FachkräftemangelDie IG Samichlaus sucht Frauen mit tiefen Stimmen
Zahlreiche Samichlaus-Zünfte leiden unter Personalmangel. Während viele Chläuse langsam zu alt werden, fehlt der Nachwuchs. Ein Lösungsvorschlag sind weibliche Chläuse.
Darum gehts
- Bei zahlreichen Samichlaus-Vereinen mangelt es an Nachwuchs, während die bestehenden Chläuse langsam zu alt werden.
- Einige Gesellschaften mussten Anfragen für Familienbesuche absagen.
- Aufgrund des Personalmangels kommen nun teilweise auch Frauen als «Schmutzli» zum Einsatz.
- Der Präsident der IG Samichlaus Schweiz findet, Frauen könnten auch den Part des Samichlaus übernehmen – wenn sie denn eine genug tiefe Stimme hätten.
- Unter den Samichlaus-Gesellschaften scheint man da jedoch gespaltener Meinung zu sein.
Es ist wieder so weit – der Samichlaus zieht durch die Strassen, verteilt Mandarinli und Nüssli und stattet vielen Familien einen Besuch ab. Doch einige Kinder dürften dieses Jahr wohl vergeblich auf den Mann mit dem weissen Bart warten.
Denn auch die Samichlaus-Vereine bleiben vom Fachkräftemangel nicht verschont. «Wir sind komplett ausgebucht und mussten einige Anfragen absagen», erzählt ein Samichlous der «Samichlouszunft Bärn». Das sei zwar schon letztes Jahr so gewesen, doch der Verein finde immer weniger Leute, die sich als Samichläuse engagieren wollten – bei einer gleichbleibenden Nachfrage. «Immer mehr der jahrelang sehr aktiven Mitglieder erreichen langsam ein Alter, in dem sie nicht mehr so viele Besuche machen mögen», so der Samichlous.
Aktion mit Jobs.ch soll neue Samichläuse anlocken
Jürg Thrier, Präsident der IG Samichlaus Schweiz, ist das Problem ebenfalls bekannt. «Einige Gesellschaften haben in der Vergangenheit neue Samichläuse nicht zugelassen, da der Bestand voll war», sagt er. Oder man habe bereits da zu wenige neue Freiwillige gefunden, welche dieses Amt gern ausleben wollten. «Nun gehen die alten Samichläuse langsam in Rente und der junge Nachwuchs oder die Mittelschicht fehlt.»
Generell sei der Nachwuchs mager, so Thrier. Viele Leute würden sich nicht mehr so stark einer Vereinstätigkeit verpflichten wollen. Einige Chlausgruppen haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: Die Samichlouszunft Bärn hat sich mit der St. Nikolaus Gesellschaft der Stadt Zürich und der Chlausengruppe St. Martin aus St. Gallen zusammengetan und in Zusammenarbeit mit der Plattform Jobs.ch eine Aktion gestartet, um neue Samichläuse anzuwerben. Darüber habe sein Verein tatsächlich ein potenzielles neues Mitglied für die Saison 2024 gefunden, so der Samichlous. Am erfolgreichsten bei der Suche nach Mitgliedern bleibe aber die Mund-zu-Mund-Propaganda im Bekanntenkreis.
Neu verkleiden sich Frauen als Schmutzlis
Gemäss der Samichlouszunft Bern gibt es aber noch ein weiteres Problem. Interessierte müssten zuerst eingearbeitet werden. Dazu begleiten sie im ersten Jahr einen Samichlaus als «Schmutzli». «Wir haben nur begrenzt Kapazität, um Interessierte anzulernen. Melden sich in einem Jahr vier Interessierte, kann es gut sein, dass wir zwei davon aufs nächste Jahr vertrösten müssen.»
Einen Lösungsvorschlag für den Samichlausen-Mangel hat Thrier. «Bei der letzten Samichlaus-Synode gab es einige Leute, die erzählten, sie würden neu auch Frauen als Schmutzli verkleiden», sagt er. Wichtig sei vor allem, dass Samichlaus und Schmutzli von den Kindern als alte Männer wahrgenommen würden. «Die Stimme spielt da eine entscheidende Rolle.» Da der Schmutzli nicht spreche, könne er gut von einer Frau verkörpert werden.
Auch Samichläuse könnten von Frauen verkörpert werden
Der Präsident der IG Samichlaus Schweiz geht aber noch weiter. «Frauen mit einer tiefen Stimme könnten auch gut die Rolle des Samichlaus übernehmen.» Gerade für ältere Verbände kommt das zwar nicht infrage, Vertreter anderer Samichlausgesellschaften seien da aber teilweise offener. «Da gehen die Meinungen auseinander. Samichläusinnen wären aber sicher eine Lösung gegen den Personalmangel», so Thrier.
Sollen Frauen als Samichläuse eingesetzt werden?
Für die Samichlouszunft Bern kommen weibliche Chläuse und Schmutzlis nicht infrage. Das Thema werde zwar im Verein immer wieder diskutiert, man komme aber stets zum Schluss, dass die Frauen zwar gleichberechtigte und wichtige Mitglieder seien, sie aber andere Rollen einnähmen. Sie helfen beim Ankleiden, Paratmachen, Schminken, Organisieren und Kochen für die Samichläuse. «Das sind genauso wichtige Aufgaben.»
