Strafgericht BasellandSie stellte ihren Fiat quer auf die Strasse und beschimpfte die Polizisten
Eine 68-jährige Frau rastete vor zwei Jahren bei einer Geschwindigkeitskontrolle der Polizei Basel-Landschaft im alkoholisierten Zustand aus und verletzte zwei Polizisten. Die Quittung bekam sie jetzt vom Strafgericht.
Darum gehts
- Eine 68-jährige Frau stand am Mittwoch vor Gericht, weil sie im April 2020 im Rahmen einer Geschwindigkeitskontrolle zwei Polizisten verletzte und mehrfach alkoholisiert und ohne Führerschein Auto fuhr.
- Bei ihr wurde eine Wahnerkrankung diagnostiziert, weshalb sie schuldunfähig ist.
- Das Gericht verurteilte sie zu einer Geldstrafe und ordnete eine ambulante Therapie an.
«Das ist eine verrückte Geschichte, die man kaum glauben kann. Ich greife doch nicht einfach Leute an. Das mache ich nicht», versicherte die Beschuldigte am Mittwoch in Muttenz vor dem Strafgericht. Die 68-Jährige wurde unter anderem wegen mehrfacher Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, mehrfacher einfacher Körperverletzung und mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führerausweises angeklagt. Das Gericht verurteilte sie zu einer ambulanten Behandlung und einer unbedingten Geldstrafe. Die Strafe fiel milder aus, als von der Staatsanwaltschaft verlangt.
Gemäss Anklageschrift soll die pensionierte Frau am 24. April 2020 zwei Polizisten bei einer Geschwindigkeitskontrolle in ihrer Arbeit behindert haben, stellte ihren Fiat 500 quer auf die Strasse vor das Lasergerät und begann, die Beamten lautstark zu beschimpfen. Als sie sich geweigert habe, sich einer Personen- und Fahrausweiskontrolle zu unterziehen, eskalierte die Situation. Die Beschuldigte wurde aus dem Auto gezogen, verhaftet und zum nächsten Polizeiposten gebracht. Dagegen habe sie sich lautstark und körperlich gewehrt. Zwei Polizisten wurden verletzt. Ein Alkoholtest bei der Beschuldigten habe einen Wert von 0.62 Promille ergeben.
Sie glaubte, die Polizeikontrolle sei inszeniert
Nach dem Beiziehen eines Notfallpsychiaters sei die Frau daraufhin im Rahmen einer Fürsorgerischen Unterbringung in die Psychiatrie Baselland eingewiesen worden. Sie selbst sieht den beschriebenen Tathergang vor drei Jahren aber ganz anders. Die Polizisten hätten sie gewaltsam aus dem Auto gezerrt und übel beschimpft. Man müsse die Beamten an den Lügendetektor anhängen, verlangte sie vor Gericht.
«Die Beschuldigte leidet unter wahnhafter Störung und schädigendem Gebrauch von Alkohol», führte Psychiaterin Simone Hänggi vor Gericht als Sachverständige aus. Dies stehe im direkten Zusammenhang mit dem Delikt. «Dieser Wahn dreht sich um die Machenschaften der Polizei. Diese beziehen sich speziell auf die Beschuldigte», so die Chefärztin der Psychiatrie Baselland weiter.
Im Moment der Geschwindigkeitskontrolle sei die Angeklagte davon ausgegangen, dass das Zusammentreffen extra inszeniert worden sei und dass die Polizei keine Berechtigung habe, sich da aufzuhalten, sagt Hänggi. Dies dürfte auch erklären, warum die Frau nachträglich trotz Billett-Entzug weiterhin mit dem Auto unterwegs war. «Die Kontrolle war aus ihrer Seite nicht rechtens. Somit durfte der Ausweis auch nicht entzogen werden», schlussfolgert Hänggi. Dass sie ohne Führerausweis weiterhin Auto gefahren war, gestand sie dann auch ein, ebenso den Selbstunfall im März 2021.
Corona-Zeit verschlimmerte ihren Argwohn
«Es ist ein ungewöhnlicher Fall», räumt Verteidigerin Desirée Stutz ein. Ihre Mandantin fühle sich als Opfer des Systems. Die Corona-Zeit habe zu noch mehr Argwohn geführt. Weiter sei der Billett-Entzug nicht rechtmässig erfolgt, da der Wert des Alkoholtests nicht bewiesen werden konnte. Auch verlangte die Verteidigerin, dass die beschlagnahmten Fahrzeuge der Frau wieder ausgehändigt werden.
Das Gericht verurteilte die Beschuldigte zu einer unbedingten Geldstrafe von 1500 Franken. Von den Verfahrens- und Gerichtskosten von Knapp 23’000 Franken muss die Rentnerin nur ein Siebtel tragen. In den meisten Punkten, besonders die der Anschuldigungen vom April 2020, orientierte sich das Gericht an der erstellten Diagnose der Wahnerkrankung und sprach die Frau infolge Schuldunfähigkeit frei.
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Vanessa Travasci (vt) ist seit 2023 Teil des Entertainment-Teams von 20 Minuten. Sie liebt es, Menschen zu unterhalten – am liebsten mit einer Portion Selbstironie.
