Verdacht auf InsiderwissenMünzchef machte als «Ronnie_75» dubiose Geschäfte auf Ricardo
Der Verkauf der Sondermünze «Platinum» im Januar 2022 machte auf dubiose Geschäfte der Swissmint-Angestellten aufmerksam: Sie sollen ihr Insiderwissen ausgenutzt und Sondermünzen aus dem eigenen Haus auf Ricardo.ch versteigert haben.
Darum gehts
- Swissmint-Angestellte sollen ihr Insiderwissen ausgenutzt und Sondermünzen aus dem eigenen Haus auf Ricardo.ch zu einem saftigen Aufpreis verkauft haben.
- Der Verkauf der Sondermünze «Platinum» machte auf die dubiosen Nebengeschäfte der Schweizer Münzpräger aufmerksam.
- Ein Sammler namens «Ronnie_75» hat die Sondermünze bereits wenige Stunden nach Verkaufsstart auf Ricardo.ch gelistet. Hinter dem Profil steht Ronnie Mocker, der Geschäftsführer von Swissmint.
In der Schweizer Münzprägestätte Swissmint werden zwielichtige Geschäfte geführt: Hier prägen die Angestellten nicht nur die Münzen für den Schweizer Zahlungsverkehr, sondern gehen auch noch dubiosen Nebengeschäften nach – und verdienen sich dabei ein goldenes Näschen. Sie erwerben als Privatpersonen seltene Sondermünzen aus dem eigenen Haus und verkaufen diese später mit Gewinn weiter, wie «Blick» berichtet.
Die Angestellten von Swissmint hätten ihr Insiderwissen genutzt, um direkt nach Verkaufsstart der Sondermünzen im hauseigenen Webshop ein paar Exemplare für sich selbst zu ergattern. Damit hätten sie den freien Wettbewerb verzerrt. Andere Sammlerinnen und Sammler gehen oft leer aus oder müssen die heiss begehrten Münzen zu einem saftigen Aufpreis erwerben.
Der Preis der Münze stieg auf 4000 Franken
Der Verkauf der Sondermünze «Platinum» machte auf die Nebengeschäfte der Schweizer Münzpräger aufmerksam. Swissmint brachte im Januar 2022 zum ersten Mal eine Münze aus Platinum heraus. Die auf 999 Stück limitierten Münzen wurden zu einem Ausgabepreis von 799 Franken im eigenen Webshop verkauft. Wie beim Verkauf von Sondermünzen üblich, stiess auch die Sondermünze «Platinum» auf hohe Beliebtheit. Aufgrund der hohen Nachfrage sei der Server beim Verkaufsstart zusammengebrochen – die Münzen seien dennoch bereits nach kurzer Zeit ausverkauft gewesen.
Dies wirkte sich auf den Preis der heiss begehrten Münzen aus: Innert weniger Stunden stieg dieser auf 2500 Franken an, mittlerweile stehen auch bereits Münzen für 4000 Franken zum Verkauf.
Nachdem der Webshop leergeräumt worden war, versuchten leer ausgegangene Sammlerinnen und Sammler ihr Glück auf Ricardo.ch, das wie 20 Minuten zur TX Group gehört. Einem Sammler, der sich bei «Blick» gemeldet hat, ist dabei das Profil «Ronnie_75» aufgefallen. Dieser verkaufte ein Exemplar der Sondermünze «Platinum» bereits wenige Stunden nach Verkaufsstart für 2500 Franken auf Ricardo. Die Profilangaben verweisen auf Ronnie Mocker, den Geschäftsführer von Swissmint. Daher stellte sich dem aufmerksamen Sammler die Frage, ob dabei alles mit rechten Dingen zuging.
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«Ich sehe im Rückblick, dass dies kein gutes Signal gesendet hat»
Wie sich durch Nachforschungen des «Blick» herausstellte, gehört das besagte Profil tatsächlich Ronnie Mocker. Der Geschäftsführer von Swissmint versichert jedoch, dass er keinen privilegierten Zugang hatte. Er erkenne jedoch das Problem: «Ich sehe im Rückblick, dass dies kein gutes Signal gesendet hat und unklug war. Deshalb bedaure ich den Kauf und insbesondere den Weiterverkauf», erklärt er gegenüber «Blick». Aus diesem Grund wolle er den Gewinn nun der Krebsliga spenden.
Doch Ronnie Mocker war demnach nicht der einzige Swissmint-Angestellte, der mit dem Weiterverkauf der Sondermünze «Platinum» Profit gemacht habe – mindestens drei weitere Kollegen hätten eine Sondermünze im überlasteten Webshop ergattern können. Die Swissmint-Presseverantwortlichen versichern, dass die Angestellten keinen privilegierten Zugriff gehabt hätten. Um solche Anschuldigungen künftig zu vermeiden, solle den Angestellten der Weiterverkauf untersagt werden: «Rückblickend war der Weiterverkauf ungeschickt und nach kritischem Hinterfragen auch unangemessen. Die Swissmint-Mitarbeitenden werden darauf hingewiesen, dass sie dies künftig unterlassen sollen», so die Swissmint-Presseverantwortlichen.
Mitte-Nationalrat Marco Romano zweifelt jedoch an den Aussagen von Swissmint: «Trotz der Verkaufsbeschränkung auf eine Münze pro Nutzer gab es Personen, die kurz nach Ausgabe mehrere Exemplare derselben Münze zum Verkauf angeboten haben.»
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