New YorkUnscheinbare U-Bahn-Tür führte einst zu einem Traum-Hotel
Unscheinbar – so lässt sich die Tür an einem Ende der Subway-Station Times Square am besten bezeichnen. Dabei führte sie einst in die glamouröse Welt des Knickerbocker Hotels.
Darum gehts
- Das 1906 eröffnete und 1920 geschlossene Knickerbocker Hotel in New York lockte Besucher und Übernachtungsgäste mit einer Vielzahl von Argumenten an.
- Unter anderem gab es in der Subway-Station einen direkten Zugang zum Hotel.
- Die Tür existiert bis heute. Der unterirdische Zugang wurde – anders als das Hotel im Jahr 2015 – nicht wiedereröffnet.
«Wo kommen all die Menschen her?» Diese Frage stellten sich die Manager des Knickerbocker Hotels in New York im Oktober 1906. Das im Beaux-Arts-Style gehaltene Hotel hatte doch gerade erst eröffnet. Und trotzdem waren schon nach zwei Tagen zwei Drittel der Zimmer belegt und die Restaurants mussten Gäste abweisen, so berichtete die «New York Times» damals.
Darum Knickerbocker

Die Lobby sei stets voll. «In den unteren Etagen des Hotels herrscht ein ständiger Strom von Fremden.» Die Frauen hätten sogar in die Bar gespäht, «um einen Blick auf das Wandgemälde ‹Old King Cole and His Fiddlers Three› zu erhaschen». Das rund neun Meter lange Bild war beim Maler Maxfield Parrish extra in Auftrag gegeben worden.

Das Knickerbocker Hotel war neu, genauso wie der Times Square
Doch nicht nur Parrishs Gemälde und weitere Besonderheiten des neu eröffneten Hotels sorgten für den Ansturm. Auch die Lage des Knickerbockers an der Ecke Broadway 42nd Street war besonders. Mit der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und nicht zuletzt der Lancierung der ersten U-Bahn-Linie im Jahr 1904 hatte sich das New Yorker Theaterviertel von weiter südlich in Manhattan zum heutigen Times Square verlagert und die Menschen entdeckten zunehmend die Gegend.
Direkter Hotelzugang von der Subway-Station aus
Zudem hatte der Erbauer des 600-Zimmer-Hauses, John Jacob Astor IV. (siehe Bildstrecke), noch vor der Eröffnung der Subway dafür gesorgt, dass die U-Bahn-Station unter dem Knickerbocker über einen direkten Hoteleingang verfügte. Andernfalls hätte er nicht gestattet, dass die Subway durch einen Teil seines Grundstücks führt. Ein grosser Knickerbocker-Schriftzug über einer Tür am Ende des Gleises des 42nd-Street-Shuttles wies den Subway-Nutzern den Weg. Bereits der Gang dahinter sei sehenswert gewesen: «Er war mit Sofas ausgestattet und mit heraldischen Bannern geschmückt», schrieb die «New York Times» damals.
«Seine architektonischen Merkmale sind zerbrochen»
Heute ist das anders. Zwar existieren Tür und Schriftzug bis heute. Allerdings endet der Weg seit der Schliessung des Original-Knickerbockers im Jahr 1920 auch genau dort. Der unterirdische Zugang wurde – anders als das Hotel im Jahr 2015 – nicht wiedereröffnet. «Seine architektonischen Merkmale sind zerbrochen, durchlöchert, blättern ab, platzen ab und bröckeln», schrieb die «New York Times» 2014. «Nur ein apokalyptischer Filmregisseur oder ein unheilbarer Romantiker würde sich zu diesem Raum hingezogen fühlen, der als Lagerraum dient.»

Das Knickerbocker Hotel war auch nach der Eröffnung erfolgreich
Nicht nur die ersten Tage nach der Eröffnung im Jahr 1906 waren ein Erfolg. Auch in den Jahren bis zur Schliessung erlebte das Knickerbocker Hotel glorreiche Zeiten. Das Haus und seine Bars und Restaurants waren beliebt (siehe Box). So sehr, dass das Haus immer weiter ausgebaut wurde. Nachdem der Gründer John Jacob Astor IV. 1912 beim Untergang der Titanic gestorben war, erbte sein Sohn Vincent Astor das Hotel, das unter dem Pächter James B. Regan erfolgreich weitergeführt wurde.
Berühmte Gäste des Knickerbocker Hotels

Angeblich Ort berühmter erster Male
Auch die Bar war legendär. Hier soll der Legende nach der Martini erfunden worden sein. Laut dieser soll ein ursprünglich aus Italien stammender Barkeeper für John D. Rockefeller erstmals trockenen Wermut mit Gin gemixt haben. Wirklich belegt ist das aber nicht. Es ist vielmehr eine von vielen Gin-Legenden. Die Top Ten der angeblichen Martini-Erfinder sind im Buch «Shaken Not Stirred» (Geschüttelt, nicht gerührt) zu finden. Ein anderes Gerücht besagt, dass im Knickerbocker auch erstmals ein rotes Samtseil zum Einsatz gekommen ist, hinter dem wartende Gäste draussen anstehen müssen.
Reizt es dich, in einem Hotel mit Geschichte einzuchecken?
Warum wurde das Knickerbocker Hotel 1920 geschlossen?
Die Zeiten waren viele Jahre gut. Doch dann kam die Prohibition. Schon nach der Verkündung im Jahr 1919 wurden die Geschäfte schlechter. Am 30. Mai 1920 schloss das Original-Knickerbocker dann ganz und das Gebäude wurde zu Büros umgebaut. Statt als Knickerbocker Hotel war es die nächsten 20 Jahre als Knickerbocker Building bekannt. Dann zog das «Newsweek»-Magazin ein und das Gebäude wurde die nächsten Jahre als Newsweek-Building bezeichnet. Nach dem Auszug des Magazins war das Gebäude Sitz verschiedener Büros und Bekleidungsgeschäfte, darunter Gap. Auch ein pornografischer Buchladen zog vorübergehend ein.
Back to the roots: Das Knickerbocker Hotel ist zurück
Heute befindet sich am Ort des alten Knickerbocker Hotels das neue Knickerbocker Hotel. Da das Gebäude 1980 in das National Register of Historic Places eingetragen und 1988 zum Wahrzeichen von New York City erklärt wurde, ist die Fassade noch die alte. Das Innere wurde dagegen komplett erneuert. Auch der Ballsaal im Untergeschoss mit direktem Zugang vom U-Bahnsteig ist Geschichte. Genauso wie die Preise von damals: Lagen die im Eröffnungsjahr bei durchschnittlich 3,25 Dollar pro Tag (heute rund 80 Dollar), kostet ein Zimmer heute rund 360 Dollar.
Wissen-Push
Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?
Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen, History & Digital und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
