Basel«Ich dachte, es ist ein Spiel, bis der Mann zu Boden fiel»
Im Sommer 2022 attackierte ein 40-jähriger Basler den Präsidenten der französischen Zentralbank vor dem Bahnhof mit einem Hammer. Weil er im Wahn handelte, bleibt ihm das Gefängnis erspart.
Darum gehts
Am 26. Juni 2022 ging ein Mann vor dem Bahnhof SBB in Basel von hinten auf einen damals 63-Jährigen zu und prügelte mit einem Hammer auf ihn ein. Später stellte sich heraus, dass das Opfer François Villeroy de Galhau, Präsident der französischen Zentralbank und Vorsitzender der Bank für Internationalen Zahlungsaustausch (BIS), war.
Das Basler Strafgericht hat für den 40-jährigen Beschuldigten eine stationäre Massnahme in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung angeordnet. Ein Schuldspruch wegen der Attacke erging indes nicht. Er habe die versuchte vorsätzliche Tötung «schuldlos begangen», kam das Gericht zum Schluss. Beim Beschuldigten wurde eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Er bleibt vorläufig aber in Sicherheitshaft.
Der Täter stritt im Verlaufe des Verfahrens seine Schuld stets ab und machte geltend, dass ein Dritter, der nie identifiziert werden konnte, die Attacke verübt habe. Die Zeugenaussagen wiesen aber übereinstimmend auf ihn als Täter hin. «Und zwar in einer Eindeutigkeit, wie sie in Straffällen selten ist», so das Gericht. Zwei Zeugen berichteten von einem Mann, «der seine Rastas wie Bob Marley getragen hat», der die Hammer-Attacke verübt habe. Er sei einem Mann im Anzug hinterhergerannt, so ein Zeuge. «Ich dachte zuerst, es ist ein Spiel, bis der Mann zu Boden fiel.»
Psychotisch und ohne Krankheitseinsicht
Der Täter leidet schon länger an einer paranoiden Schizophrenie. Bereits 2014 war er in Behandlung. Sein damaliger Therapeut berichtete, sein Patient sei schon damals stets psychotisch gewesen und habe an einer wahnhaften Störung gelitten, habe aber keine Krankheitseinsicht gezeigt. Das war bis zuletzt so. Im Verfahren hatte er von mächtigen Leuten im Hintergrund gesprochen, an der Hauptverhandlung vermutete er gar, dass enteignete Oligarchen dahinterstecken, die ihm übel mitspielen würden.
Der 40-Jährige wird nun mindestens fünf Jahre stationär therapiert werden. Obschon er mit Diagnose und Urteil nicht einverstanden ist. Die Rückfallgefahr bei ihm sei erheblich, kam ein Gutachten zum Schluss, an dem der Beschuldigte kein gutes Haar liess. Das Gericht sagte ihm aber klar: «Die Gesellschaft hat ein wesentliches Interesse daran, dass Sie solche Taten nicht mehr begehen.»
