«Zeuginnen wurden nicht befragt» – Patrizia Laeri ist über Bericht verärgert

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Sexueller Übergriff«Zeuginnen wurden nicht befragt» – Patrizia Laeri ist über Bericht verärgert

Nach Patrizia Laeris Vorwürfen der sexuellen Belästigung hat eine Fachstelle den Fall untersucht. Die Anschuldigungen könnten nicht bestätigt werden, so das Ergebnis. Laeri spricht von «schweren Verfahrensmängeln».

Darum gehts

  • Patrizia Laeri (45) machte einen persönlichen Fall von sexueller Belästigung während eines Praktikums bei SRF publik.
  • Eine externe Fachstelle wurde mit der Untersuchung der Vorfälle beauftragt. 
  • Mit dem Ergebnis des am Dienstag veröffentlichten Teilberichts ist Laeri nicht zufrieden.

Patrizia Laeri doppelt nach – und macht nun der externen Fachstelle, die mit der Untersuchung eines Vorfalls von sexueller Belästigung beauftragt war, schwere Vorwürfe. «Ich gehe von schweren Verfahrensmängeln bei der Untersuchung aus und habe bereits ein Gesuch um Akteneinsicht gestellt, um den Bericht und das Verfahren juristisch prüfen zu lassen», schreibt die ehemalige SRF-Moderatorin in einem Statement an 20 Minuten.

So seien im Rahmen der Untersuchung beispielsweise unter anderem Zeuginnen, die Laeri benannt habe, nicht befragt worden, gibt die 45-Jährige an. «Sobald ich den Bericht geprüft habe, werde ich informieren.»

«Sexuelle Belästigung kann nicht bestätigt werden»

Am Dienstag hatte die Fachstelle das Ergebnis ihrer Ermittlungen bekannt gemacht: «Eine sexuelle Belästigung kann laut Fachstelle nicht bestätigt werden», hiess es darin. In diesem Zusammenhang seien nach Angaben der Fachstelle «keine weiteren Massnahmen nötig».

Beim Vorfall handelt es sich um einen sexuellen Übergriff, den Laeri während ihres Praktikums bei SRF erlebt haben soll. Das SRF äusserte sich zum Resultat der Fachstelle: «Laut Untersuchungsbericht konnte die externe Fachstelle aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Befragten nicht abschliessend klären, wie sich das damalige Treffen vor 20 Jahren abgespielt hat und wie es überhaupt dazu gekommen ist.» Bei der Befragung habe sich zudem herausgestellt, dass sich der Vorfall nicht am Arbeitsplatz ereignet habe.

Nach Patrizia Laeri meldeten sich weitere Personen

Nach Laeris Vorwürfen meldeten sich fünf weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gegenüber derselben Person Anschuldigungen äusserten. Während drei dieser Meldungen bereits abschliessend untersucht wurden, seien zwei Hinweise bei der externen Stelle zur Untersuchung noch hängig. Der Sender hält allerdings klar fest: «Keiner dieser fünf weiteren Vorwürfe bezieht sich auf sexuelle Belästigung.»

Weitere Opfer hätten noch bis zum 6. April die Möglichkeit, sich bei der beauftragten Institution zu melden. Ob und welche Konsequenzen nach dem Bericht folgen, ist bisher noch unklar. Das finale Ergebnis soll zu gegebener Zeit nochmals kommuniziert werden. Bereits zu Beginn betonte die Chefetage im Leutschenbach: «Bei SRF gilt bei sexueller Belästigung und bei sexistischem Verhalten Nulltoleranz.»  

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?
Hier findest du Hilfe:
Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Verzeichnis von Anlaufstellen
Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.

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