Fabio Zingg: «So etwas erlebt man nur einmal im Leben»

Aktualisiert

Alpsteingebirge«So etwas Majestätisches erlebt man nur einmal im Leben»

Der 23-jährige Thurgauer Fabio Zingg ist seit fast zehn Jahren passionierter Fotograf. Er machte sein Hobby zum Beruf. Vor kurzem gelang ihm das Foto seines Lebens.

Darum gehts

  • Fabio Zingg ist 23 Jahre alt und verdient seinen Lebensunterhalt als Fotograf.
  • Vor wenigen Wochen gelang ihm eines der schönsten Bilder seines Lebens. 
  • Der Thurgauer hat noch grosse Ziele und möchte irgendwann Foto-Workshops im Ausland anbieten.

Angefangen hat alles in der Lehre zum Bankkaufmann. Der 23-jährige Thurgauer Fabio Zingg legte sich ein neues Hobby zu – Wandern in den Bergen. Um die Schönheit der Schweizer Natur einzufangen, begleitete ihn stets eine Kamera. Später kam dann auch noch eine Drohne dazu.

Der 23-Jährige ist inzwischen so erfolgreich, dass er seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie verdient. Zingg ist Mitglied des Fotografen-Kollektivs «The Alpinists». «Wir sind ein Kollektiv von elf Freunden, die sich alle für Fotografie, Reisen und Abenteuer begeistern», beschreiben sich «The Alpinists» auf ihrer Website.

Das Kollektiv hat eine Mission

Mittlerweile sind fast zehn Jahre vergangen – und Zingg brennt immer noch fürs Fotografieren und die Berge. «Die Schweiz ist mega vielseitig, es wird einem nie langweilig», sagt der 23-Jährige auf die Frage, was ihn nach so vielen Jahren immer noch antreibt, in die Berge zu gehen. «Mittlerweile habe ich mir ein riesiges Wissen über die Schweizer Berge angeeignet. Ich möchte immer weiter Neues entdecken und bin stets auf der Suche nach dem perfekten Foto.» Im Gegensatz zu anderen Ländern und Kontinenten sind auch die vier Jahreszeiten in der Schweiz ein Segen für einen Fotografen. «Der Herbst ist ganz klar meine Lieblingsjahreszeit zum Fotografieren», so Zingg.

«Unsere Mission ist es, junge Leute in die Berge zu bringen – draussen erlebt man viel mehr.»

Fabio Zingg, Fotograf

Wandern ist in der Schweiz bei Jung und Alt im Trend. Laut einer Bevölkerungsumfrage von 2019 ist das Wandern die beliebteste Sportaktivität in der Schweiz. Rund vier Millionen Schweizerinnen und Schweizer betreiben den Sport. Zingg und die «Alpinists» wollen mit ihren Fotografien auch dazu beitragen. «Unsere Mission ist es, junge Leute in die Berge zu bringen. Man erlebt viel mehr, wenn man draussen ist und sich bewegt.»

Das Foto seines Lebens

Vor wenigen Wochen war Zingg wieder einmal in den Bergen unterwegs. Er entschied sich für eine Tour im Alpsteingebirge, beim Rotsteinpass in der Nähe des Säntis. Diese Tour sollte sich als eine der besten seines Lebens herausstellen. «Kurz vor dem Sonnenuntergang stand auf einmal dieser majestätische Steinbock vor mir.» Der 23-Jährige sei allein dort gewesen und konnte die intimen Momente mit dem Tier geniessen. «So etwas Majestätisches erlebt man nur einmal im Leben. Das Licht, die Stimmung, alles war perfekt.» Der Steinbock habe sich nicht stören lassen, er habe sogar regelrecht für die Fotos posiert.

Doch Zingg kennt auch die Gefahren, die eine solche Begegnung mit sich bringen kann. «Hätte der Steinbock Laute von sich gegeben oder in einer anderen Form negativ auf mich reagiert, wäre ich sofort gegangen.» Zingg hat sich auf den unzähligen Touren in den Alpen ein Wissen über Steinböcke angeeignet.

«Diese Spezies fasziniert mich, ich recherchiere viel darüber und habe grossen Respekt vor den Tieren.» So halte er sich auch an das strikte Drohnenverbot im Alpstein. «Steinböcke reagieren oft gestresst auf den Lärm der Drohnen. Sie werden nervös und rennen davon», erklärt Zingg.

Schutz der Gletscher ein grosses Anliegen

Der 23-Jährige fotografiert aber nicht nur in der Schweiz, er fliegt um die Welt, auf der Suche nach dem besten Foto. So durfte er auch schon Projekte im Ausland realisieren. Für den europäischen Markt der offiziellen Tourismusbehörde von Peru war er zwei Monate im südamerikanischen Land unterwegs. Gleichzeitig setzen sich Zingg und die «Alpinists» für den Schutz der Schweizer Gletscher ein.

«Ich kompensiere das, indem ich ÖV fahre und aufs Fleischessen verzichte – auch wenn das längst nicht ausreicht»

Fabio Zingg auf die Frage, wie Klimaschutz und Fliegen Hand in Hand gehen.

Klimaschutz und um die Welt fliegen – wie geht das Hand in Hand? «Das ist eine der grössten Kontroversen in der Landschaftsfotografie.» Setze man den Fokus nur auf die Alpen, entdecke man wenig andere Kulturen und Landschaften. «Ich selbst bin zu entdeckungsfreudig und kann es nicht lassen! Den CO₂-Ausstoss beim Fliegen versuche ich zu kompensieren, indem ich viel ÖV fahre und auf Fleisch essen verzichte, auch wenn das längst nicht ausreicht.», erklärt der 23-Jährige.

Zingg hat noch grosse Träume

Er selbst hat in den vergangenen zehn Jahren in den Bergen hautnah mitbekommen, wie der Klimawandel den Gletschern zusetzt. «Bei unseren Gletschern merkt man eine extreme Veränderung. Vor allem auf den Drohnenbildern wird ersichtlich, wie die Eismassen an Höhe und Breite verlieren.»

Jetzt, wo dem 23-Jährigen mit den Fotos des Steinbocks der «Shot seines Lebens» gelang, stellt sich die Frage, was für Ziele er als Fotograf noch hat. «Ich möchte unbedingt für Fotografien nach Grönland, in die Antarktis oder nach Kamtschatka (Russland) reisen.»

Ein weiteres Ziel sei es, Workshops im Ausland anzubieten. «Bisher gab ich nur Workshops in der Schweiz.» Für ihn sei es an der Zeit zu expandieren. «Abenteuer mit coolen Menschen zu erleben ist etwas vom Schönsten, was es gibt.»

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