Im SommerTV-Blackout bei WM? Italiens Weltmeister wehren sich
Bald startet die Frauen-WM in Neuseeland und Australien. Während das Turnier in der Schweiz zu sehen sein wird, droht in anderen Ländern der Blackout.
Darum gehts
- Im Sommer findet in Neuseeland und Australien die Frauen-WM statt.
- In Deutschland, Italien und Co. ist derzeit noch unklar, ob und wo die Weltmeisterschaft übertragen wird.
- Nun melden sich Italiens Weltmeister zu Wort.
In weniger als zwei Monaten ist es so weit. Dann findet vom 20. Juli bis 20. August 2023 in Neuseeland und Australien die Frauen-WM statt. Die Schweiz trifft in Gruppe A auf Neuseeland, die Philippinen und Norwegen.
Während bei uns das SRG umfassend über das Turnier berichtet, schauen Fans aus anderen Ländern zum aktuellen Zeitpunkt in die Röhre. So ist in Grossbritannien, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich unklar, ob und wo die Weltmeisterschaft übertragen wird. Ausgerechnet also bei Mitfavoriten auf den Titel droht ein TV-Blackout. Für Fifa-Boss Gianni Infantino ist dies «ein Schlag ins Gesicht all der grossartigen Spielerinnen und aller Frauen weltweit».
Italiens Weltmeister wollen die WM schauen
In Italien setzen sich nun die Weltmeister-Stars der Männer für die Frauen-WM ein. In kurzen Videos, die 20 Minuten vorliegen, wenden sich Andrea Pirlo, Luca Toni, Marco Materazzi, Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta an die TV-Sender. «Als Italiener und Weltmeister mit Italien möchte ich das Frauen-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft im Fernsehen verfolgen», sagt Pirlo.
Ex-Bayern-Star Toni meint: «Leute, lasst uns nicht scherzen. Ihr kauft nicht die Rechte für die Frauen-WM? Das geht nicht.» Er wolle diese Weltmeisterschaft unbedingt sehen, weil er sich in die Spielerinnen von 2019 verliebt habe – sie seien wirklich spektakulär gewesen. «Also will ich die Frauen-WM auf jeden Fall im Fernsehen sehen!» Italien erreichte bei der letzten WM den Viertelfinal.
«Lasst uns diese Rechte erwerben»
Marco Materazzi meint: «Die Sichtbarkeit, die ein solcher Wettbewerb bietet, ist fantastisch. Ich finde es absurd, dass wir die Frauen-WM nicht sehen können.» Es sei immer noch eine Weltmeisterschaft, es gebe Leute, die davon träumen würden, sie zu spielen und daran teilnehmen zu können. Materazzi, der appelliert: «Lasst uns diese verflixten Rechte erwerben.»
Cannavaro und Zambrotta sind der gleichen Meinung. «Ich denke, das Frauen-Nationalteam hat es auf jeden Fall verdient, denn es sind aussergewöhnliche Spielerinnen. Und wir, die zu Hause bleiben, würden sie gerne sehen», meint Erstgenannter. Zambrotta: «Ich habe eine Weltmeisterschaft gewonnen, und ich kann euch sagen, dass es wichtig war, dass alle unsere Fans in Italien uns gesehen und vor allem unterstützt haben.»
So viel bieten Italien, Deutschland und Co.
Die ARD und ZDF haben gemäss dem «Kicker» für die Übertragungsrechte der Fussball-WM in Katar 2022 rund 214 Millionen Franken gezahlt. Für die Weltmeisterschaft im Sommer bieten die deutschen Sender nun etwa fünf Millionen Franken.
Italien bietet noch weniger. Gerade mal eine Million Franken wert ist den italienischen Sendern das Recht, die Spiele der Frauen-WM zu übertragen. Das Turnier ohne Teilnahme Italiens im letzten Winter liessen sich die TV-Sender noch 160 Millionen Franken kosten. Grossbritannien bietet knapp acht Millionen Franken für die Übertragungsrechte. Welche Summen Frankreichs und Spaniens TV-Sender bieten, ist nicht genau bekannt.
Freust du dich auf die Frauen-WM?
TV-Einnahmen fliessen direkt in Frauenfussball
Die Frauen-EM im letzten Jahr war derweil ein riesiger Quoten-Hit. Die Live-Übertragung des Finals zwischen Deutschland und England (1:2 nach Verlängerung) war in unserem Nachbarland mit 17,952 Millionen Zuschauenden die am meisten gesehene Fernsehsendung des gesamten Jahres. Und auch in Grossbritannien schauten den Final über 17 Millionen Menschen. Ein Rekord.
Bei den aktuellen TV-Verhandlungen wurde die Fifa nun aber vor allem in Deutschland harsch kritisiert. Die «Bild» schrieb etwa: «Der gierige Infantino sollte sich schämen.» Auch mehrere Nationalspielerinnen Deutschlands meldeten sich zu Wort.
Die Fifa und Präsident Infantino bekräftigen aber, dass sämtliche TV-Einnahmen direkt in den Frauenfussball fliessen würden. Zudem hebt der Fussball-Weltverband bei der kommenden Frauen-WM seine Zahlungen (Prämien und Organisationskosten) um ein Drittel von 2019 auf rund 139 Millionen Franken an.
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Nils Hänggi (nih) ist seit 2019 bei 20 Minuten. Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball.
