Patrizia Laeri: Gewerkschaft stellt sich im SRF-Fall hinter sie

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Sexueller ÜbergriffEntsetzt über SRF-Untersuchung – Gewerkschaft stellt sich hinter Patrizia Laeri

Die Anschuldigungen von Patrizia Laeri gegen einen SRF-Mitarbeiter konnten nicht bestätigt werden. Nun bekommt die Moderatorin Unterstützung von der Schweizer Mediengewerkschaft.

Darum gehts

  • Patrizia Laeri (45) machte einen sexuellen Übergriff, der in ihrem SRF-Praktikum passierte, publik.
  • Die Untersuchung einer externen Fachstelle konnte den Vorfall nicht bestätigen.
  • Die Wirtschaftsjournalistin kritisiert das Verfahren und bekommt nun Unterstützung von der Schweizer Mediengewerkschaft.

Vergangenen Februar machte Patrizia Laeri öffentlich, dass ein SRF-Mitarbeiter ihr gegenüber sexuell übergriffig wurde. Der Mann habe versucht, sie zu küssen. Die 45-Jährige absolvierte zu dieser Zeit ein Praktikum beim Sender. SRF leitete daraufhin eine Untersuchung ein, um den Vorfall zu prüfen. Am Dienstag hatte die externe Stelle das Ergebnis ihrer Ermittlungen bekannt gemacht: «Eine sexuelle Belästigung kann laut Fachstelle nicht bestätigt werden», hiess es darin. In diesem Zusammenhang sind nach Angaben der Fachstelle «keine weiteren Massnahmen nötig». Nun bekommt die 45-Jährige Unterstützung von der Schweizer Mediengewerkschaft SSM.

In einer Mitteilung schreibt der Verband, dass sich «SRF keinen Schritt hin zu ihrem eigenen Nulltoleranz-Bekenntnis bewegt». Es könne nicht sein, dass SRF mit dieser Reaktion bestätige, dass es sich nicht lohne, solche Fälle zu melden. «Das SSM fordert, dass die Untersuchung zu Patrizia Laeri wieder aufgenommen und weitergeführt wird, weil wichtige Zeugen und Zeuginnen bisher nicht befragt wurden», schreibt die Gewerkschaft weiter. Die externe Untersuchung kläre nicht, ob im Falle Laeri eine sexuelle Belästigung vorliege oder nicht.

Verfolgst du den Fall um Patrizia Laeri?

Die Mitteilung des SSM deckt sich mit Laeris Reaktion auf die Untersuchungsergebnisse. Gegenüber 20 Minuten kritisierte die Moderatorin ebenfalls das Vorgehen der externen Fachstelle. «Ich gehe von schweren Verfahrensmängeln bei der Untersuchung aus und habe bereits ein Gesuch um Akteneinsicht gestellt, um den Bericht und das Verfahren juristisch prüfen zu lassen», so die ehemalige SRF-Moderatorin. Von ihr genannte Zeuginnen wurden nicht berücksichtigt. 

Weitere Anschuldigungen wurden geäussert

Nach Laeris Vorwürfen vergangenen Februar meldeten sich fünf weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gegenüber derselben Person Anschuldigungen äusserten. Drei der Meldungen seien bereits abgeschlossen und die zwei anderen seien bei der externen Stelle noch hängig, so SRF. Der Sender stellt allerdings klar, dass sich keiner dieser fünf weiteren Vorwürfe auf sexuelle Belästigung beziehe.

Weitere Opfer hätten noch bis zum 6. April die Möglichkeit, sich bei der beauftragten Institution zu melden. Ob und welche Konsequenzen nach dem Bericht folgen, ist bisher noch unklar, wird aber zu gegebener Zeit kommuniziert. Bereits zu Beginn betonte die Chefetage im Leutschenbach: «Bei SRF gilt bei sexueller Belästigung und bei sexistischem Verhalten Nulltoleranz.» 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?
Hier findest du Hilfe:
Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz
Verzeichnis von Anlaufstellen
Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

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Leonie Projer (pro), Jahrgang 1997, ist stellvertretende Leiterin im Ressort People. Ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte sie bei Tele M1 und «ArgoviaToday».

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