SRK nach Rücktritt von Präsidentin: Wer übernimmt?

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Schweizerisches Rotes KreuzScherbenhaufen mit toxischem Klima – Sommaruga solls richten

Ein Jahr war Barbara Schmid-Federer Präsidentin beim SRK. Am Freitag gab sie per sofort ihren Rücktritt bekannt. Wer die Nachfolge antritt, ist noch nicht bekannt. Doch eine Idee gibt es.

Darum gehts

  • Am Freitag ist SRK-Präsidentin Barbara Schmid-Federer per sofort zurückgetreten. 
  • Sie hat gemäss Recherchen der «SonntagsZeitung» einen grossen Scherbenhaufen hinterlassen.
  • Beim SRK herrsche ein toxisches Klima.
  • Eine könnte es richten: Simonetta Sommaruga.

Das grösste Schweizer Hilfswerk kommt nicht zur Ruhe. Am Freitag trat die stark kritisierte Präsidentin Barbara Schmid-Federer aus gesundheitlichen Gründen per sofort zurück. Wie Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigen, ist der Scherbenhaufen gross. Finanziell schlägt die interne Krise besonders bei Neuspenderinnen ein: Beim letzten Aufruf im März überwiesen lediglich drei Prozent der Mailempfänger dem Roten Kreuz einen Beitrag. Vor einem Jahr waren es über fünf Prozent. Auch die Durchschnittsspende ist gesunken.

Unter dem Zerwürfnis der SRK-Führung leiden zudem viele der 500 Mitarbeitenden der Geschäftsstelle in Bern. Zwei Whistleblowing-Meldungen, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, zeugen von einem toxischen Klima. Angestellte würden von einem Vorstandsmitglied verunglimpft, disqualifiziert und blossgestellt. «Andere Meinungen, auch fachlicher Natur, gelten im SRK nicht mehr», schreibt eine Person. Und auch bei den SRK-Rettungsorganisationen herrscht dicke Luft – eine droht gar mit der Abspaltung.

Und wer soll den offenen Präsidenten-Posten übernehmen? Simonetta Sommaruga. Gemäss Recherchen der «NZZ am Sonntag» (Bezahl-Artikel) würden einflussreiche Kreise aus dem Umfeld des Hilfswerks versuchen, die Alt-Bundesrätin als neue Präsidentin zu gewinnen. Mehrere Quellen hätten dies bestätigt, Sondierungsgespräche hätten zudem bereits stattgefunden. Dabei soll Sommaruga zumindest nicht ganz abgeneigt gewesen sein. Mitte-Fraktionschef Matthias Bregy aber glaubt: «Eine ehemalige Bundesrätin als Präsidentin wäre ein sehr positives Zeichen.» Sommaruga selbst hat sich dazu noch nicht geäussert.

IKRK will Hilfe von der Schweiz

Das in finanzielle Schieflage geratene Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat die Schweiz um Hilfe gebeten. «Das Aussen- und das Finanzdepartement führen derzeit Gespräche mit dem IKRK, um die aktuellen und künftigen Herausforderungen in Bezug auf die finanzielle Lage des IKRK zu erörtern», bestätigt das Aussendepartement EDA gegenüber der «SonntagsZeitung». Dabei geht es auch um ein Covid-Darlehen in der Höhe von 200 Millionen Franken, das die Schweiz 2020 dem IKRK gewährt hat. Nun steht zur Disposition, ob dieses noch wie geplant zurückgezahlt werden muss.
Die Schweiz ist die drittwichtigste Geldgeberin des IKRK. Im letzten Jahr belief sich der Beitrag auf 166 Millionen Franken. Die Hilfsorganisation mit Sitz in Genf hat kürzlich bekannt gegeben, dass wegen finanzieller Schwierigkeiten 400 Millionen Franken eingespart werden müssen und weltweit 1800 von rund 20’000 Mitarbeitenden ihren Job verlieren.

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Yasmin Rosner (roy), Jahrgang 1980, arbeitet seit 2017 für 20 Minuten im Newsdesk als Nachtschicht vom Ausland aus.

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