ZürichBetroffene von Genitalbeschneidung sollen besser geschützt werden
Der Kanton Zürich schafft eine Anlaufstelle für betroffene und gefährdete Frauen von Genitalbeschneidung. Das Angebot startet im Januar 2024.
Darum gehts
- Schätzungen zufolge leben schweizweit 22’000 Mädchen und Frauen, die von der Genitalbeschneidung betroffen sind.
- Der Kanton Zürich schafft deshalb eine Anlaufstelle, in der die betroffenen oder gefährdeten Frauen beraten werden und Unterstützung erhalten können.
Vor fünf Jahren reichte die SVP-Politikerin Natalie Rickli im Nationalrat das Postulat mit dem Titel «Massnahmen gegen Mädchenbeschneidungen» ein. Der Bundesrat erstellte daraufhin einen Bericht, der zum Schluss kam, dass schweizweit ein Handlungsbedarf zum Thema bestehe. In der Schweiz seien schätzungsweise insgesamt 22’000 Mädchen und Frauen von der Genitalbeschneidung betroffen, 2900 davon allein in Zürich.
Der Kanton Zürich schafft deshalb nun eine Anlaufstelle für Betroffene, Gefährdete und Angehörige, um sie kostenlos zu unterstützen. Beraten lassen können sich dort aber auch Fachpersonen. Die Anlaufstelle zum Thema Genitalbeschneidung wird sich im Ambulatorium an der Kanonengasse im Zürcher Kreis 4 befinden. Ihren Betrieb nimmt sie im Januar 2024 auf.
Beratung von Betroffenen und Fachpersonen
An der Medienkonferenz von Donnerstag informierte die Gesundheitsdirektion über die Hauptaufgaben der Anlaufstelle. So erhalten direkt oder indirekt betroffene Personen von Genitalbeschneidung Informationen und eine Beratung zum Thema. Auch helfen die Mitarbeitenden der Anlaufstelle bei der Überweisung an spezialisierte Fachpersonen. Weiter soll ein Austausch mit Verbänden und Organisationen stattfinden, die in Kontakt mit Betroffenen und Kulturen dieser Praxis sind. Ebenfalls ein Schwerpunkt soll auf die Beratung und Sensibilisierung von Spitälern, Schulen, Kindertagesstätten und Asyl- und Flüchtlingsstrukturen gesetzt werden.
Geplant und konzipiert wurde die Anlaufstelle mit Expertinnen und Experten, die mit dem Thema vertraut sind. Das Expertenteam besteht aus Ärztinnen und Ärzten, dem Netzwerk gegen Mädchenbeschneidung Schweiz und Vertretern von Schulen, der Opferhilfe und der Polizei.
Betroffene entwickelte Projekt mit
Neben der Regierungsrätin Natalie Rickli und Vertretenden des Kantons sprach an der Medienkonferenz auch Sara Aduse als Betroffene. Sie wurde als Siebenjährige in Äthiopien beschnitten. In Zürich hat sie Jahre später nach Beratung zum Thema gesucht und wurde auch fündig. Leicht sei das aber nicht gewesen: «Diese Informationen sind nicht einfach zugänglich.»
Die inzwischen 31-Jährige setzt sich mit ihrer Stiftung Sara Aduse Foundation gegen weibliche Genitalbeschneidung ein und hat das Projekt von Anfang an unterstützt. Sie sei sehr dankbar für die Einrichtung der Anlaufstelle: «Es braucht auch in der Schweiz mehr Einrichtungen, die betroffenen Frauen Hilfestellungen, Werkzeuge und Wege aufzeigen, um ihre Geschichte zu verarbeiten und um sich zu schützen.»
«Do You Remember Me?»

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