Retterin in Not«Sie sagte, ich soll den Kopf ruhig halten, die Ambulanz sei auf dem Weg»
Ein Freiburger Junglenker landete mit seinem Töff im Bach und wurde verletzt. Über Facebook suchten er und seine Schwester nach seiner Helferin – mit Erfolg.
Darum gehts
- Am 21. Mai kam ein junger Töfffahrer in Lehwil von der Fahrbahn ab und landete in einem Fluss.
- Eine Spaziergängerin eilte ihm zu Hilfe.
- Über Facebook suchte die Familie des Verunfallten nach der Helferin – mit Erfolg.
Christian H.* (18) aus dem Kanton Freiburg fährt leidenschaftlich gerne Töff. Seit zwei Jahren ist der Lehrling öfters mit seinen Freunden auf den Strassen anzutreffen, seit einem halben Jahr auf seinem Enduro-Motorrad. Auch am 21. Mai 2023 war er mit Freunden bei gutem Wetter unterwegs, als er gegen 14 Uhr in einer Kurve in Lehwil von der Fahrbahn abkam und in dem Lettiswilbach landete. «Ich bin um die acht Meter geflogen und auf einem Stein aufgeschlagen», sagt er. «Ich erinnere mich gar nicht daran, wie es genau passiert ist.» Er habe direkt starke Schmerzen, vor allem in der linken Schulter und im Rücken verspürt.
Schwerer Töffunfall
Seine Freunde, die vor ihm fuhren, hörten den Krach über das Kommunikationssystem und seien daraufhin wieder umgekehrt. «Ich erinnere mich, dass auch eine ältere Frau da war und mir geholfen hat», erzählt der Junglenker. Die Frau habe sich sofort um ihn gekümmert und seinen Kopf stabilisiert. «Sie hat mir gesagt, dass ich den Kopf ruhig halten soll und dass die Ambulanz auf dem Weg ist. Ich hatte gemischte Gefühle, das Atmen fiel mir schwer, aber ich habe noch alles gespürt, das hat mich etwas beruhigt.» Nach einer Weile sei die Ambulanz eingetroffen und habe ihn ins Spital gefahren.
Dort erfuhr er, dass er seine linke Schulter, sein Schlüsselbein und fünf Dornfortsätze gebrochen hatte. Die Ärzte hätten ihm jedoch erklärt, dass seine Schutzkleidung ihn vor stärkeren Verletzungen geschützt habe. «Ich hatte hohe Stiefel, eine Motocross-Hose, eine Protektoren-Weste, einen Panzer auf dem Rücken und der Brust, Protektoren an den Ellbogen und den Schultern sowie einen Helm und Handschuhe an», sagt H. Er rate zudem jedem, auf die Sicherheitskleidung zu achten: «Sie hat mich echt vor Schlimmerem bewahrt.»
Fährst du mit Sicherheitskleidung?
«Ich bin jetzt für mindestens acht Wochen krankgeschrieben und habe auch noch Schmerzen», so der junge Lenker. «Aber ich bin meinen Freunden und der Spaziergängerin sehr dankbar, dass sie sich um mich gekümmert haben.»
1500 Mal geteilt
H.s Schwester Christine (22) startete nach dem Unfall eine Suchaktion, um die hilfsbereite Spaziergängerin ausfindig zu machen. «Sie hat ihn nicht gekannt, aber sie ist trotzdem samt Schuhen in den Bach gesprungen und hat meinem Bruder geholfen», sagt sie. «Wir wollten uns unbedingt bei ihr bedanken.» Auf Facebook startete sie einen Aufruf, der inzwischen über 1500 Mal geteilt wurde. «Die Leute haben gefragt, wie es ihm geht, und gute Besserung gewünscht, das hat mich so gefreut», so die 22-Jährige. Eine Kommentatorin gab den entscheidenden Tipp und vermittelte die Kontaktdaten. «Es hat gar nicht so lange gedauert, nach einem Tag wussten wir, wer sie ist.»
Ein grosses Dankeschön und «was wäre wenn?»
Am Montag ist die Familie zusammen mit zwei Freunden, die dem Unfall beigewohnt haben, bei der Helferin gewesen, um sich zu bedanken. «Unser Vater war auch dabei, das war ihm besonders wichtig», sagt Christine H. Sie hätten Schokolade und eine handgeschriebene Karte mitgebracht. «Sie hat sich sehr gefreut, dass es meinem Bruder gut geht.»
Nach dem Besuch kehrte die Familie an den Unfallort zurück. «Es war schon krass zu sehen, wie viele noch grössere Steine dort lagen», sagt die Schwester. «Ich hatte gemischte Gefühle und dachte nur: Was wäre, wenn er auf einen noch grösseren Stein geprallt wäre? Das will ich mir gar nicht vorstellen», sagt sie. «Aber wir sind eine sehr enge Familie. Der Unfall hat uns noch näher zusammen gebracht.»
*Namen von der Redaktion geändert.
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