Nachhaltigkeit: Wird durch Secondhand-Shopping mehr konsumiert?

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KonsumforscherRebound-Effekt – die Schattenseite des Secondhand-Booms

Du findest beim Secondhand-Shopping fast immer, was du suchst. Sicher? Ein Forscher erklärt, warum Gebraucht-Kaufen zu mehr Konsum führen kann. 

Brauchst du wirklich jedes Teil, das du beim Secondhand-Shopping findest?
Brauchst du wirklich jedes Teil, das du beim Secondhand-Shopping findest?Pexels/Cottonbro Studio

Secondhand-Shopping ist eine Kunst für sich. Die allermeisten machen sich auf die Suche, durchstöbern endlos wirkende Kleiderstangen, wühlen sich durch Kisten – alles auf der Suche nach dem grossen Secondhand-Schatz. Doch sie finden nicht, was sie suchen und kaufen schliesslich etwas ganz anderes. Die anderen, die mit dem offenbar glücklicheren Händchen, marschieren in den Store, greifen zu – und finden oft, was sie kaufen wollten.

Laut Konsumforscher Dr. Gianluca Scheidegger, Wirtschaftswissenschaftler am Gottlieb Duttweiler Institut, heisst Secondhand-Shopping nicht unbedingt, dass man nur kauft, was man braucht. Im Gegenteil, er sieht den Trend auch kritisch: «Der Secondhand-Boom kann dazu führen, dass unter dem Strich mehr konsumiert wird.» Doch wieso ist das so? Der Experte erklärt das mit dem sogenannten «Rebound-Effekt» – die ursprünglichen Einsparungen werden also teils wieder aufgehoben oder ausgehebelt.

Wo kaufst du deine Kleider?

Gezieltes Secondhand-Shopping ist schwer

Das entstehe zum Beispiel dadurch, dass du die Möglichkeit hast, ein Produkt schnell wieder verkaufen zu können. Der Gedanke daran könne dazu führen, dass man schnell kauft. Scheidegger sagt: «Wenn ich für eine Designer-Handtasche noch immer 75 Prozent des Neupreises erhalte, kann es dazu führen, dass ich mir immer das neuste Modell kaufe und in einem guten Zustand wieder verkaufe.» Die Frage dabei: Hätte man sich die Handtaschen sonst überhaupt gekauft?

Wer Kleidung wegen des Nachhaltigkeitsaspekts aus zweiter Hand einkaufen will, kann sich dabei verrennen. Der Konsumexperte macht deutlich: «Bei Kleidung ist es schwierig, gezielt Secondhand zu kaufen, da es unwahrscheinlich ist, dass das gesuchte Produkt, zum Beispiel eine schwarze Jeans, genau in der passenden Grösse verfügbar ist.» Das wiederum könne zu Spontan-Käufen führen, «da man im Laden dann Kleider kauft, die man nicht unbedingt braucht.»

Gezieltes Shoppen ist in Secondhand-Läden oft schwierig. Es droht, zu Ersatz zu greifen, den du eigentlich nicht kaufen wolltest.
Gezieltes Shoppen ist in Secondhand-Läden oft schwierig. Es droht, zu Ersatz zu greifen, den du eigentlich nicht kaufen wolltest.Pexels/Cottonbro Studio

Auch der Gedanke daran, dass man ja gerade etwas Nachhaltiges tut, kann die Nachhaltigkeit ausbremsen. Er sagt: «Wenn ich das Gefühl habe, mein Konsum hat weniger Auswirkungen auf die Umwelt, kann das dazu führen, dass ich mehr konsumiere.»

Secondhand-Markt wächst massiv

Seit Jahren spriessen Secondhand-Läden in den Städten aus den Böden. Der Markt wird immer grösser, hat sich aus der «Öko-Nische» befreit, wie der Experte sagt. «Der globale Secondhand-Markt wächst derzeit schneller als der Fast-Fashion-Markt und hat vom Umsatzvolumen her, gewissen Schätzungen zufolge, den Fast-Fashion-Markt bereits überholt.»

Das hat laut dem Forscher nicht nur gute Seiten: «In einem gewissen Masse ist der Secondhand-Boom ein Zeichen unseres Überkonsums, da er nur dann entstehen kann, wenn massenhaft neuwertige, funktionsfähige Produkte ersetzt und verkauft werden.» 

Findest du im Secondhand-Store immer genau, was du suchst?

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