Schweizer Airlines«Veraltet und diskriminierend» – Flugpersonal verurteilt Kleiderregeln scharf
Die Fluglinie Vueling wurde wegen ihrer Kleidervorschriften für Frauen bestraft. Schweizer Fluggesellschaften kennen ähnliche Regeln. Gewerkschaft und Personal üben Kritik.
Darum gehts
- Die Schmink- und Kleiderregeln von Vueling hatten für die Airline Folgen.
- Die Fluggesellschaft muss eine Strafe in der Höhe von 30’000 Euro bezahlen.
- Die Swiss und Edelweiss haben ebenfalls Uniformreglemente. Beide kennen zum Beispiel eine Lippenstift-Pflicht.
- Die Gewerkschaft Kapers und Flugbegleiterinnen kritisieren die Vorschriften.
Schuhe mit fünf bis acht Zentimeter hohen Absätzen, «zurückhaltender» Farbton beim Lippenstift und schwarze Wimperntusche: Der Airline Vueling wurde kürzlich wegen Diskriminierung bei Schmink- und Kleidungsregeln von einer katalanischen Arbeitsaufsichtsbehörde eine Strafzahlung von 30’000 Euro aufgebrummt. Auch Schweizer Fluggesellschaften kennen solche Vorschriften.
Das gilt bei Schweizer Airlines
Bei der Swiss gibt es klare Vorgaben bezüglich Kleidung, Frisur, Schmuck und Make-up. Für Flugbegleiterinnen gibt es beispielsweise eine Lippenstift- und Strumpfhosen-Pflicht. Auch die Edelweiss hat ein Uniformen-Reglement. Darin sei etwa definiert, welche Schuhe zur Uniform passen und welches persönliche Erscheinungsbild man von den Mitarbeitenden erwarte. «Frauen müssen Lippenstift in Uniformrot und Lidschatten tragen», sagt Sprecher Andreas Meier. Bei Männern sei Make-up hingegen nicht zulässig.
«Nicht zeitgemäss» findet Gewerkschaft
Die Schweizer Gewerkschaft des Kabinenpersonals Kapers unterstützt den Entscheid der katalanischen Aufsichtsbehörde. Solche Vorschriften seien in der Airline-Branche auch heute noch eher die Regel als die Ausnahme. «Auch bei Schweizer Airlines gelten aus unserer Sicht leider Reglemente, die nicht mehr zeitgemäss sind. Der Gleichstellung und Inklusion werden diese nicht gerecht», sagt Sprecher Jörg Berlinger. Deshalb setze man sich aktiv für eine Anpassung der Kleidervorschriften ein. Es sei Zeit für eine Veränderung: «Wir brauchen eine Liberalisierung von solch rigorosen Uniform- und Styling-Regeln.»
Auch Personal übt Kritik
«Einige der Regeln sind veraltet und diskriminierend», findet eine Swiss-Mitarbeitende (29). Sie arbeitet seit einigen Jahren beim Unternehmen. «Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.» Weiterhin störe sie sich jedoch zum Beispiel am Lippenstift. Damit ist sie nicht alleine. Wie eine Flugbegleiterin einer Schweizer Airline erzählt, hätten viele Probleme mit dem Lippenstift. «Einige hassen es, ihn aufzutragen. Damit sie ihrer Arbeit nachkommen können, müssen sie das aber.» Zum Job der Flugbegleiterin gehöre das Schminken auch heute noch dazu.
Dem stimmt L.E.* (33), Maître de Cabine bei der Swiss, zu. Sie findet die Kleider- und Schminkvorschriften hingegen nicht nur sinnvoll, sondern wichtig. «Wir repräsentieren die Airline und diese will, dass wir elegant und gepflegt aussehen.» Wie sie glaubt, machen das die meisten Frauen, die in diesem Job arbeiten, auch gerne. Laut E. gibt es andere Maître de Cabine, die Flugbegleiterinnen nicht auf den Flug liessen, wenn sie nicht alle Regeln akribisch einhalten. «Das finde ich hingegen total übertrieben.» Selbst weise sie die Personen freundlich darauf hin, dass sie gegen das Reglement verstossen. «So haben sie die Möglichkeit, es bis zum nächsten Mal anzupassen.»
So begründen Airlines die Reglemente
Die Edelweiss begründet das Uniform-Reglement mit ihrem Image. Dieses und das damit einhergehende Vertrauen ins Unternehmen werde wesentlich durch das Erscheinungsbild der Mitarbeitenden geprägt. Bei der Swiss ist der Grund für die Vorschriften laut Sprecherin Karin Montani, dass die Gäste und das Unternehmen grossen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild der Crews legen. Das Reglement werde aber regelmässig überarbeitet. «Wir wollen den verändernden Bedürfnissen und gesellschaftlichen Trends Rechnung tragen.» Seit 2021 sind deshalb neue Frisuren wie zum Beispiel der Man-Bun erlaubt. «Auch aktuell sind diverse Anpassungen in Prüfung. Dazu machen wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keine weiteren Angaben.»
*Name der Redaktion bekannt
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Lynn Sachs (sac) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Seit November 2025 ist sie stellvertretende Leiterin im Ressort News, Wirtschaft & Videoreportagen.

