Zeitdruck gesprochen. Aber Sie wussten sicher schon lange, dass es der CS nicht gut geht. Hätte man nicht früher reagieren müssen?

Jordan: «Die Vorbereitungsmassnahmen liefen seit langem. Es war nicht auszuschliessen, dass eine Lösung gefunden werden muss, wenn ein Vertrauensverlust eintritt. Aber der Zeitdruck ist dann immer enorm. Liquditätshilfe zum Voraus ist keine gute Idee, weil sie einen Sturm auf die Bank auslösen kann. Deshalb war die Liquiditätshilfe erst im Verlauf der letzten Woche nötig.»

23.03.2023

Do 10:33

Sie waren bei der Rettung der UBS mit an Bord, haben so etwas schon erlebt. Jetzt ist das Klumpenrisiko noch viel grösser. Wo muss nachgeschärft werden?

Jordan: «Es ist wichtig, dass die neue Situation analysiert wird. Aber nicht nur die Grösse der Bank ist relevant. Es wird auf die Geschäftsmodelle der Banken ankommen. Selbstverständlich muss die Überwachung auf die neue Situation angepasst werden.»

23.03.2023

Do 10:30

Falls die Märkte wieder in Turbulenzen geraten, haben Sie nicht Angst davor, dass die Zinserhöhung falsch war?

Jordan: «Wir sind im internationalen Vergleich auf einem sehr tiefen Niveau. Wir müssen die Risiken und Möglichkeiten abwägen. Hätten wir das nicht getan, müssten wir später den Leitzins noch stärker erhöhen. Es kann aber selbstverständlich sein, dass eine Zinssenkung in Frage kommt. Aber heute mit dem inflationären Druck ist diese Zinserhöhung notwendig.»

23.03.2023

Do 10:29

Haben Sie die Öffentlichkeit mit der Sicherheit der CS getäuscht?

«Nein, die Öffentlichkeit wurde nicht getäuscht. Wir haben bereits am Mittwoch klargestellt, dass wir Liquidität zur Verfügung stellen. Hätte man das nicht getan, dann hätte man eine unkontrollierbare Situation gehabt, die enormen Schaden angerichtet hätte.»

23.03.2023

Do 10:27

Haben Sie keine Angst, dass es zu viel Bankenkonzentration gibt?

Jordan: «Die UBS wird eine sehr grosse Bank sein. Wir müssen sicherstellen, dass es genug Wettbewerb gibt. Es wird neue Aufbaben zur Überwachung geben müssen. Aber jetzt müssen wir Finanzstabilität gewährleisten und die Fusion wird schnell verlaufen.»

23.03.2023

Do 10:25

Glauben Sie, dass Mobile-Apps die Bankruns verursacht haben?

Jordan: «Das war nicht der Grund, es war ein Vertrauensverlust in verschiedene Banken. Am wichtigsten ist Liquidität und dass wir das Vertrauen in die Banken sicherstellen können.»

23.03.2023

Do 10:24

Ist die Limite an Bankenkrediten aufgehoben?

Martin Schlegel: «Die Enpassfazilität stellen wir allen Banken zur Verfügung, um Engpässe zu überbrücken. Dafür müssen Banken hochwertige Wertschriften hinterlegen.»

23.03.2023

Do 10:19

Ein schwieriger Entscheid?

Wie schwierig war es, die Leitzinsen anzuheben angesichts der Bankenkrise?

Thomas Jordan: «Wir sind fest der Überzeugung, dass die Straffung der Geldpolitik absolut notwendig ist. Die Zinserhöhung wird keinen negativen Einfluss haben. Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir später ein grösseres Problem. Die Wachstumsprognose für dieses Jahr ist leicht höher. Das hat vor allem damit zu tun, dass im Winterhalbjahr die internationale Entwicklung etwas besser war als befürchtet. Selbstverständlich gibt es viele Risiken, etwa wenn es zu Turbulenzen auf den internationalen Märkten kommt. Aber indem es gelungen ist, eine Systemkrise zu verhindern, konnten wir grossen Schaden abwenden. Wäre das nicht gelungen, wäre die CS in einen Konkurs geraten mit extremen Folgen für die Schweiz.»

23.03.2023

Do 10:16

Jetzt beginnt die Fragerunde.

23.03.2023

Do 10:14

«Ausserordentliche Liquiditätshilfe»

Jetzt spricht SNB-Vize Martin Schlegel über die Hilfe an die UBS und CS: «Die Notverordnung ermöglicht ausserordentliche Lqiuiditätshilfe von insgesamt bis zu 100 Milliarden Franken ohne Einlieferung von Sicherheit. Die Forderung ist jedoch mit einem Konkursprivileg gesichert. Das bedeutet, dass in einem Konkursfall die Forderung der SNB mit hoher Priorität zurückbezahlt würde. Nur wenige andere Forderungen haben gegenüber dem Darlehen der SNB Vorrang, beispielsweise Löhne oder die unter dem Einlegerschutz gesicherten Einlagen.»

23.03.2023

Do 10:06

«Die Unsicherheit bleibt hoch«

Jetzt spricht Jordan zur Leitzinserhöhung: «Weitere Erhöhungen sind nicht auszuschliessen, um die Preisstabilität zu gewährleisten.» Zur Inflation sagt er: «Die Inflation liegt weiterhin deutlich oberhalb des Bereichs, den die SNB mit Preisstabilität gleichsetzt.» Die neue Prognose falle trotz Anhebung des Leitzinses höher aus als noch im Dezember. «Die Unsicherheit bezüglich der weiteren Preisentwicklung bleibt hoch», so Jordan.

23.03.2023

Do 10:02

«Kredite sind keine Geschenke»

Jetzt erklärt Jordan, warum die Massnahmen aus Sicht der Nationalbank nötig waren: «Wegen den Verwerfungen in der US-Bankenbranche verschärfte sich vergangene Woche die internationale Vertrauenskrise rasant. Dies hatte ab Mittwoch unmittelbare Auswirkungen auf die Liquiditätssituation der Credit Suisse, da es zu starken Abflüssen von Kundengeldern und Kürzungen von Gegenparteilimiten kam. Die Nationalbank lieh der CS daraufhin in grossem Volumen Liquidität in Fragen und in Fremdwährungen aus.» Dies habe die nötige Zeit verschaffen, um eine Lösung zu finden. «Ein Konkurs der CS hätte schwerwiegende Folgen für die Schweizer Wirtschaft gehabt. Dies zu riskieren wäre verantwortungslos gewesen.» Die Liquiditätsmassnahmen seien versichert. «Die Kredite sind keine Geschenke», so Jordan.

23.03.2023

Donnerstag

Jetzt gehts los

Die Pressekonferenz mit SNB-Präsident Thomas Jordan beginnt. Schön bist du dabei.

Fabian Pöschl (fpo) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Verantwortlicher Wirtschaftsnews im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

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