Bundesrätin im Interview«Die CS hätte den Montag nicht überlebt» – Keller-Sutter kontert Kritik
Finanzministerin Keller-Sutter ist überzeugt davon, dass die jetzige Lösung die beste aller Varianten sei. Man habe damit die Situation stabilisieren können.
Darum gehts
- Die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS sei laut Keller-Sutter die beste Variante gewesen.
- Sie zeigt Verständnis dafür, dass viele «eine Wut im Bauch haben».
- Die Forderungen nach einer Abspaltung des Schweizer Teils der CS als eigenständige Bank hält die Bundesrätin für «hochriskant».
Die UBS hat am Sonntagabend dem Kauf der Credit Suisse zugestimmt. Sie bezahlt für die angeschlagene Bank rund drei Milliarden Franken. Die Schweizerische Nationalbank unterstützt die Übernahme mit einer Liquiditätshilfe von 100 Milliarden Franken an beide Banken. Um allfällige Risiken für die UBS zu reduzieren, spricht der Bund der UBS zudem eine Garantie im Umfang von neun Milliarden Franken zur Übernahme von möglichen Verlusten aus. Der Niedergang der einst stolzen Grossbank sorgt in der Schweiz für Wut und Unverständnis. Auch, dass der Bund mit Finanzhilfen einspringen muss, ist Gegenstand von hitzigen Diskussionen.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter (FDP) zeigt in einem Interview mit der NZZ Verständnis für die Personen, die ihren Ärger kundtun. «Dass viele eine Wut im Bauch haben, verstehe ich gut», sagt die Bundesrätin. Man habe alle möglichen Optionen «gründlich überprüft». Keller-Sutter ist überzeugt davon, dass die jetzige Lösung die beste aller Varianten sei. Man habe damit die Situation stabilisieren können.
Gesamtbundesrat wurde Anfang Februar über Notfallszenarien orientiert
«Die Credit Suisse hätte den Montag nicht überlebt. Ohne eine Lösung wäre der Zahlungsverkehr mit der CS in der Schweiz erheblich gestört worden, möglicherweise gar zusammengebrochen, Löhne und Rechnungen hätten nicht mehr bezahlt werden können. In der Schweiz wäre es zu gewaltigen volkswirtschaftlichen Verwerfungen gekommen», sagt die Finanzministerin.
Wäre es zu einem ungeordneten Konkurs gekommen, wäre laut Fachleuten mit Schäden von 100 bis 200 Prozent der Schweizer Wirtschaftsleistung gerechnet worden. Zudem hätte ein CS-Zusammenbruch auch andere Schweizer Banken in den Abgrund gerissen und es hätte weltweit mit einer Finanzkrise gerechnet werden müssen. Sie habe den Gesamtbundesrat bereits Anfang Februar über die Notfallszenarien orientiert. Das sei zu diesem Zeitpunkt jedoch noch eine theoretische Übung für einen Fall, der hoffentlich nicht eintreten würde, gewesen.
Kein Druck aus dem Ausland
Auf die Frage, ob es Druck aus dem Ausland gegeben habe, antwortet Keller-Sutter: «Ich spürte in den Gesprächen mit meinen Kolleginnen und Kollegen vielmehr enorme Besorgnis. Und die Erwartung, dass die Schweiz das Problem mit der CS rasch in den Griff bekommt.»
Dass ein Untergang der Credit Suisse «gröbste internationale Verwerfungen auf den Finanzmärkten auslösen würde», sei allen klar gewesen, auch dem Bundesrat selbst. Deshalb habe es gar keinen Druck von anderen Ländern gebraucht. «Wir wussten selber, dass wir handeln müssen», sagt die FDP-Bundesrätin.
«Auch der Bundesrat musste da durch»
Die Credit Suisse galt in der Schweiz als «too big to fail», die neue Superbank UBS gilt nun sogar als «bigger to fail». Diesen Umstand müsse man laut Keller-Sutter «noch vertieft anschauen». Sie weist darauf hin, dass die regulatorischen Vorschriften auch für die UBS gelten. Sie sei froh, dass die UBS einen Rückbau der Investmentbank anstrebe, die sie mit dem Kauf der CS übernimmt. «Wir haben zudem einen funktionierenden Bankenplatz. Kundinnen und Kunden der CS werden nicht alle zur UBS gehen», ist sich die Finanzministerin sicher.
Die Forderung aus ihrer eigenen Partei und weiteren Kreisen, den Schweizer Teil der Credit Suisse als eigenständige Bank abzuspalten, hält Keller-Sutter für gefährlich. «Die ausgehandelte Übernahme mit neuen Bedingungen zu gefährden und in diesem Stadium zu stören, wäre hochriskant – mit allen erwähnten Folgen für die Schweizer Volkswirtschaft und die internationalen Finanzmärkte. Das ist unschön, auch der Bundesrat musste da durch, aber das ist die Realität», sagt sie.
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Jonas Bucher ist Blattmacher stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
