Falsche Polizisten«Im Hintergrund schluchzt eine Person, so wird der emotionale Druck immens»
Hunderttausende von Franken erbeuten Betrüger, die sich als Polizisten ausgeben. Die Maschen werden dabei immer fieser. Die Polizei gibt Tipps, wie man das verhindern kann.
Darum gehts
- Telefonbetrüger sind derzeit sehr aktiv.
- Sie geben sich als Polizisten aus und überrumpeln Opfer mit Schockanrufen.
- In Zug erbeuteten Betrüger innerhalb eines Monats fast 400’000 Franken, im Kanton Aargau seit Anfang Jahr 800’000 Franken.
- Die Polizei gibt Tipps, wie man sich und sein Umfeld schützen kann.
In Zug haben falsche Polizisten innerhalb eines Monats rund 394’000 Franken erbeutet. In Luzern waren es bei zwei Fällen dieses Jahr jeweils mehrere Zehntausend Franken. «Allein seit anfangs Jahr haben Telefonbetrüger im Aargau über 800'000 Franken erbeutet und sind aktiver denn je», teilte die Kantonspolizei Aargau kürzlich mit.
Falsche Polizisten gehen sehr geschickt vor
«Die Betrüger sind momentan sehr aktiv», sagt Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Polizei. «Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer bei solchen Fällen nicht klein sein dürfte», so der Sprecher weiter. «Das ist bei uns sehr aktuell. Die Luzerner Polizei erhält manchmal innerhalb einer Stunde zwischen 30 und 40 Anrufe diesbezüglich», sagt auch Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft.
«Die Telefonbetrüger sind äusserst gut organisiert», sagt Kleiner. Trotz ständiger Sensibilisierung sind sie immer wieder erfolgreich. «Wenn die Bevölkerung genügend gewarnt oder abgestumpft ist, dann lassen sie sich etwas Neues einfallen», so Kleiner. Bekannt sind etwa Enkeltrick-Betrüger und Anrufe von falschen Polizisten. Eine neuere Masche sind Schockanrufe durch angebliche Polizisten. Mögliches Szenario: Eine Enkelin der angerufenen Person verursachte einen Verkehrsunfall. Für weitere Untersuchungen oder eine Kaution fordern vermeintliche Polizisten einen hohen Geldbetrag. «Am Telefon hören Opfer im Hintergrund eine schluchzende Person. So wird der emotionale Druck immens erhöht.»
Das kannst du tun
Ständige Sensibilisierung auf Telefonbetrug
Die Täter scheinen gemäss Kleiner psychologisch geschult: «Sie wissen genau, was sie sagen müssen. Sie bauen so starken Druck auf, dass man sich gar nicht wehren kann. Die Opfer sind nicht einfach naiv: Sie merken manchmal gar nicht, wie sie eingelullt werden», so Kleiner. Mit jeder Minute am Telefon werde der Druck grösser. «Deshalb sollen Angerufene solche Gespräche sofort beenden und sich bei Angehörigen direkt vergewissern, wie es ihnen geht.» Im Zweifelsfall soll man die Polizei kontaktieren.
Die Telefonbetrüger sitzen meist im Ausland. «Die Hinterleute tauchen nicht selbst bei den Geschädigten auf, um Geld zu holen», sagt Kleiner. Werden Betrüger festgenommen, sind das «Botenläufer». An die Strippenzieher heranzukommen, benötige «lange und anspruchsvolle Ermittlungen».
Wichtig sei eine ständige Sensibilisierung. Insbesondere jüngere Personen sollen Eltern, Grosseltern und Verwandte aufklären. «Niemand ist vor solchen Betrugsversuchen gefeit. Man sollte das deshalb immer wieder zum Thema machen», sagt Kleiner. Eine weitere Möglichkeit sei, dass man seine Nummer aus dem Telefonbuch löschen lässt. Oder: Man lässt bei der Bank eine Bezugslimite einrichten, damit ein möglicher Schaden begrenzt wird.
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